Gesundheitliche Vorteile Teilzeit-Windelfrei

Alle Eltern stehen früher oder später vor der Frage: Wie unterstütze ich mein Kind dabei, selbstständig auf das Töpfchen oder die Toilette zu gehen und ganz auf Windeln verzichten zu können?

Windelfreiheit gelingt meist nicht von heute auf morgen. Abhängig von der Situation zu Hause, in Krippe oder Kita und je nach Entwicklungsstand des Kindes gibt es immer wieder Phasen, in denen Kinder mehr Hilfe benötigen oder in alte Muster zurückfallen.

Bei Teilzeit-Windelfrei könnt ihr selbst entscheiden, in welchem Tempo ihr vorangeht. Ihr achtet auf die Signale eures Babys und passt das Konzept eurer individuellen Situation an. Dieser sanfte Weg zur Windelfreiheit hat zahlreiche Vorteile!

Welche gesundheitlichen Vorteile bietet eine frühe Sauberkeitserziehung?

Eine von den Bezugspersonen aktiv initiierte Sauberkeitserziehung bietet langfristige gesundheitliche Vorteile:

  • Mithilfe von Teilzeit-Windelfrei erfolgt die vollständige Blasenentleerung im Schnitt wesentlich früher als ohne Einführung des Töpfchens. Dadurch sinkt die Gefahr von Blasenentzündungen.
  • Kinder mit frühem Töpfchentraining entwickeln seltener Dranginkontinenz und andere Probleme mit der Blasenkontrolle.
  • Da bei Teilzeit-Windelfrei jeden Tag routinemäßig ausreichend Zeit für die Ausscheidungen eingeplant wird, sinkt die Gefahr für Verstopfungen.

Wissenschaftliche Belege für die Vorteile von (frühem) Windelfrei

  • Eine Studie belegt, dass spätes Trockenwerden Dranginkontinenz bei Kindern begünstigt. Die Autoren empfehlen deshalb, mit der Sauberkeitserziehung zu beginnen, bevor das Kind 32 Monate alt ist:
    Barone, J. G.; Jasutkar, N.; Schneider, D. (2009): Later toilet training is associated with urge incontinence in children. Journal of Pediatric Urology, 5(6): 458–61.
  • Forschungsergebnisse belgischer Wissenschaftler legen nahe, dass ein Töpfchentraining Blasenentleerungsstörungen vorbeugt:
    Bakker, E.; Wyndaele J. J. (2000): Changes in the toilet training of children during the last 60 years: the cause of an increase in lower urinary tract dysfunction? British Journal of Urology, 86(3): 248–52.
  • Dies bestätigt auch eine komparative Studie über vietnamesische und schwedische Kinder. Sie zeigt, dass ein frühes Töpfchentraining die frühe, vollständige Blasenentleerung begünstigt:
    Duong, T. H.; Jansson, U. B.; Holmdahl, G.; Sillén. U.; Hellström. A. L. (2013): Urinary bladder control during the first 3 years of life in healthy children in Vietnam – a comparison study with Swedish children. Journal of Pediatric Urology, 9(6): 700–6.
  • Eine weitere Studie empfiehlt, Sauberkeitserziehung vor 18 Monaten zu beginnen, um das Risiko für Probleme mit der Blasenkontrolle zu minimieren:
    Bakker, E.; van Gool, J. D.; van Sprundel, M., van der Auwera, J. C.; Wyndaele, J. J. (2002): Results of a quaestionaire evaluating the effects of different methods of toilet training on achieving bladder control. British Journal of Urology, 90: 456–461.
  • Je früher du mit dem Töpfchentraining beginnst, desto früher ist dein Kind trocken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von 2003:
    Blum, N. J.; Taubman, B.; Nemeth, N. (2003): Relationship between age at initiation of toilet training and duration of training: A prospective study. Pediatrics, 111: 810–814.

Hintergrundwissen über Teilzeit-Windelfrei

(unten geht es weiter mit dem Blogartikel)​

Welche Vorteile hat Teilzeit-Windelfrei im ersten Lebensjahr?

Teilzeit-Windelfrei bedeutet im Gegensatz zu anderen Methoden der Sauberkeitserziehung nicht „ganz oder gar nicht“. Es gibt hier nicht den einen richtigen Windelfrei-Weg. Stattdessen entscheidest du selbst ganz ohne Druck, welches Vorgehen für dich und dein Baby am besten passt. Dadurch profitiert deine Familie anders als bei anderen Konzepten von folgenden Vorteilen im Alltag. Hier ein paar Beispiele von Familien, die Teilzeit-Windelfrei an ihre Lebensumstände angepasst haben:

1) Weniger nasse Wickelunterlagen

Patricia versucht ihrem Sohn alle zwei Stunden die Stoffwindeln zu wechseln, damit die Windeln dünn bleiben und trotzdem nichts ausläuft. Fast immer, wenn sie die Windeln wechselt, werden aber die Wickelunterlage und sie selbst angepinkelt. Nach einigen Wochen fängt sie an, den Kleinen über dem Waschbecken abzuhalten. Seitdem bleibt der Wickelplatz fast immer trocken. Nach einigen Monaten landet auch das große Geschäft im Töpfchen.

