Erfahrungsbericht Geburtshaus bzw. im Hebammen geleiteten Kreissaal

Erfahrungsbericht Geburtshaus

In meiner zweiten Schwangerschaft war vieles anders als in der ersten. Es war irgendwie nicht so neu und der Alltag mit unserem damals 2-jährigen lief wie gewohnt weiter. Wir mussten uns nicht über alle möglichen Dinge Gedanken machen, wir wussten, was wir brauchen würden und hatten das meiste davon schon zuhause.

Was ich auch ganz genau wusste: Ich gehe nie wieder in ein Krankenhaus zur Geburt! (Ja, natürlich vorausgesetzt ich habe einen unauffälligen Schwangerschaftsverlauf.)

Warum? Ich kann dir keine miese Geschichte mit Saugglocke oder gar Kaiserschnitt erzählen, denn ich hatte Glück, dass mein Körper nach der Einleitung tat, was das Krankenhaus erwartete: Ich hatte produktive Wehen und letztendlich kam der Große spontan. Meine Geburt war also „ganz normal“. Was darf ich mich überhaupt aufregen? Ist es nicht genau, das was alle wollen?

Perfekt war die Geburt nicht, denn ich wurde unter den Wehen aus der Wanne geholt, auf den Rücken gelegt und mir wurde ohne meine volle Zustimmung ein Dammschnitt verpasst… Der Schnitt macht immer noch Ärger, nach inzwischen fast vier Jahren.

Meine Pläne

Bei der nächsten Geburt wollte ICH der Chef sein und nicht Anweisungen befolgen müssen.

  • Nicht ständig liegen und untersucht werden müssen.
  • Keinen Zugang haben und aus der Wanne gehen und auf dem Rücken liegen müssen.
  • Nicht geschnitten und hinterher von einer respektlosen Ärztin (schlecht) genäht werden müssen.
  • Mich nicht fremden, teils unsympathischem und überlasteten Personal anvertrauen müssen.

Müssen tut man natürlich gar nichts! Aber ich war bei der ersten Geburt zu Diskussionen unter Wehen nicht in der Lage. Mein Mann und ich waren bei der ersten Geburt auch einfach zu blauäugig.

Dieses Mal würde es anders sein!

Das Geburtshaus

Eine Hausgeburt wurde es nicht. Da wir in der 32. Schwangerschaftswoche umzogen, war ich viel zu spät dran für die einzige Hausgeburtshebamme im Umkreis. Eine andere, die als Beleghebamme arbeitet, war auch schon voll, und das Krankenhaus hat mich ohnehin abgeschreckt. Geburtshaus gibt es keins in der Nähe. Politiker und Krankenkassen – Herzlichen Dank!

Und jetzt? Für die restliche Vorsorge (zuhause, so ein Luxus!) und Nachsorge fand ich zum Glück eine tolle Hebamme. Für die Geburt fanden wir auch etwas schönes: Ein antroposophisches Krankenhaus mit hebammengeleitetem Kreissaal, etwa eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt. Näher würde ich meinem Traum-Geburtsort wohl nicht kommen.

Das entsprechende Krankenhaus selbst ist aber wirklich eine andere Hausnummer als die Klinik von der ersten Geburt: Die Schwestern auf Station tragen die Neugeborenen im Tuch durch die Gegend, wenn die Mamas eine Pause brauchen. Die Kaiserschnittrate liegt bei unter 20% und Dammschnitte wurden laut Aussage bei der Anmeldung nur 13 in über 600 Geburten gemacht. Stillfreundlich sind sie dort natürlich sowieso und füttern, wenn nötig, mit Stutenmilch zu. Wenn die Eltern nicht auf Pampers bestehen, wird mit Mullwindeln gewickelt. Ihr wisst schon, was ich meine 😉

Das wichtigste: Die Hebammen sind die Chefs im Kreissaal. Im Umkreis wird oft vom „Geburtshaus“ geredet und ich denke, das ist gar nicht so falsch. Ich war also positiv gestimmt.

Meine Schwangerschaft

In der 34. Schwangerschaftswoche hat mir mein Frauenarzt einen verkürzten Muttermund prognostiziert. Die Gefahr: Eine Frühgeburt. Also musste ich mich schonen, was bedeutet, dass ich keine langen Spaziergänge machen, keiner Aufregung ausgesetzt werden und nichts schweres heben musste. Ich sollte vor allem sehr viel liegen.  Mit einem 2-jährigen Wirbelwind daheim (und den unausgepackten Kisten überall…) ist das gar nicht so einfach. 🙂

Ab 37+0 habe ich dann aber wieder ordentlich angepackt, denn ab jetzt durfte das Kind kommen, ohne dass es als „Frühgeburt“ gegolten hätte. Erst ab diesem Zeitpunkt darf man eine ambulante Geburt haben, also schon wenige Stunden nach der Geburt wieder nach Hause gehen. Und vor 36+0 hätten mich die Hebammen sowieso in ein Krankenhaus mit Kinderklinik weitergeschickt.

