Windeln und Töpfchen kombinieren: kindgerechte Schritt-für-Schritt-Anleitung

In diesem Blogbeitrag bekommst du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du das Wechseln der Windeln und das Töpfchen kindgerecht kombinieren kannst. Denn Babys bringen alle Anlagen mit, um schon im ersten Lebensjahr das Töpfchen erfolgreich zu benutzen. Sie sind aber nicht von Geburt an trocken. Das bestätigt auch die Wissenschaft.

Nach der Studie von deVries und deVries können Säuglinge, die in indigenen Völkern aufwachsen, ab Mitte des ersten Lebensjahres trocken und ohne Windel durch den Tag kommen. Zunächst brauchen sie beim Toilettenbesuch natürlich noch Hilfe durch ihre Eltern, die sie an einem geeigneten Ort abhalten. Mit einem Jahr krabbeln und laufen diese Kinder dann selbstständig zu einem kleinen Erdloch, um sich darüber zu erleichtern.

Da Kinder in unserer westlichen Gesellschaft Kleidung tragen, die hoch- und heruntergezogen werden muss, können Eltern aber dann ungefähr mit zwei Jahren einen ganz selbstständigen Gang zum Töpfchen erwarten.

Die Unterstützung der Autonomie der Kinder sollte jedoch nicht die einzige Motivation sein, um mit Teilzeit-Windelfrei zu beginnen. Regelmäßige Töpfchenangebote bringen viele gesundheitliche Vorteile mit sich: Unter anderem leiden Kinder seltener unter Blasenstörungen und -entzündungen sowie Verstopfung.

Diese großen gesundheitlichen Vorteile sind die Gründe, warum in Schweden alle Eltern bei den frühkindlichen Vorsorge-Untersuchungen von ihrem Kinderarzt geraten bekommen, ihr Kind noch vor dem ersten Geburtstag an das Töpfchen zu gewöhnen, da es zu diesem Zeitpunkt besonders einfach ist neue Gewohnheiten zu schaffen. Klingt logisch, oder?

Aber keine Angst: für Teilzeit-Windelfrei ist es nie zu spät!

Abhaltestreik und Töpfchenstreik

Im Gegensatz zur Fähigkeit, die Ausscheidungen zu einem gewissen Grad zu kontrollieren, ist die Liebe zu Windeln, zum Abhalten und zum Töpfchen bei Kindern nicht angeboren. Alle diese Bereiche sind kulturelle Errungenschaften, an die sich Babys und Kleinkinder erst gewöhnen müssen. Eine plötzliche Abwehrhaltung gegen eine dieser alltäglichen Handlungen ist deshalb jederzeit möglich!

Wie aber können wir eine solche Abwehrhaltung, die auch Abhaltestreik oder Töpfchenstreik genannt wird, vermeiden?

Ein schulterzuckendes „da müssen sie eben durch“ wird unseren Kindern sicher nicht gerecht. Genauso sollten Druck, Zwang und das Ausspielen der körperlichen Überlegenheit stets vermieden werden.

Stattdessen tragen wir Erwachsenen die Verantwortung dafür, dass sich unsere Kinder bei alltäglichen pflegerischen Handlungen wohlfühlen und im besten Fall sogar Spaß daran haben: durch eine freundliche Ansprache, sanfte Berührungen, Lieder, Spielzeug und die aufmerksame Begleitung ihres Autonomiebedürfnisses. Klicke hier, um Töpfchenideen zu bekommen, die Kinder lieben.

Eine sanfte Gewöhnung ans Wickeln und Töpfchen

Das Windelnwechseln und die Benutzung des Töpfchens gehen Hand in Hand:

  • Windeln helfen dir bei Teilzeit-Windelfrei Frust und Stress zu vermeiden: Kleidung, Boden und Möbel bleiben immer trocken und sauber.
  • Gleichzeitig ist es unerlässlich, deinem Kind geduldig, respektvoll und kindgerecht das Töpfchen als eine Alternative zu Windeln vorzustellen und ihm zu zeigen, wie es sich selbstständig an- und ausziehen kann.

Durch dieses Vorgehen kann deine Familie Wickel-, Abhalte- und Töpfchenstreiks vermeiden und alle gesundheitlichen Vorteile von Teilzeit-Windelfrei auskosten.

Lies hier nach, wie Kinderkrippen Windeln und Töpfchen kombinieren, um ihren Schützlingen aus den Windeln zu helfen.

Hintergrundwissen über Teilzeit-Windelfrei

(unten geht es weiter mit dem Blogartikel)​

So gelingt die Töpfchen-Wickelzeit Schritt für Schritt

Zu Hause gelingt das Trockenwerden ganz stressfrei, wenn du dein Kind aktiv daran beteiligst und auf seine Bedürfnisse Rücksicht nimmst. Hier eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Wechseln der Windeln in Kombination mit einem Töpfchenangebot:

  1. Beziehe dein Kind beim Ausziehen der Hose mit ein: Auch die Jüngsten können im letzten Schritt die Hose wegstrampeln. Wenn dein Kind schon stehen kann, kann dein Kleinkind die Hose vorne herunterdrücken und du selbst hilfst am Po.
  2. Knöpfe den Body an der Seite links oder rechts neben dem Bauch zu, sodass er nicht im Weg ist. Auch zu Unterhose und Unterhemd zu wechseln, ist immer eine Überlegung wert.
  3. Überprüfe, ob ein großes Geschäft in der Windel gelandet ist. Habt ihr eine Dusche in der Nähe, kann dein Kind beim Saubermachen helfen. Wenn nicht, bietet sich eine Wickelunterlage auf dem Boden neben dem Töpfchen an.
  4. Unterstütze dein Kind dabei, die Windel abzulegen und sich sauber zu machen.
  5. Hilf deinem Kind, sich aufs Töpfchen zu setzen. Kann es darauf eine bequeme Haltung einnehmen? Was du beim Kauf eines Töpfchens beachten musst, erfährst du hier.
  6. Lächle und kommentiere freudig, was du tust. Singe ein Lied, erzähle eine Geschichte, streichle die Beinchen deines Kindes oder gib ihm ein besonderes Spielzeug. Mehr Tipps, die Toilettenzeit zu verschönern, findest du hier.
  7. Gib dein verbales Schlüsselsignal und zeige das non-verbale Signal.
  8. Versuche dein Kind zu motivieren, ein paar Minuten sitzen zu bleiben und sich zu entspannen. Zwinge dein Kind aber nicht mit Gewalt oder körperlicher Überlegenheit in dieser Position zu verharren.
  9. Wenn dein Kind aufstehen möchte oder wenn einige Minuten verstrichen sind, kannst du deinem Kind vom Töpfchen helfen.
  10. Leere gemeinsam mit deinem Kind das Töpfchen in der Toilette aus.
  11. Unterstütze dein Kind dabei, in die Windel zu steigen. Ich empfehle dir, sobald dein Kind laufen kann, Windeln oder waschbare Back-Ups zu benutzen, die hoch- und heruntergezogen werden können (Pull-Up-Windeln).
  12. Hilf deinem Kind, links und rechts in das Hosenbein zu steigen, und seine Hose hochzuziehen.

Für jeden der Schritte gilt: Hilf so viel wie nötig und so wenig wie möglich! Je älter und erfahrener dein Kind ist, desto mehr Aufgaben darf es selbst übernehmen. Alle Schritte sollten dabei mit kurzen Sätzen begleitet und/oder vorgemacht werden. Besonders anfangs können Bildkarten eure Kommunikation unterstützen.

Frust oder Freude? Richtig kommunizieren während des Windelnwechselns

Kinder wollen lernen! Sie genießen deine Aufmerksamkeit und Anerkennung, wenn ihnen etwas Neues gelingt. Und sie freuen sich über (fast) jeden Schritt hin zum Erwachsenwerden, weil sie damit vollwertige Mitglieder einer Gemeinschaft werden.

Deine Aufgabe ist es deshalb, ihm die Regeln dieser Gemeinschaft näherzubringen und ein Vorbild zu sein, an dem sich dein Kind orientieren kann.

Mit deinen Worten, deiner Stimmlage, deinem Gesicht und Gesten kannst du deinem Kind zeigen, wenn er etwas richtig macht oder wenn dir gefällt, was er tut: Bedanke dich nach jedem Schritt mit einem fröhlichen „Danke“, mit einem freudigen „Ja, genau“ oder „Yay!“, einem lustigen „Richtig!“, mit einem Lächeln, einem Schulterklopfen oder einem High-Five!

3 Tipps für mehr Gelassenheit beim Windelnwechseln

Wenn etwas schon wieder danebengeht oder dein Kind schlechte Laune hat, kann das ganz schön anstrengend sein. Um nicht in einen Teufelskreis aus Frustration und Genervtheit zu verfallen, können kleine Tricks helfen:

  1. Zeigst du deinem Kind Freude statt Frust, macht nicht nur deinem Kind der Töpfchenbesuch mehr Spaß. Auch du wirst fröhlicher: Viele Studien zeigen, dass Menschen glücklicher und zufriedener werden, wenn sie für angenehme und positive Dinge, die ihnen im Leben widerfahren, bewusst dankbar statt genervt sind. Dies gilt auch für Kleinigkeiten. Wenn du also bewusst darauf schaust, was dein Kind schon alles bewältigt, statt darauf, was es noch nicht kann, dann bekommst du selbst bessere Laune. Und das macht wiederum dein Kind so richtig happy!
  2. Wenn du merkst, dass du genervt bist, hilft es in den meisten Fällen, kurz an die Decke zu schauen, mindestens drei Mal tief durchzuatmen und nichts zu sagen. Kleine Unstimmigkeiten erledigen sich dann oft wie von Zauberhand. Achte aber darauf, danach deinen Fokus sofort wieder auf die positiven Dinge zu legen, die dein Kind schon „wie die Großen“ erledigt.
  3. Hinweise in Form von einzelnen Worten, Gesten und Bildkarten nehmen Kinder in der Regel besser an als lange Erklärungen. Denn wenn du viele Worte verwendest, können leider auch viele negative Gefühle mitschwingen, die dein Kind unzufrieden machen und sein Lernen blockieren.

Fazit

Windeln und Töpfchen sind keine Gegensätze: Sie können leicht und mit Freude in der Kita oder zu Hause kombiniert werden. Du solltest dabei vor allem beachten, dass du dein Kind beim Gang auf das Töpfchen bei jedem Schritt einbeziehst und es – gemäß seinem Alter und seinen bisherigen Erfahrungen – selbst mithelfen lässt. Denn Kinder wollen selbstständig sein und dazulernen!

Behältst du dann noch gute Laune und unterstützt dein Kind mit positiven Verstärkungen steht dem Projekt Windelfrei mit Windel und Töpfchen nichts mehr im Weg.

Klick hier, um zu lesen, wie das Töpfchen zum beliebtesten Ort der ganzen Wohnung wird.

Teilzeit-Windelfrei für Spätstarter im Laufalter

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