Zwei Wickelkinder? Tschüss Windel! – Erfahrungsbericht Töpfchentraining Nadine

Töpfchentraining Windelfrei

Ich habe noch nie so richtig dran geglaubt, dass Kinder bis 4 oder 5 Jahre eine Windel brauchen. Meine Geschwister und ich hatten auch mit zwei Jahren keine Windel mehr und diese Zeit peilte ich gedanklich auch für meinen Sohn an.

Ich fand es auch nicht schön, dass mein Sohn tagein tagaus sein persönliches Klo mit sich herum schleppt. Außerdem dachte ich ist es doch für ihn auch viel schöner, wenn er ohne Windel toben kann.

Ich habe auch nicht daran geglaubt, dass er irgendwann von allein sagen würde, dass er keine Windel mehr braucht. Gerade bei Pampers merken die Kinder doch gar nicht, wenn sie rein gemacht haben. Es ist für Sie überaus praktisch. Warum sollten sie auf einmal keine Windeln mehr wollen?

Ich denke vielmehr, dass sie im Kindergarten irgendwann von den Größeren ausgelacht werden und daher dann keine Windel mehr wollen. Das wollte ich ihm dann doch lieber ersparen. Ich finde, es ist meine Aufgabe als Mutter, ihm zu zeigen, wo Pipi und Kacka hin gehören.

Die Vorgeschichte: Minimal-Windelfrei

Als mein Kleiner so 10 Monate alt war, haben wir ein Töpfchen gekauft. Meine Schwiegermutter hatte mir erzählt, dass sie meinen Mann schon ganz früh immer mal aufs Töpfchen gesetzt hat und er dann mit 10 Monaten sein großes Geschäft zuverlässig jeden Morgen dort verrichtet hat. Das fand ich toll und wollte das auch ausprobieren. Von dem sogenannten Windelfrei hatte ich da zwar gehört, fand das aber zu exotisch und nicht für uns passend.

Ganz zwanglos habe ich ihn von da an immer mal wieder aufs Töpfchen gesetzt und bald festgestellt, dass nach jedem Nacht- bzw. Mittagsschlaf eine große Menge Pipi ins Töpfchen ging. Bald hat er auch sein großes Geschäft nach dem Mittagsschlaf aufs Töpfchen gemacht, so dass wir, seit er 1 1/2 ist, kein Kacka mehr in der Windel hatten.

Wenn er mal nicht sitzen bleiben wollte, hab ich ihm etwas besonderes zum Spielen gegeben. So hat sich das ergeben, dass er eine Zeit lang immer unseren Fön haben wollte, wenn er aufs Töpfchen ging. Das war dann schon so ein Ritual: Nach dem schlafen ins Bad, Fön und Töpfchen.

Ich denke insofern schon, dass das auch das Trockenwerden beeinflusst hat, da er den Topf kannte und selbstverständlich drauf gegangen ist. Ich höre ständig von anderen Mamas, dass das Kind nicht auf den Topf will. Auch kenne ich Kinder, die eigentlich trocken sind, für das große Geschäft aber noch eine Windel haben wollen. Das fand ich immer irgendwie komisch und ich denke, das haben wir so umgangen, da er früh gelernt hat, dass es normal ist, aufs Töpfchen zu machen.

Kurz nach dem ersten Geburtstag von meinem großen Kleinen bin ich erneut schwanger geworden. Was mir gleich einfiel war, dass wir dann eine Weile zwei Wickelkinder haben würden. Weil mir der viele Müll schon immer ein Dorn im Auge war, probierte ich zum zweiten Mal Stoffwindeln aus. Der Große war da 14 Monate. Wahrscheinlich hat er da schon zu große Mengen auf einmal gemacht und die Stoffwindeln liefen immer aus. Ich hab bis auf eine Überhose und ein paar Prefolds alles wieder verkauft.

Im Sommer kam dein Artikel übers Trockenwerden und ich habe mir sofort das Buch Tiny Potty Training Book bestellt. Ich war begeistert, habe es aber nicht zu 100% ernsthaft durchgezogen.