2) Intensives Gefühl der Bindung

Luise hat 6 Monate nach Leons Geburt wieder angefangen zu studieren. Um am Abend ganz intensiv mit ihrem Sohn in Kontakt zu treten, stillt sie ihn. Danach hält sie ihn als regelmäßig ab, was meist ganz gut funktioniert. Sie ist sehr glücklich, dass sie so intensiv mit ihm kommunizieren kann, obwohl er einige Stunden am Tag nicht von ihr selbst betreut wird.

3) Kommunikative Nackedei-Strampelzeit

Steffi liebt es, Stoffwindeln für ihr Baby zu benutzen. Zu Wegwerfwindeln würde sie, auch aus Umweltgründen, nicht mehr wechseln wollen. Da ihre Tochter Mathilda nackt und ohne dicke Stoffwindel schneller Bewegungen lernt, die ihr daraufhin auch mit Stoffwindeln gelingen, lässt Steffi sie einmal am Tag ausgiebig nackt strampeln. Immer wenn sie bemerkt, dass ihre Tochter uriniert, sagte sie: „Oh, Lulu, du machst Lulu!” Denn sie empfindet es als wichtig, mit ihrer Tochter über Gefühle und Körpervorgänge zu reden.

Als Mathilda 6 Monate alt wird, setzt Steffi sie das erste Mal aufs Töpfchen, das ihre Mutter mitgebracht hat. In dem Moment, in dem sie „Lulu, mach Lulu“ sagt, weiß ihre Tochter sofort, was zu tun ist, und uriniert. Eine große Überraschung für Steffi! Seit diesem Erlebnis geht sie mit ihrer Tochter drei oder vier Mal am Tag auf die Toilette. Mit 15 Monaten lässt sie die Windeln ganz weg.

4) Saubere Nackedei-Strampelzeit

Auch Angela findet es sehr wichtig, Max nackt strampeln zu lassen. Sie nutzt diese Zeit zudem oft für eine Baby-Massage. Da sie schon von Teilzeit-Windelfrei gehört hat, bietet sie ihrem Sohn vor dem Spielen und etwa alle halbe Stunde das Töpfchen an. Dadurch wird die Unterlage nur manchmal nass und nie dreckig. Abends und nachts macht Angela kein Windelfrei.

5) Fokus aufs große Geschäft

Maria steht kurz davor, Stoffwindeln aufzugeben, da sie die dreckigen Windeln nerven. Zum Glück hört sie von Teilzeit-Windelfrei und wundert sich, dass sie ihren Sohn nicht schon eher für das große Geschäft abgehalten hat. Vor Monaten hat sie bereits bemerkt, dass er immer grunzt, während er sein Geschäft verrichtet. Die Umstellung ist erfolgreich: Seitdem sie mit dem Abhalten angefangen hat, muss sie keine dreckigen Windeln mehr waschen. Im nächsten Hochsommer lässt sie ihn draußen im Garten und auch im Haus nackt herumspringen. Vor dem großen Geschäft muss sie dabei keine Angst haben, da es auch weiterhin immer im Töpfchen landet. Urin wischt sie einfach auf. Nach drei Wochen Nackedei-Zeit geht er selbstständig aufs Töpfchen. Seitdem trägt er tagsüber keine Windeln mehr.

6) Hilfe bei Windeldermatitis

Schon Svens älteste Tochter hatte häufige und sehr schlimme Windeldermatitis. Bei seiner jüngsten Tochter will er das unbedingt vermeiden und kauft vor der Geburt Stoffwindeln. Als mit vier Wochen erste Rötungen auftreten, probiert er Teilzeit-Windelfrei aus und hält seine Tochter das erste Mal ab. Es klappt sofort! Er wechselt nun maximal alle 2 Stunden die Stoffwindeln, Stuhlgang landet weitestgehend in der Toilette. Von Rötungen bleibt seine Tochter seitdem verschont.

7) Bessere Stoffwindel-Performance

Als Nebeneffekt zum Abhalten kann Sven zu ganz dünnen Stoffwindeln greifen. Mittlerweile bleiben die Stoffwindeln bis zum nächsten Wechseln sehr oft trocken.