Doch der kleine Wurm hat auf sich warten lassen. Bei 40+3 war er immer noch im Bauch. Der Sommer war so heiß. Und ich kann dir sagen, mit einem dicken Bauch ist alles doppelt so anstrengend!

Der Geburtsbeginn

3 Tage vor Geburt war der Muttermund schon 3 cm offen. Ich hab also gehofft, dass es eine schnelle, unkomplizierte Geburt wird. Am Tag der Geburt hatte ich die ganze Nacht Wehen. Und wie werden mir meinen Anstrengungen gedankt? Der Muttermund war danach nur 3 cm offen.

Da ich regelmäßige Wehen hatte, ließen mein Mann und ich den Großen von der Oma abholen und wir selbst fuhren in das Geburtshaus.

Die Hebamme dort hat uns erst einmal 1,5 Stunden spazieren geschickt, nachdem sie mich untersucht hatte (sehr sanft und vorher hat sie sogar gefragt!). Irgendwann war es mir doch zu anstrengend und wir sind zurück. Die Hebamme hat mir noch angeboten, zum Frühstücksbuffet zu gehen. Auf meinen angeekelten Blick hin hat sie gelacht und gefragt, was mir gut täte: Die Wanne!

Ich habe mir erst einmal einen Einlauf machen lassen. Eklig? Nein, das schafft Platz im Bauch und ich kann mich bei der Geburt besser entspannen. Wichtig ist einfach, dass man es selbst will 😉

Die Hebamme hat mir in einer normalen Wanne, also nicht der Geburtswanne, schönes warmes Wasser eingelassen und ich legte mich hinein. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ziemlich schmerzhafte Wehen, aber mit langen Pausen dazwischen. Diese waren mir sehr wichtig und hätten mir rückblickend bei der ersten Geburt sehr geholfen (Bei Einleitungen gibt es oft einen Wehensturm, also Wehen ohne Pause.).

Ich sprach zu mir selbst:

Muskeln, ihr entspannt euch jetzt!
Muttermund, du gehörst auch zu meinem Körper. Du gehst jetzt einfach mal auf.

Ich hab mich quasi dazu gezwungen zu entspannen. So paradox das klingt. Es hat geholfen!

Hypnobirthing erfreut sich ja gerade immer größerer Beliebtheit und ich glaube, dass es wirklich hilft, wenn man dadurch entspannt bleibt. Ich selbst kann mit Meditation, Traumreisen und so leider gar nichts anfangen, also hab ich das Thema schnell abgehakt und eben anders in meine Entspannung gefunden.

Die Geburt

Nach einer halben Stunde ist der Muttermund von 5 cm vor dem begonnen Bad fast komplett aufgegangen, auch wenn ich das in dem Moment nicht wusste.

Ich wollte nur wieder aus dem Becken raus, denn Wasser ist wohl doch nicht so meins. Keine Ahnung wie das gehen sollte so voller heftiger Wehen. Aber in der Wanne bleiben war auch keine Option.

Ich war verzweifelt.

Die Übergegangsphase war auch schon beim ersten Kind ein Tiefpunkt und dieses Mal war es genauso. Und als solche erkannt hab ich sie erst im Nachhinein.

Mein Mann und die Hebamme haben mich irgendwie aus der Wanne raus und rüber in den Kreißsaal geschleift. Pressdrang inklusive.

Ich krabbelte aufs Bett zum Gebären und so blieb ich auch in der nächsten (für mich sehr heftigen) halben Stunde. Die Presswehen herunteramten? Könnt ihr vergessen. Geht nicht 😀 Ich hatte da keine Kontrolle mehr, aber zum Glück durfte ich ja machen!

Mit jeder Wehe habe ich den kleinen Kopf gespürt. Und dann ist er wieder zurückgerutscht.

Immer wieder.

Bei der ersten Geburt bin ich ganz ruhig geblieben. Frauen, die bei der Geburt laut geworden sind, konnte ich echt nicht verstehen. Das kam mir richtig kontraproduktiv vor. Doch jetzt bei der zweiten Geburt habe ich gebrüllt. Ich erkannte mich selbst nicht. Aber es hat schon geholfen. Ich konnte gar nicht anders! Und egal war es mir sowieso.

Kurz vor Ende der Geburt ist auch endlich die Fruchtblase geplatzt.