Es war Sommer, der Kleine lief oft nackig im Garten herum und hat sich auch ein paar Mal aufs Töpfchen gesetzt bzw. sind wir zu den Büschen gegangen. Im Haus habe ich mich aber nicht getraut die Windel weg zu lassen. Außerdem war ich hoch schwanger und hatte nicht so den Elan, ständig aufzustehen und hinter ihm her zu laufen, wenn er Pipi musste. Ich hätte es zwar schön gefunden, wenn er trocken geworden wäre, aber war auch nicht böse, dass es nicht geklappt hat. Ich dachte, dass er vielleicht wieder zurück zu den Windeln will, wenn er erst mal sieht, dass das Baby gewickelt wird. Ich dachte auch, dass es bestimmt total stressig wird, wenn er keine Windel mehr an hat und alle 10 Minuten Pipi muss. Das kann man mit einem Neugeborenen ja auch nicht grad gebrauchen. Also wieder alles auf Eis gelegt.

Dann kam das Baby und wir hatten 3 Monate zwei Wickelkinder. Was da an Müll zusammen kommt ist echt grausam. Wir waren kurz davor eine größere Mülltonne zu bestellen (Das hätte bei uns ca. 40€ im Monat mehr gekostet). Außerdem waren quasi ständig irgendwelche Windeln leer. Ich hatte das Gefühl, ich bringe von jedem Einkauf eine Kiste mit nach Hause. Irgendetwas musste sich ändern.

Dann kam das “Schlüsselerlebnis” beim Kinderturnen. Der Große wollte, dass ich mich zu ihm auf den Schwebebalken setze. Ich dachte noch, was ist das denn für eine Übung, als er einen hoch roten Kopf bekam. Er hatte in die Windel gemacht. Da er ja schon ganz lange sein großes Geschäft aufs Töpfchen machte (seit der Geburt des Kleinen hat das nicht mehr so super geklappt) hatte ich nicht mal eine Windel zum wechseln dabei.

Ich fand das plötzlich total blöd, dass ich ihn dort beim Turnen wie ein Baby wickeln musste, obwohl er doch gemerkt hatte, dass er mal muss. Er hatte immerhin genug Zeit, zu mir zu kommen, mir zu erklären, wo ich mich hinsetzen soll und dann in die Windel zu drücken. Dann kann er auch sagen, dass er mal aufs Klo muss. Das war kurz nach seinem zweiten Geburtstag.

Als wir vom Turnen nach Hause kamen, hab ich ihn unten herum ohne gelassen. Ich hatte ja das Töpfchentrainings-Buch schon gelesen und wusste in etwa, wie es läuft. An diesem Abend musste er nur noch ein mal Pipi. Das ging glaube ich auf den Boden. Aber ich war erstaunt, dass er schon so lange anhalten kann. Ich hatte damit gerechnet, dass er alle paar Minuten muss.

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Das Töpfchentraining: Eine Woche ohne Windeln

Ich war schon sehr aufgeregt bevor ich die Windeln ganz weggelassen habe. Welche Mutter wäre das nicht? 😉

Das besagte Kinderturnen war an einem Donnerstag. Unser Sohn geht, seit er ein Jahr ist, 3 Tage die Woche in eine Kinderkrippe. Freitags hat er frei. Als die Kinder am Donnerstag Abend im Bett waren, habe ich noch mal das wichtigste aus dem Buch “Tiny Potty Training” gelesen und gesagt: So, morgen geht es los. Ab morgen brauchen wir keine Windeln mehr.

Wir hatten also drei Tage. Für alle Fälle hatte ich im Kopf, dass wir den Montag auch frei nehmen können und Dienstag geht er sowieso wieder nicht in die Krippe. Also hatten wir 5 Tage vor uns.

Ich habe das Töpfchen ins Wohnzimmer gestellt. Dort haben wir Fliesen und Fußbodenheizung. Ich habe ihm am Morgen seine Nachtwindel abgezogen und gesagt, dass er ab heute keine Windeln mehr braucht, dass er ab sofort aufs Töpfchen gehen darf.

Dann habe ich ihm selbst genähte Babylegs und Hausschuhe (oben herum normal) angezogen und wir sind spielen gegangen. Ich habe wirklich das Handy bei Seite gelegt und meinen Sohn genau beobachtet. Weil er am Tag davor auch schon so lange angehalten hatte, habe ich ihm Orangensaft zu trinken gegeben, damit wir häufigere Pipis zum üben haben. Der Papa hat eingekauft und Mittagessen gekocht, das Baby war sowieso total lieb und das lief so nebenbei.