8) Hilfe bei Bauchschmerzen, Drei-Monats-Koliken und für „Schreibabys“

Wiebkes Baby wird von heftigen Bauchschmerzen geplagt, seit es 4 Wochen alt ist. Nichts scheint zu helfen. Von einer Nachbarin hört sie von Teilzeit-Windelfrei. Da die Anhock-Spreizhaltung ohne Windel dem Baby dabei hilft, Blähungen abgehen zu lassen und Stuhlgang zu machen, verkürzen sich die Schreizeiten deutlich. Nach 3 Monaten sind die Beschwerden vorbei. Wiebke hält ihr Baby nur noch selten ab.

9) Eine vollständige Alternative zu Windeln

Saras Tochter trägt von Geburt an keine Windeln, sondern bequeme Hosen, die sie einfach herunterzieht, wenn das kleine oder große Geschäft ansteht. Beim Schlafen und Tragen gibt es selten Unfälle, alle anderen kleinen Pannen werden mit einem Lächeln quittiert und weggewischt. Sara findet Windeln nach wie vor unnötig und vermisst sie im Alltag mit ihrer Tochter nicht.

So stärkt Windelfrei das Wohlbefinden und die Eltern-Kind-Beziehung

Teilzeit-Windelfrei mit dem Abhalten und Einführen des Töpfchens kann, auch bei nicht regelmäßiger Anwendung, viele Vorteile bringen:

  • Kinder lieben das windelfreie Gefühl: Einige Babys spüren eine große Abneigung dagegen, ihr Geschäft in der Windel zu verrichten. Sie sind deutlich zufriedener, wenn sie es außerhalb erledigen können. Außerdem hat das Baby über viel längere Zeiträume eine trockene Windel, wodurch das Wohlbefinden steigt.
  • Durch das häufige Windelwechseln (Empfehlung: alle 1 bis 3 Stunden), den zeitweiligen Verzicht auf Windeln und weil das große Geschäft so selten in der Windel landet, schont Teilzeit-Windelfrei die weiche Babyhaut. Auch Windeldermatitis kann vermieden werden.
  • Im Sinne von Maria Montessoris Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun!” wird das Bedürfnis der Kinder nach Autonomie erfüllt: Sobald sich die Kindern an den Verzicht auf die Windel und das Abhalten oder Töpfchen gewöhnt haben, lieben sie es sehr, wie die „Großen” Unterwäsche zu tragen und die Mini-Toilette zu benutzen.
  • Eltern freuen sich, dass sie so viel Windelmüll sparen. Mithilfe von Windelfrei können viele Eltern die Stoffwindeln außerdem dünner befüllen und haben weniger Wäsche.
  • Die Kommunikation zwischen Eltern und Kind wird gestärkt, indem Eltern genau auf die Signale ihres Kindes achten und auf seine Bedürfnisse eingehen. Die Reise zur Windelfreiheit bedeutet Beziehungszeit!
  • Viele Kinder lernen das Töpfchen bei Teilzeit-Windelfrei so gut kennen, dass das selbstständige Benutzen des Töpfchens oder der Toilette und das vollständige Trockenwerden viel einfacher und schneller stattfinden.

Natürlich können Babys und ihre Eltern auch ohne Windelfrei eine enge Beziehung pflegen und harmonisch zusammenleben. Auch bietet Teilzeit-Windelfrei nicht das Patent auf ein 100 % glückliches, zufriedenes Baby mit 100 % glücklichen und entspannten Eltern. Aber es kann dazu beitragen! 🙂

Vier Tipps für stressfreies Windelfrei

Jede Windelfrei-Reise sieht anders aus! Ein schlechtes Gewissen bringt nicht nur dir schlechte Laune, sondern bereitet auch deinem Kind Stress. Darunter leidet zudem eure Kommunikation. Blicke stattdessen stolz auf das zurück, was du und dein Kind schon zusammen gelernt und erlebt habt. Mach dir und deinem Kind eine schöne Zeit!

Diese Tipps helfen dir dabei:

  1. Geh die Themen Ausscheidungen, Abhalten, Töpfchen entspannt und gelassen an.
  2. Behalte die Vorteile von Teilzeit-Windelfrei und der frühen Sauberkeitserziehung im Blick. Schau auf eure gemeinsamen Erfolge, nicht auf Misserfolge!
  3. Geh den Weg zu Teilzeit-Windelfrei und danach zur vollständigen Windelfreiheit in vielen kleinen Schritten: ohne Zwang, so, dass er sich für alle gut anfühlt.
  4. Lass dir nicht einreden, dass die Bedürfnisse deines Kindes nicht „wirklich“ und „vollständig“ erfüllt sind, nur weil du X, Y und Z nicht genauso wie andere Familien durchführst.

Auch wann ihr startet, bleibt euch überlassen. Viele Eltern, die Teilzeit-Windelfrei machen, lassen im Laufe des zweiten Lebensjahres die Windeln bei ihrem Kind komplett weg. Andere Eltern beginnen erst im zweiten oder dritten Lebensjahr mit Windelfrei. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. 🙂

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