Windelfrei und Ahbalten zwischen Deutschland und dem Libanon

Windelfrei und Abhalten zwischen Deutschland und dem Libanon

Meine treue Leserin Leila schrieb mir vor einigen Monaten zum Thema Windelfrei, Stoffwindeln und dem Trockenwerden in Deutschland und in anderen Ländern folgendes. Natürlich konnte ich nicht widerstehen, sie zu interviewen.

In diesem kurzem Erfahrungsbericht und Interview wirst du erfahren, wie Teilzeit-Windelfrei entspannt funktionieren kann und wie Kinder in anderen Ländern (der Libanon) trocken werden mit einer Art Windelfrei für Spätstarter.

1) Leilas Windelfrei-Weg

Liebe Julia,

vielen Dank für deine Website. Sie ist wirklich inspirierend für Mütter. In der Schwangerschaft hatte ich (zu) viel Zeit und bin viel im Internet unterwegs gewesen und dann auch auf deiner Seite gelandet, auf der ich zum ersten Mal auf positive Art mit den Themen Stoffwindeln und Windelfrei konfrontiert wurde. Deine Themen sind toll und praktisch.

Es leuchtete mir total ein, dass Babys einen angeborenen Instinkt haben, das “Nest” nicht zu beschmutzen. Mir war klar: Das will ich ausprobieren.

Seit Geburt halte ich mein Baby nach dem Stillen und nach dem Schlafen ab, was so gut wie immer mindestens den Stuhlgang direkt nach draußen befördert hat und ab und zu ein Pipi. Seit dem zweiten Lebensmonat wickeln wir mit Stoffwindeln.

Mein Baby ist jetzt drei Monate alt und erst jetzt fühle ich so langsam, dass wir uns besser einspielen und ich öfter mal das Pipi abfangen kann und manchmal sogar intuitiv oder durch Kommunikation (was ja das schönste ist, fand ich aber bisher sehr schwierig sie zu lesen). Sie reagiert jetzt aber auch positiver auf das Abhalten, als ob sie ein bisschen verstanden hat, worum es geht. Vorher hat sie oft nicht gepinkelt, aber dann kurz danach in die Windel. Das passiert jetzt nicht mehr. Wenn was da ist, dann macht sie es auch. 😀

Alle in meinem Freundeskreis und in der Familie finden das Abhalten total faszinierend Bisher hat es noch keiner übernommen, aber man wird echt beobachtet! 🙂

Was ein “Nachteil” vom Abhalten ist, wenn man das überhaupt so nennen kann, ist, dass ich an Tagen zuhause das oft sehr konsequent mit ihr mache und sie dadurch 90 % der Zeit im Trockenen liegt, oder sogar ohne Windel (ich würd meinen Weg nicht “windelfrei” sondern einfach “abhalten” nennen). Wenn das mal nicht geht, weil wir unterwegs sind, kann ich es überhaupt nicht haben, dass sie ständig diese nasse Windel trägt, ich leide da ehrlich gesagt ein bisschen darunter. Aber auf öffentliche Toiletten mit ihr zu gehen, dazu habe ich mich bisher nicht überwunden, außerdem fände ich das alle 15 Minuten auch ein bisschen heftig, wenn man z. B. in einem Cafe mit ner Freundin sitzt?

Was ich ein bisschen schade finde, ist das manche Windelfreiverfechter polarisieren (ich meine nicht dich damit). Als ob Windelkinder immer erst mit zwei oder drei trocken werden. Ich finde, das hat nichts miteinander zu tun.

Im Kulturkreis meines Vaters z.B. werden Windeln verwendet, aber wenn die Kinder eigenständig sitzen können, kommen sie regelmäßig auf den Pott und sind mit einem Jahr trocken. Sie werden gelobt/es wird sich gefreut, wenn sie was reinmachen, aber das heißt auch noch lange nicht, dass sie sich unter Druck fühlen oder bestraft werden, wenn sie nichts machen oder etwas daneben geht. Was für ein absurder Gedanke!