Das erste Pipi hat er gemacht, als er auf so einem kleinen Plastik Hocker saß. Als er es gemerkt hat, hat er ganz erschrocken zwischen seine Beine geblickt und ich hab ihn schnell gepackt und aufs Töpfchen gesetzt. Da ging der Rest rein.

Beim zweiten mal kamen ein paar Tröpfchen, er hat gesagt: “Oh, Pipi!” Und ich: “Schnell, schnell!”. Da wusste er schon, wo er hin soll und fast das ganze Pipi ging ins Töpfchen. Beim dritten und vierten Pipi war es ähnlich.

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Dann war Mittagsschlaf und er hat wieder eine Windel anbekommen. Ich habe ihm gesagt: “zur Sicherheit und weil wir ja noch üben, bekommst du für den Mittagsschlaf noch mal eine Windel. Heute Nachmittag dann wieder ohne.”

DSC_0135 (1)Nachmittags lief es dann schon geradezu grandios. Wenn er gemerkt hat, dass er mal muss, hat er gesagt: “Oh Pipi! Schnell, schnell!” Und hat sich selbstständig aufs Töpfchen gesetzt. Ach ja, das größte für ihn war übrigens, das Pipi selbst ins Klo zu schütten und Hände mit viel Schaum waschen.

Da der erste Tag so super lief, habe ich ihm am zweiten Tag gleich Hosen angezogen. Da war es dann genauso, wie am ersten Tag, das erste Pipi ging fast komplett in die Hose, das zweite nur ein paar Tropfen und danach hat er es zuverlässig angesagt.

Um mir und ihm noch ein bisschen mehr Sicherheit zu geben, hab ich ihn am Montag von der Krippe abgemeldet und war am Dienstag zum Gespräch in der Krippe. Davor hatte ich am meisten Angst eigentlich. Ich dachte, die ziehen da nicht mit und werden sagen, dass er dort Windeln tragen muss. Aber sie haben gesagt, dass sie es versuchen werden. Ich soll genug Wechselkleidung mitgeben. Die haben wir aber gar nicht gebraucht. Er hält dort ein bis zum Mittag essen. Die anderen Kinder bekommen dann eine neue Windel und er geht aufs Klo.

Nach einer Woche hab ich gedacht: Das war ja leicht!

Natürlich gab es das ein oder andere Mal wieder eine Panne. Aber das ist ja wie mit allem anderen auch. Da erwarten wir auch nicht, dass es von dem einen auf den anderen Tag problemlos klappt. Ich nehme ihm unterwegs jetzt immer Wechselkleidung mit. Bevor wir raus gehen, schicke ich ihn noch mal Pipi machen.

Ich habe den Eindruck, in jeder neuen Situation muss das mit dem Pipi erst mal ausprobiert werden. Es stört mich aber nicht, ihm eine trockene Hose anzuziehen und die nasse dann zu waschen. Mit zwei Kindern hat man ohnehin immens viel Wäsche. Da kommt es darauf auch nicht an.

Krankheit und wieder Windeln

Kurz vor Weihnachten waren wir alle krank mit Magen-Darm-Grippe. Da habe ich ihm ein mal vorsorglich und ausnahmsweise eine Windel angezogen, weil er Durchfall hatte.

Wir waren zu der Zeit auch nachts schon von den Windeln weg, weil sie eigentlich vom ersten Tag an auch nachts trocken waren. Aber seitdem trägt er nachts wieder Windeln. Es war einfach zu oft das Laken nass und das wollte ich nicht. Er schläft halt auch noch in seinem Gitterbett und hat somit keine Möglichkeit, nachts aufs Klo zu gehen. Ich denke, dass das wirklich bald von allein kommt, dass er auch nachts keine Windel mehr will. Er deutet jetzt schon wieder manchmal sowas an und die Windeln sind morgens manchmal wieder trocken.

Tagsüber hat er eigentlich keine Windeln mehr getragen, da war ich konsequent. Ich dachte, wenn wir das jetzt wieder anfangen, kommen wir davon nicht mehr weg.