Der Kopf meines Jungen war draußen.

Der Rest noch drinnen.

Und der Kleine fing an zu weinen.

Ich hörte ihn schluchzen.

In meinem Körper. Mein Körper vibrierte.

Puh, das war ein Erlebnis.

Zentimeter für Zentimeter wurden seine Schultern geboren. Und da war er:

Mein kleines Wunder.

Geburt ohne Interventionen

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Nach der Geburt

Ja, das war meine ziemlich normale, selbstbestimmte Geburt ohne Wehenmittel, PDA und co. Ich würde die Geburt in einem Wort als „animalisch“ bezeichnen 😉

Der Kleine war dann auch gar nicht so klein und mit 4100g über 700g schwerer als mein erster Sohn. Trotzdem bin ich im Gegensatz zum ersten Mal ganz ohne Verletzung davon gekommen.

Gemacht hat die Hebamme übrigens kaum etwas außer einen Dammschutz mit einem warmen Tuch und den Kleinen zwischen meinen Beinen zu mir durch zu reichen.

Nach einer Weile steckte eine Ärztin den Kopf zur Tür rein: “Ach, das Baby ist da! Meinen Glückwunsch.” und kam erst nach 4 Stunden mit dem Entlassungsbrief wieder.

Eine Stunde später oder so sollte der Kleine nach der U1 eine Windel anbekommen. Mein Mann hat – vorbildlich von Stoffwindeln überzeugt – natürlich gefragt, ob wir dem Kind nicht auch eine Stoffwindel dran machen könnten.

Natürlich ging das. Der Kleine hatte dann eine Mullwindel von dort um den Po. Einfach als Dreieck um den Po gelegt. Ohne Überhose.

Irgendwann hat er dort einen riesigen Haufen Mekonium reingesetzt. Ich war so froh, dass ich das nicht auswaschen musste 😛

Meine 5 besten Empfehlungen für eine gute Geburt

Empfehlung 1: Einer werdenden Mama (und natürlich dem Papa) würde ich empfehlen, sich umfassend zu informieren. Ich empfehle dir ganzen Herzens Julias kostenloses Webinar über „Geburt ohne Interventionen“ mitzumachen. Du wirst während des Webinars 3 spannend und informative Interviews hören und anschließend E-Mails mit handfesten Tipps bekommen.

Empfehlung 2: Wie die Wahl des Geburtsortes ausfällt, ist natürlich individuell. Wichtig ist, dass du erst dann eine Entscheidung triffst, wenn du die Alternativen kennst und nicht nur ins Krankenhaus gehst, „weil man das halt so macht“.

Empfehlung 3: Genauso wenig solltest du dir Druck wegen „der perfekten Geburt“ machen. Nur weil eine Frau in einem Youtube-Video ihr Kind kontrolliert herausatmet, muss das dir nicht unbedingt gelingen. Denn „gelingen“ sagt ja schon alles aus: Ein zu erfüllendes Ziel und die Möglichkeit, zu versagen.

Empfehlung 4: Mhm, was noch? Eine ambulante Geburt würde ich jedem nahelegen. Das bedeutet, dass dein Kind im Krankenhaus die U1 bekommt. Anschließend könnt ihr euch noch 4 Stunden oder länger von den Strapazen erholen. Die Ärztin schaut noch einmal kurz nach euch, gibt euch die Entlassungspapier und ihr könnt nach Hause gehen.

Die Hebamme kommt zwei Mal täglich bei euch Zuhause vorbei in den ersten Tagen, danach täglich. Mit einer ambulanten Geburt bist du sogar besser versorgt als im Krankenhaus, denn dort bekommst du nur Krankenschwestern zu Gesicht, die zum Thema Babypflege und Stillen alle eine unterschiedliche „super hilfreiche“ Meinung haben. Auch da spreche ich aus Erfahrung.

Empfehlung 5: Und schaut frühzeitig nach Hebammen, bei der aktuellen Lage…

In diesem Sinne, frohes Gebären 🙂

Viele liebe Grüße
Jessica

P.S. Hier kommst du zur Anmeldungen zum kostenlosen Webinar zum Thema Geburt.

1 Kommentar zu „Erfahrungsbericht Geburtshaus bzw. im Hebammen geleiteten Kreissaal“

  1. Hallo, Jessica. Wir erwarten auch unser zweites Kind und genau wie Sie will meine Frau ein Baby zu Hause haben. Tatsächlich traf sie diese Entscheidung nach dem Rat eines Freundes, der eine sehr gute Hebamme empfahl. Ich denke, es ist wichtig, eine Hebamme zu finden, der man vertrauen kann.

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