Es gibt also sehr viel dazwischen. Ich finde es kommt zu 100 % auf die Einstellung der Eltern an, ob sich ein Kind unter Druck fühlt, nicht darauf ob es auf dem Töpfchen sitzt oder nicht! 🙂

Das wollte ich mal loswerden!

Viele Grüße, und ein großes Lob für deine Website
Leila

2) Worin siehst du die Vorteile von Teilzeit-Windelfrei?

Es fühlt sich einfach toll an! Aber das ist vielleicht nicht konkret genug 🙂

Also hier eine Liste:

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  • Welchen Rhythmus hat dein Baby?
  • Welche Signale gibt dein Baby?
  • Wie fühlt sich deine Intuition an?
  1. Die Stoffwindeln bleiben länger trocken
  2. Windeln sind nahezu nie beschmutzt – toll für die Wäsche.
  3. Es ist sehr lustig, mit meiner Tochter “zusammen” auf dem Klo zu sitzen, sie ist sehr entspannt dabei.
  4. Es ist eine schöne Erfahrung, sein Kind auch in diesem Bereich früh kennenzulernen.
  5. Wenn sie gerade gemacht hat, weiß ich: Jetzt kann ich sie nackt strampeln lassen, sie wird (z. B. die nächsten 10 Minuten) nichts nass machen.
  6. Einmal hatte ich bei einem Besuch viel zu wenig Windeln mit. Aber wir hatten eine Alternative! Ich habe sie konsequent abgehalten – sie blieb trocken! Das ist schon eine Art von Windel-Freiheit.

3) Wie macht ihr Windelfrei zu hause? Wie kann man sich das vorstellen?

Als sie ganz klein war, haben wir sie über das Waschbecken gehalten. Die Haltung war etwas sicherer und der Stuhl war so flüssig, dass es mit dem Wasserhahn direkt verschwand. Seitdem sie stabiler ist, setzte ich mich mit ihr auf das Klo, ich hinten, und halte sie vor mir.

Früher haben wir sie nach dem Stillen (Kaka) und nach dem Aufwachen (Pipi) abgehalten, ansonsten fast nie. Jetzt verpasse ich das Pipi nach dem Aufwachen oft, da sie sich erst bemerkbar macht, wenn sie eine zeitlang wach gewesen ist und mit ihren Händen gespielt hat. 🙂 Dann hat sie auch schon gepinkelt. Es stört sie übrigens kein bisschen, dass die Hose nass ist. Und von wegen Zeichen: Mittlerweile halte ich sie auch mal nach Timing ab. Gaaaanz selten hampelt sie ein bisschen rum und meckert kurz, wenn sie Pipi muss. Zeichen helfen also nicht wirklich bei uns. Vielleicht ändert sich das später.

Sie macht jetzt viel “bereitwilliger” Pipi als früher, d.h. sie versteht intuitiv, wozu sie auf dem Klo sitzt. Selbst wenn sie nur ein paar Tröpfchen macht (weil ich z. B. falsch getimet habe), meistens macht sie etwas.

Ich stelle mir, wenn ich aktiv bin, das Handy auf zehn Minuten, das ist ihr Intervall im Moment. Wenn ich in etwas vertieft bin, oder es mir einfach so zu viel ist, lasse ich das aber und lasse sie einfach in die Windel pinkeln.

4) Wie schaffst du 90% trockene Windeln?

Haha, ich habe gerade noch einmal meine Email von damals gelesen. Da war ich gerade wohl sehr motiviert! 😉

90 % des Tages im Trockenen liegen, das ist schon sehr hoch gegriffen 😀 Wenn man es darauf abzielt, ja. Möglich ist das. Hab ich bestimmt auch schon gemacht. Aber Alltag ist das bei uns nicht (mehr). Es gibt ja noch viel anderes, was zu tun ist.

5) Wie funktioniert das Trocken werden im Libanon?