Allerdings war eine Zeit lang wirklich fast immer erst mal die Hose nass. Da habe ich wieder ins Buch geschaut und gelesen, dass das daher kommen kann, wenn man aufgehört hat, ihn zu schicken. [Anmerkung: Im Buch steht, nicht fragen, sondern kurz, bestimmt, liebevoll sagen “Wir gehen jetzt aufs Klo Pipi machen.” und dann dabei helfen, wenn nötig.]

Außerdem kann es helfen, ihn mal wieder ein bis zwei Tage ohne Hose zu lassen. Das haben wir gemacht, dann ist das mit dem schicken auch wieder einfacher und seitdem läuft es wieder besser.

Heute sage ich, mein Sohn ist trocken. Immerhin geht er die meiste Zeit aufs Klo oder Töpfchen. Leider haben wir so ca. Ein mal am Tag eine nasse Hose. Aber es ist nie ein ganzes Pipi drin. Immer nur ein paar tropfen. Der Rest geht aufs Klo. Aber die Hose müssen wir dann trotzdem wechseln.

Ich habe das Gefühl, jede neue Situation muss erst mal ausgetestet werden. So zum Beispiel gestern. Es hat ja so schön geschneit und wir waren mit Schneeanzug draußen. Da hat er gleich 2 mal rein gemacht. Vielleicht hat er einfach den Unterschied zur Windel nicht gemerkt oder war beim Spielen zu beschäftigt. Das ist natürlich gerade jetzt im Winter doof,aber deswegen ziehe ich ihm jetzt trotzdem keine Windel mehr an.

Das Fazit

Töpfchentraining ist definitiv viel weniger schlimm als ich dachte. Mein Sohn hält auch schon echt lange an, damit hatte ich nicht gerechnet. Gerade unterwegs hätte ich gedacht, dass ich den Windeln hinterher trauere.

Auch meine größte Sorge, die Krippe spielt mit bzw. macht er es dort eigentlich besser als Zuhause. Ich bin jeden Tag gespannt, ob ich wohl eine nasse Hose mit nehmen muss, aber meistens muss ich das nicht.

Die ersten paar Tage waren zwar anstrengend, aber das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Bei meinem zweiten Kind werde ich es wieder so machen und vielleicht sogar früher anfangen. Der wird ja mal im August 2 und in dem Sommer davor passt es ja optimal.

Meine besten Tipps:

  • Wir bestimmen den Zeitpunkt fürs Trockenwerden. Wenn wir mit Windeln durch sind, sind es auch unsere Kinder.
  • Wenn wir ein mal den Windeln Tschüss! gesagt haben, gibt es keine Windel mehr. Auch nicht für den Notfall. Die Kinder brauchen eine klare Linie.
  • Wenn mal wieder mehr daneben geht, wieder einen Tag oder einen halben ohne Hose rum laufen lassen. Das funktioniert bei uns immer super.

Und: Einfach machen. Nicht so lange warten. Das Kind hat es verdient! 🙂

Liebe Grüße
Nadine

Das war ein Gastbeitrag von Nadine, die mit Minimal-Windelfrei angefangen hat, als ihr Sohn 10 Monate alt war. Du kannst mit ihr in der Facebook-Gruppe “Töpfchentraining – Windelfrei für Spätstarter” schreiben.

Es ist nie zu spät für Windelfrei!

Lerne die 5 Windelfrei-Phasen kenne und wie du auch zu einem späteren Zeitpunkt mit Windelfrei starten kannst, um das Trockenwerden zu unterstützen.

  • Wann ist der richtige Zeitpunkt?
  • Die Windeln weglassen
  • Was tun bei nassen Hosen?

1 Kommentar zu „Zwei Wickelkinder? Tschüss Windel! – Erfahrungsbericht Töpfchentraining Nadine“

  1. Ich hab das mit meiner Tochter auch um den zweiten Geburtstag rum versucht. Es war Sommer und ich hab die Windeln einfach weg gelassen. Hab mir ganz fest vorgenommen entspannt zu bleiben und nicht zu viel zu erwarten. Zwei Wochen am Stück, hab ich die Windel konsequent weg gelassen (auch unterwegs) und es ging ausnahmslos IMMER!!! Daneben. Wir hatten kein einziges erfolgserlebnis 🙁 dann hab ich aufgegeben. Nun trägt sie wieder Windeln…

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