Von Windelfrei zum Freien Lernen – Gastartikel Lena Busch

Windelfrei Freies Lernen

Lena Busch hatte schon einmal einen ausführlichen Erfahrungsbericht über Windelfrei und Trockenwerden ihrer drei Kinder hier auf Windelwissen veröffentlicht. Lena ist Eltern-Coach und schreibt auf mehreren Blogs. Gerade eben organisiert sie den ersten Online-Bildungskongress, der die Themen Bindung, Beziehung, Erziehung, Bildung, Freies Lernen und Unschooling zum Thema hat.

Außer den vielen Fragen zu Windelfrei, die sie schon in ihrem ersten Gastartikel beantwortet hat, habe ich ihr noch weitere Fragen dazu gestellt, wie freies Lernen und Windelfrei zusammenpassen:

Ist Windelfrei und das “Beibringen aufs Töpfchen zu gehen” überhaupt gut, wenn man möchte, dass das Kind frei lernt und sich frei entwickelt? Und wenn man es ganz anders sieht und seinem Kind das Klo gar nicht zeigen möchte: Ist es nicht dissonant, zu meinen, dass die Entwicklung zwischen 0 und 6 mehr oder minder in den Genen steckt und man seinem Kindern nichts beibringen kann und sollte, sondern es sich 100% von selbst entwickelt? Aber dann steckt man es mit 6 Jahren in die Schule und es wird dort unterrichtet und muss so viele Sachen lernen?

Wie Windelfrei und Freies Lernen zusammenhängen

Liebe Julia, danke für diese Frage. Auf den ersten Blick haben Windeln oder keine Windeln und Töpfchen oder kein Töpfchen nicht viel mit Lernen und Bildung zu tun. Auf den zweiten Blick sehr viel aus meiner Sicht.

Ich glaube, dass beide Themen sehr stark damit zu tun haben, was für einen Blick aufs Kind und welche Haltung ihm gegenüber ich habe: Bei Windelfrei und beim selbstbestimmten Trockenwerden gehe ich von einem kompetenten Kind aus, dass sich selbst spürt und mit dem ich von Anfang an in Kommunikation stehe.

Es geht nicht um Windeln oder nicht oder Back-Ups. Oder allenfalls in zweiter Linie. Darum mag ich den englischen Begriff „Elimination Communication“ eigentlich lieber, der  „Ausscheidungskommunikation“ bedeutet. Das ist zutreffender, denn es geht eigentlich vollumfänglich um Kommunikation und jegliche Art der Ausscheidung, egal wo sie stattfindet.

Das Kind zeigt mir etwas, ich zeige ihm etwas und so verstehen wir einander und ich verstehe mein Kind und ich verstehe seine Signale und was es möchte.

Eltern als Mentor

Das Kind fühlt, wann es muss, signalisiert das und zeigt an. Gerade Eltern etwas älterer Windelfreibabys oder Kleinkinder werden es kennen: Das Kind zeigt auch an, wenn es nicht abgehalten werden mag oder Windeln tragen möchte.

Als Eltern brauchen wir nicht viel mehr tun, als unser Kind zu begleiten und zu beobachten. Wir machen Angebote, wenn wir sie für sinnvoll halten und wenn wir den Eindruck haben, dass es dem Kind gerade entsprechen könnte.

Und wir Eltern akzeptieren, wenn das Kind „Nein“ signalisiert und das Angebot ablehnt. So ziemlich die wichtigste Freiheit im Leben ist die, „Nein“ zu etwas sagen und mit etwas aufhören zu dürfen. Das gilt wirklich nicht nur beim Toilettengang – aber halt eben auch dort.

Das heißt, auch das Zur-Toilette-gehen brauche ich einem Kind nicht beizubringen, weil es sich das abschaut. Wie bei einem Mentor.

Wenn beispielsweise jemand sieht, ah, die Julia schreibt soviel zu Stoffwindeln, die kennt sich damit aus – also frage ich sie, wenn ich zu dem Thema etwas wissen will. Oder vielleicht möchte meine Tochter, wenn sie erwachsen ist, etwas zu dem Thema wissen und dann kann ich ihr sagen, schau, das ist jemand, den können wir vielleicht fragen, ich selbst kenne mich da nicht so aus.

Der Ernst des Lebens

Für viele Menschen ist dagegen die anerzogene Ansicht vorhanden, das Kind könne im Kleinkinderalter noch nicht viel lernen. Das wird als gegeben hingekommen. Als unveränderlich. Sie gehen davon aus, das Kind kann das nicht, quasi egal was sie tun.

Würden sie vermuten, dass man es dem Kind beibringen kann, dann würden einige dieser Menschen es vermutlich auch vor 6 schon versuchen 😉 (Stichwort Frühförderung – auch wenn da das „Wissen“ dem Kind eher „untergejubelt“ wird)

Auch klassische Kindergärten etc. gehen ja eher von dem Ansatz aus, dass das Kind tendenziell ein Wesen ist, das defizitär auf die Welt kommt. Ein Wesen, das noch wenig kann und noch ganz viel lernen muss. Ganz oft bedeutet diese Sichtweise mehr Machtgefälle als Begleitung auf Augenhöhe.

