Um mit Windelfrei zu beginnen, ist es nie zu spät!

Um mit Teilzeit-Windelfrei zu beginnen, ist es nie zu spät. Für das Töpfchen- und Toilettentraining gilt: Ein erfolgreicher Start ohne Druck und Zwang ist in jedem Alter möglich. Von 0 bis 99 Jahren!

Das Wohlfühl-Tempo für dich und dein Kind

Du kannst jederzeit mit dem Abhalten, der Kommunikation über die Ausscheidungen und dem Teilzeit- oder Vollzeit-Windelfrei-Training beginnen. Welchen Zeitpunkt du am besten wählst, um deinem Kind zum erste Mal Töpfchen und Toilette vorzustellen, hängt von eurer persönlichen Situation ab.

Auch in welcher Geschwindigkeit dein Baby die Windelfreiheit erreicht, ist nicht vorgeschrieben. Der Umfang der Töpfchenbesuche und wann du die Windeln schließlich (ganz) weglässt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Welche persönlichen Präferenzen in der Familie und der Betreuungseinrichtung auch herrschen mögen – achte bei eurem Weg zur Windelfreiheit darauf, dass du dein Baby sanft und liebevoll begleitest. Ihr wählt gemeinsam euer individuelles Wohlfühl-Tempo!

Wann beginnen andere Kulturen mit dem Windelfrei-Training?

Es ist ein Mythos, dass alle Eltern, die Kinder zur Ausscheidungsautonomie verhelfen wollen, sofort nach der Geburt auf die Windel verzichten oder mit dem Abhalten und Signalgeben beginnen. Stattdessen fangen viele Eltern, auch aus indigenen Völkern, erst nach einigen Wochen oder Monaten mit dem Windelfrei-Training an. Ingrid Bauer schreibt in ihrem Klassiker „Es geht auch ohne Windeln“, dass viele traditionelle Gesellschaften meist in den ersten sechs Monaten damit beginnen, „am häufigsten zwischen zwei Wochen und drei Monaten“ (Bauer 2001, S. 108). Wie die Liste unten zeigt, unterscheidet sich der Starttermin aber deutlich von Kultur zu Kultur.

Wann beginnen naturnahe Stämme und traditionelle Völker mit der Sauberkeitserziehung?

  • Mütter in traditionellen Dörfern Westafrikas und die Inuit im Nordwesten Kanadas halten ihr Baby sofort nach der Geburt über einem Gefäß ab.
  • Im Stamm der Digo in Ostafrika beginnt man, wenn das Baby zwei bis drei Wochen alt ist.
  • Mütter aus dem indischen Bundesstaat Sikkim starten mit etwa einem Monat.
  • In Neuguinea, verschiedenen Regionen Afrikas und Japans wird mit der Sauberkeitserziehung begonnen, wenn das Baby etwa drei Monate alt ist.
  • Viele traditionelle Völker, wie z. B. das Volk der Konuri (Afrika) oder das Volk der Hualcan aus Peru, fangen an, wenn das Kind feste Nahrung zu sich nehmen, selbstständig sitzen oder krabbeln kann.
  • Andere Völker beginnen mit dem Abhalten gegen Ende des ersten Lebensjahres und richten sich dabei auch nach Jahreszeit und Klima (vgl. Bauer 2001, S. 116).

Wann empfehlen westliche Kulturen, mit dem Töpfchentraining zu beginnen?

  • Kinderärzte in Schweden empfehlen Eltern bei der Kindervorsorgeuntersuchung mit 10 Monaten, mit dem Töpfchen zu beginnen, bevor das Kind ein Jahr alt ist.
  • Die amerikanische Kinderärztin Jill M. Lekovic schreibt in ihrem Buch „Diaper free before 3“, wie man im Sitzalter das Töpfchen einführen kann, damit das Kind im Laufe des zweiten Lebensjahres trocken wird.
  • In vielen Montessori-Kinderhäusern zieht man den Kindern, sobald sie laufen können, dicke Trainerhöschen anstelle von Windeln an. Ein Großteil der Kinder ist dann mit eineinhalb Jahren zuverlässig trocken und weiß, wie man die Minitoiletten selbstständig benutzt.
  • Eine Studie empfiehlt, Sauberkeitserziehung vor 18 Monaten zu beginnen, um das Risiko für Probleme mit der Blasenkontrolle zu minimieren. (Bakker, E.; van Gool, J. D.; van Sprundel, M., van der Auwera, J. C.; Wyndaele, J. J. (2002): Results of a quaestionaire evaluating the effects of different methods of toilet training on achieving bladder control. British Journal of Urology, 90: 456–461.)
  • Viele Krippen in den neuen Bundesländern (Sachsen, Thüringen, …) fangen im Laufe des dritten Lebensjahres an, den Krippenkindern Töpfchen und Mini-Toiletten zu zeigen. Meistens ist ein Wechsel in die Ü3-Kindergartengruppe erst möglich, wenn das Kind windelfrei und trocken ist, was fast alle Kinder vor ihrem dritten Geburtstag schaffen.
  • Einen ähnlichen Zeitraum nennt auch Jamie Glowacki in ihrem Buch „Oh Crap! Potty Training“. Sie empfiehlt, die Windeln im Alter zwischen 20 und 30 Monaten wegzulassen und mit dem Töpfchen zu beginnen.
  • Eine Studie belegt, dass spätes Trockenwerden Dranginkontinenz bei Kindern begünstigt. Die Autoren empfehlen deshalb, mit der Sauberkeitserziehung zu beginnen, bevor das Kind 32 Monate alt ist. (Barone, J. G.; Jasutkar, N.; Schneider, D. (2009): Later toilet training is associated with urge incontinence in children. Journal of Pediatric Urology, 5(6): 458–61.)
  • In den alten Bundesländern wird das Trockenwerden oft erst nach dem Wechsel in die Ü3-Kindergartengruppe angegangen. Die meisten Kinder lernen dann im ersten halben Jahr nach ihrem dritten Geburtstag gemeinsam mit den Erzieherinnen die Toilette zu benutzen.
  • In vielen Preschools in den USA verschiebt sich der Zeitpunkt des Trockenwerdens zunehmend weiter nach hinten. Trotzdem verfolgen sie alle das Ziel, dass die Kinder vor der Einschulung mit 5 Jahren die Toilette benutzen können und keine Windeln mehr benötigen.

Bedürfnisorientiert zu mehr Autonomie

Natürlich hat ein drei Wochen altes Neugeborenes andere Bedürfnisse, Gewohnheiten und Fähigkeiten als ein kommunikativer Zweijähriger, der wiederum andere Vorlieben hat als ein willensstarker Vierjähriger. Aber alle drei können Töpfchen und Toilette kennenlernen, um Windeln nur noch als Back-up und nicht mehr als tragbare Toilette zu benutzen. Sie alle können eine Zunahme an Autonomie erleben, indem wir ihnen sanft, liebevoll und gelassen helfen, ihr kleines und großes Geschäft außerhalb der Windel zu verrichten. Dafür ist es nie zu spät!

In diesem Blogartikel findest du wertvolle Tipps für Spätstarter.

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