Meine libanesischen Verwandten haben mir das Trockenwerden beschrieben und einiges habe ich selbst miterlebt. Das Baby wird, sobald es sitzen kann, auf das Töpfchen gesetzt nach den Mahlzeiten und ermutigt, was zu machen. Die Mutter beschäftigt sich dabei in der Nähe und ermutigt das Kind, macht die richtigen Geräusche, etc. Wenn was kommt, wird das gefeiert 😀 und das Kind versteht dann recht schnell, worum es geht.

Das ermöglicht frühreifen Kindern, schnell trocken zu werden. Mein Cousin hat z. B. mit 11 Monaten zu verstehen gegeben, dass er Pipi muss, und zwar bitte auf Toilette. Er brauchte dann gar keine Windeln mehr. Andere Kinder haben zwischen 1 und 2 Jahren ab und zu oder auch häufiger Unfälle. Es kommt dann auf den Umgang der Eltern damit an, manche benutzen WWWs in der Zeit, andere lassen die Windeln weg und nehmen Unfälle in Kauf.

Das “Normal” ist jedoch auch für diese Kinder, dass auf Toilette/Töpfchen gegangen wird, und das funktioniert dann halt immer besser, bis die Unfälle aufhören. Mit einjährigen Kindern kann man auf jeden Fall schon über basale Dinge kommunizieren, und da wird es als selbstverständlich gesehen, dass auch der Toilettengang dazu gehört.

Ich habe übrigens auch mit einer Perserin gesprochen, die erzählte, dass sie im Krabbelalter regelmäßig über ein “Loch” gehalten wurden. Das fand ich recht lustig.

[Update] Ich komme gerade aus dem Libanon wieder und habe mit meiner Tante persönlich gesprochen. Ihre älteste Tochter war mit 9 Monaten (sie begann da zu laufen) trocken 🙂 Sie hat zwar außerhalb des Hauses eine Windel angezogen bekommen, aber halt als Sicherheit. Zuhause keine Windel, jede Stunde aufs Klo gesetzt, außerdem konnte sie sehr gut Bescheid geben. Sie war aber auch schon immer sehr pingelig (die kleine), mochte überhaupt keinen Dreck usw. und hat wohl die Verbindung sehr schnell gecheckt.

Die anderen beiden Mädels waren mit mehr als einem Jahr trocken. Meine Tante und auch meine Oma meinten, dass es sehr auf das Kind ankommt, beide fanden aber zwei Jahre schon ziemlich alt. 😉 Haha!

6) Was denkst du: Wie werden die nächsten Monate für dein windelfreies Kind aussehen?

Unsere Kleine ist jetzt 5 Monate und macht das sehr toll mit. Es kommt mehr darauf an, wie konsequent ich ihr die Toilette anbiete. Es bedeutet häufige Unterbrechungen in dem, was ich mache – und auch in dem, was sie macht, was vielleicht in den kommenden Monaten immer relevanter wird. Ich mache ab und zu Abhaltepausen von mehreren Tagen (dann nur nach dem Stillen oder wenn ich sehe, dass sie drückt). Ich finde es schon ein ziemliches Projekt, meine Tochter nebenbei ständig abzuhalten.

Wenn später mal die Pipiabstände größer werden, kann ich mir vorstellen, es konsequenter zu machen. Auf jeden Fall will ich es nicht aufgeben – auch wenn sie schwerer wird (das kann schon in den Rücken gehen) – zu neugierig bin ich, wie es klappt, wenn wir uns der 12-Monats-Marke nähern!

Ich erwarte gar nicht, dass sie mit einem Jahr trocken ist, auch wenn das natürlich schön wäre, aber ich gehe davon aus, dass unsere Kommunikation bis dahin so gut ist, dass das Pipi machen auf Toilette eher die Norm ist, da sie in der Lage sein wird, sich mir bewusst verständlich zu machen. Ich bin total gespannt!

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  • Welche Signale gibt dein Baby?
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