Alternative 2 sind die Menschen, die meinen, die ersten Jahre entwickelt sich das Kind von selbst und man muss gar nichts tun. Aber mit 6 Jahren ist dann das Kind schon recht „groß“ und damit weniger schutzbedürftig. Dann fängt der „Ernst des Lebens“ an, denn das Leben ist ja kein Ponyhof. Oder dass ab 6 Jahren die wirklich komplizierten Sachen kommen, die Kinder nicht mehr alleine lernen können, ganz anders als das Laufen und Sprechen.

Und dieser Break ist tatsächlich dissonant. Das empfinde ich auch so. Letztlich steht doch ein „altes“, erzieherisches Bild vom Kind bzw. gar Menschenbild dahinter.

Das Kind begleiten

Begleitung auf Augenhöhe ist mehr:

Komm, ich nehme dich an die Hand, wenn Du das möchtest. Wenn du es selbst tun magst, dann bin ich hinter dir, wenn du mich brauchst.

Lass es uns gemeinsam tun, lass uns gemeinsam wachsen. Du lernst etwas von mir, ich lerne was von Dir.

Ich kam mir eigentlich relativ klug vor, als ich mein erstes Kind bekam, und dann auf einmal wusste ich nichts. Jetzt wachsen wir gemeinsam. Vielen von Euch geht es ähnlich, oder?

Auch wenn das Kind größer wird und sich immer spüren durfte, dann weiß es genau, was es braucht und was gerade „dran“ ist. Ist eines motorisch schneller, während das andere schneller spricht, so sind beides ganz normale Entwicklung. Das Kind macht das, was „dran“ ist. Mit dem Lesen, Schreiben, Rechnen und anderen Dingen ist es genauso.

Mehr Erfahren zum Thema Bildung und Freies Lernen

Lernen entsteht durch Interesse und durch Begeisterung; egal, ob wir 1 Jahr, 10 Jahre oder 40 Jahre alt sind. Wir haben heute so unendliche Möglichkeiten: sofern noch nicht geschehen, lasst uns unser Mindset entsprechend erweitern…

Erfahre beim Ersten Online-Bildungskongress: Für freies Lernen und freie Bildung – Von der Bindung zur Bildung, wie wir es als Familie geschafft haben, selbstbestimmt zu lernen, leben und zu arbeiten. Unsere Erfahrungen haben uns ermutigt, für Dich den 1. Online-Bildungskongress auf die Beine zu stellen. Sei auch Du ein Teil davon.

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Windelfrei Freie Bildung

Dieser Kongress ist für Dich, wenn Du …

  • tief in Dir eine Unzufriedenheit mit dem klassischen Bildungssystem spürst
  • die immer wieder gehörten Leitsätze satt bist
  • eingefahrene Muster und Erziehung überwinden möchtest
  • Dein Kind nicht in Kindergarten oder Schule geht oder sich dort nicht wohl fühlt
  • nicht 20 Jahre warten möchtest, bis sich „von selbst“ etwas ändert

Vertraue Dir selbst – vertraue Deinem Kind!

  • Ein leichter Familienalltag und eine gute Beziehung zu Deinen Kindern
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  • Was haben Bildung, (Nicht-)Erziehung und Beziehung miteinander zu tun?
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  • Wie Familien bereits ein Leben ohne Schule im In- und Ausland realisiert haben
  • Wo Du Unterstützung finden kannst
  • Mehr über freie Schulen
  • Wie Du Dich selbst für Bildungsfreiheit einsetzen kannst

Diese Experten sind unter anderem dabei:

Herbert Renz-Polster – Kinderarzt, Wissenschaftler und Autor

Katia Saalfrank – BEziehung statt ERziehung, Pädagogin, Musiktherapeutin

Nicola Schmidt – Wissenschaftsjournalistin, Wildnispädagogin, Artgerecht-Fachfrau

Julia Dibbern – Verlagsgründerin, Autorin, Artgerecht-Fachfrau mit freiwillig beschultem Kind

Lini Lindmayer – Autorin, Bloggerin, www.windelfrei.at, Freilerner-Mama

Susanne Mierau – Bloggerin “Geborgen Wachsen”, Kleinkindpädagogin, Heilpraktikerin, Autorin, Speakerin

Bertrand Stern – Freischaffender Philosoph, Autor, für das Recht sich frei zu bilden

Dr. Alan Thomas – Entwicklungspsychologe, Autor, forscht und schreibt zum informellen Lernen

Peter Gray, Ph.D. – Psychologieprofessor; PsychologyToday.com, Autor, erforscht Lernen durch Spiel

Und fast 40 weitere!

Viele liebe Grüße,
Lena Busch

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