Im Sommer Trockenwerden – Erfahrungsbericht Nina Winner

Nackig Trocken werden

Wusstest du, dass man in vielen Städten in Österreich Stoffwindelgutscheine bekommen kann um Müll zu sparen? Ziemlich praktisch…

Auch Nina Winner von Geburt-und-Mama-sein lebt in Wien. 2009 kam ihr erster Sohn zu Welt und sie wollte Stoffwindeln ausprobieren.

Sie lies sich beraten und kaufte Stoffwindeln, wurde aber mit ihnen nicht so richtig warm.

Nach einigen Monaten ist sie wieder zu Wegwerfwindeln gewechselt. Aber da sie Öko-Windeln benutzte und ihr Sohn mit 22 Monaten trocken war – ganz ohne Abhalten als Baby (Windelfrei) – ist ihre Öko-Bilanz trotzdem nicht so schlecht *zwinker*

Lasst einfach mal die Windeln weg!

Hast du dein Baby/Kleinkind ab und an abgehalten fürs Pipi/Kacka (Windelfrei)?

Als Baby nicht. Mir ist es gar nicht in den Sinn gekommen. Ich wusste überhaupt nicht, dass es so ja auch möglich ist. Ich konnte allerdings am Verhalten meines Sohnes erkennen, ob er eine neue Windel haben wollte. Sobald er laufen konnte (mit 11 Monaten) ist er phasenweise auch viel nackig herum gelaufen.

Die Sommer in Wien sind sehr heiß und so konnte er sich frei bewegen und seine Körpervorgänge beobachten.

Wie ist dein Sohn trocken geworden?

Im Sommer drauf war es ab Ende April/Mai sehr heiß. Da war mein Sohn 19 Monate alt. Da verbrachte er sehr viel Zeit ohne Kleidung. Er liebte das. Er liebt es, sich zu bewegen, kann sich gut spüren und er fand seine nackte Zeit herrlich. Wir hatten einen kleinen Garten und so konnte er ungehemmt plantschen und spielen.

Eines Tages hörte ich ihn von draußen, wie er mich laut rief. Ich konnte hören, dass ihn etwas sehr beunruhigte. Als ich raus kam, wusste ich, was es war: Er hatte groß gemacht und stand mit einem Fuß in seinem Stuhl. Das fand er äußerst unangenehm.

Ich erklärte ihm, was passiert war, machte aber keine große Sache daraus. Ich sagte ihm, dass das ganz normal ist und dass das ja mal passieren kann. Wir gingen es abwaschen.

Für meinen Sohn war dieses Erlebnis so beeindruckend, dass er dann innerhalb einer Woche tagsüber komplett trocken war.

Es gab nur wenige ‘Unfälle’, in denen ich entweder zu unaufmerksam war und nicht schnell genug reagierte oder er zu vertieft in sein Spiel war, um rechtzeitig Bescheid zu geben.

Auch im bekleideten Zustand konnte mein Sohn weiterhin gut spüren und kommunizieren, wann es soweit war.

Ich nahm bei längeren Fahrten oder Unternehmungen noch Windeln mit. Bei längeren Autofahrten zog ich ihm noch Windeln über, die er aber entweder nicht brauchte oder bald auch gar nicht mehr wollte.

In der Nacht trug er weiterhin Windeln, die auch morgens immer voll waren.

Wie hast du ihm erklärt, wie das Töpfchen funktioniert?

Mein Sohn wollte gleich auf die große Toilette gehen. Wir leben recht freizügig, d.h. unsere Kinder sehen uns oft nackt, und sie durften auch mit auf die Toilette gehen, wenn sie sehen wollten, was da so geschah. Mein Sohn hat sich daran orientiert und so war es für ihn logisch, auch auf die Toilette zu gehen.

Es stand zwar ein Töpfchen und auch ein Aufsatz für die Toilette zur Verfügung, aber er wollte dies nur sehr selten. Für mich bedeutete es, dass ich ihn bei seinen Toilettengängen unterstützen musste, weil er allein nicht rauf und runter kam.

Ab wann würdest du ihn trocken nennen?

Das war mit 22­-23 Monaten, ab dem Moment, wo er tagsüber keine Windeln mehr brauchte und auch keine ungewollten Pfützen auftauchten – der ‘Pfützen­-Zustand’ dauerte ungefähr 4­5 Tage.

Wie lief es unterwegs?

Ich schaute immer drauf, regelmäßig aufs Klo zu gehen. Wenn es keine Toiletten gab, hielt ich ihn über geeigneten Stellen ab. Mir fiel auf, dass sein Stuhldrang fast nur mehr kam, wenn wir zuhause oder an Orten mit Toiletten waren (wie Restaurants).

Wie lief es nachts?

Mein Sohn trug bis er ca. 4,5 Jahre alt war nachts eine Windel. Das letzte halbe Jahr waren diese Windeln morgens auch trocken und es war klar, dass er sie nicht mehr brauchen würde. Wir kauften eine extra Betteinlage für die Matratze und trauten uns so drüber, die Windeln auch nachts weg zu lassen. Wenn wir daran dachten, ihn vorm Schlafgehen noch einmal auf die Toilette zu schicken, so waren die Nächte auch ruhig und trocken.

Wie lief es in der Kita?

Mein Sohn ist erst mit 4 Jahren in den Kindergarten gekommen, weil seine Schwester 26 Monate nach ihm kam und ich mit beiden Kindern lange zuhause blieb (daher waren die langen, ungestörten nackigen Zeiten überhaupt möglich). Deshalb war dies nicht wirklich ein Thema.

Ab wann ist der Kleine selbständig aufs Klo gegangen?

So ca. mit 3 Jahren, nachdem er sich Hose und Unterhose alleine aus­- und anziehen konnte und sich auch den Fußtritt vor die Toilette stellen konnte.

Hast du es beim zweiten Kind wieder so gehandhabt?

Mein Ansatz war, es wieder so zu machen, also mich vom Kind führen zu lassen, das sich sein eigenes Tempo und seine eigene Strategien findet. Meine Tochter hat es anders gemacht als mein Sohn.

Sie war insgesamt mit allem ein wenig später dran. Sie ist im Winter geboren, d.h. als sie knapp 2 war, war es Winterzeit und lange nackige Zeiten waren da nicht möglich. Außerdem ging sie mit 2 Jahren halbtags in die Krippe, weil ich mir mein eigenes Business aufbaute.

Sie hatte also nicht so viel freie Zeit wie mein Sohn damals. Sie wurde dann erst mit 2,5 Jahren trocken – auch hier wieder in der Sommerzeit, wo sie viel nackig herum lief.

Anders als mein Sohn liebte meine Tochter ihr Töpfchen und würde es jetzt (mit 4) noch gerne nehmen, wenn es noch da wäre. Sie brauchte aber weniger Zeit, um auch nachts trocken zu werden.

Danke für dieses spannende Interview!

Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir über Ninas Selbstständigkeit und wie sie dir helfen kann, falls du Angst vor der Geburt hast, dein Baby sich nicht drehen mag, die Gefahr einer Frühgeburt besteht oder dein Baby schon längst überfallig ist, falls das große Kind ein kleines Geschwisterchen erwartet.