Was ist Teilzeit-Windelfrei? – Frühe und gelassen Sauberkeitserziehung

Babys können von Geburt an spüren, dass etwas in ihrem Bauch vor sich geht.

Babys können von Geburt an teilweise ihre Blase und ihren Darm steuern.

Babys können von Geburt an ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten mithilfe von leisen Signalen, mit Meckern, mit Weinen und mit Schreien mitteilen.

Das Konzept Windelfrei greift dieses Können auf. Denn bei Windelfrei geht es um die Kommunikation zwischen dir und deinem Baby:

  • Kennst du den Rhythmus der wichtigsten Bedürfnisse deines Babys?
  • Welche Signale gibt dir dein Baby über seine Bedürfnisse?
  • Wie kannst du deinem Baby sanft helfen seine Bedürfnisse zu erfüllen?
  • Wie erreichst, dass auch dein Baby dich versteht?

Was ist „Windelfrei“ nicht?

Bei der Methode Windelfrei geht es nicht darum, jedes einzelne kleine und große Geschäft abzufangen. 99 % aller europäischen Eltern machen Windelfrei mit Windeln. Eltern, die von Geburt an bei ihrem Baby auf Windeln oder Windel-ähnliche Kleidung verzichten, stellen eine absolute Ausnahme dar.

Also keine Angst: Windelfrei bedeutet nicht, dass dein Baby ständig nackt oder ohne Windel sein muss. Auch der Boden oder deine Kleidung werden nicht alle paar Minuten nass.

Im Gegenteil, wenn du dich mit dem Windelfrei-Konzept, dem Abhalten über ein geeignetes Gefäß und dem Thema Töpfchen auseinandersetzt, wird das deinem Baby und dir den Alltag erleichtern.

„Windelfrei“ bedeutet mehr, als ohne Windel zu sein

Wenn „Windelfrei“ gar nicht meint, dass Kinder ab ihrer Geburt ständig windelfrei sein müssen, was bedeutet er dann? Ein Blick auf die verschiedenen Begrifflichkeiten hilft dabei.

In Amerika wird zwar auch manchmal von „diaper free“ (Windel-frei) gesprochen, aber noch viel häufiger von „Elimination Communication“ (EC), also von „Ausscheidungskommunikation“. Auf Deutsch ist das aber leider ein sehr sperriger Begriff.

Andere Synonyme für die Methode Windelfrei sind:

  • infant potty training (Baby-Töpfchentraining bzw. Baby-Sauberkeitserziehung)
  • baby-led potty training (Baby-geleitetes Töpfchentraining bzw. Baby-geleitete Sauberkeitserziehung)
  • Topffit
  • natürliche Sauberkeitserziehung

Die Grundlage des Konzepts Windelfrei

Ob man von „Windelfrei“, „natürlicher Sauberkeitserziehung“ oder von „Ausscheidungskommunikation“ spricht, sie alle basieren auf denselben Prinzipien:

  1. Babys können von Geburt an ihre Ausscheidungen spüren und zumindest teilweise steuern.
  2. Babys werden von ihren Eltern und anderen Betreuungspersonen sanft, altersgerecht, liebevoll und ohne Zwang dazu angeleitet, ihr Geschäft außerhalb der Windel zu verrichten. Genauso können auch Kleinkinder und ältere Kinder sanft und ohne Zwang darin begleitet werden, das Töpfchen oder die Toilette zu benutzen.
  3. Zwang, Gewalt, Schimpfen und schlechte Laune der Eltern oder Bezugspersonen sind bei der Begleitung hin zur Ausscheidungsautonomie tabu!

Wie können Babys und Kleinkinder ihr Geschäft außerhalb der Windel verrichten?

Dein Kind lernt also das Töpfchen kennen und erfährt wie man es benutzen kann. Viele Eltern sprechen deswegen von „Töpfchentraining“ oder „Töpfchenlernen“.

Kann Töpfchentraining Babys schaden?

In den letzten Jahrzehnten wurde Eltern, Erziehern und Wissenschaftlern immer bewusster, wie wichtig es ist, insbesondere bei den Themen Essen, Schlafen und Wickeln keinen Zwang und keine Gewalt auszuüben. Kinder haben ein Recht auf sanfte und liebevolle Methoden! Das gilt auch für das Abhalten, das (Baby-)Töpfchentraining und diese frühe Sauberkeitserziehung!​

Früher wie heute gibt es Eltern, die Windelfrei, Töpfchentraining und die Sauberkeitserziehung mit Zwang und manchmal auch körperlicher Gewalt umsetzen. Das ist sicher nicht der richtige Weg!​

Strikte, Eltern-zentrierte SauberkeitserziehungSanftes Teilzeit-Windelfrei, wertschätzende Sauberkeitserziehung, Kind-zentriert
InhaltTöpfchentraining: Abhalten und danach zu Töpfchen und Toilette wechselnTöpfchentraining: Abhalten und danach zu Töpfchen und Toilette wechseln
ZeitpunktIm ersten LebensjahrIm ersten Lebensjahr
MethodenZwang
Gewalt
mit Bestrafung
sanft
Liebevoll
kinderfreundlich
mit Zuwendung und positiver Verstärkung
Vordergründige ZieleBedürfnisse der Eltern:
Arbeitserleichterung für die Eltern
Bedürfnisse des Kindes:
Vorteile für die Gesundheit des Kindes
Förderung der Autonomie des Kindes
bereichernde positive Kommunikation zwischen Eltern und Kind

Wie du siehst: Inhalt und Zeitpunkt sind gleich. Doch die Ziele und die Umsetzung früher und heute unterscheiden sich gewaltig!

Windelfrei, Abhalten und ein frühes Töpfchentraining bringen mit sanften, kinderfreundlichen Methoden bewiesenermaßen keine seelischen und körperlichen Nachteile mit sich. Stattdessen profitieren Eltern und Kind von ihnen.

Wusstest du: In Schweden bekommen alle Eltern von ihrem Kinderarzt empfohlen noch vor dem ersten Geburtstag mit dem Töpfchen zu beginnen, weil es so viele gesundheitliche Vorteile hat! 🙂

Mach doch einfach Teilzeit-Windelfrei!

Von Geburt an 100 % auf Windeln zu verzichten, ist auf der ganzen Welt kaum verbreitet. Fast alle Kulturen kennen Windeln oder windelähnliche Kleidung (Tücher, Moose, weiche Rinde).

Nur dort, wo es sehr warm ist und wo die Eltern sehr naturnah leben, sind die Babys die meiste Zeit nackt. Wurde der richtige Zeitpunkt verpasst, sickert der Urin ganz schnell in den Boden ein oder verdunstet. In diesen indigenen Völkern leben auch die Eltern oft nackt oder wenig bekleidet. Sorgen über nasse oder verschmutzte Kleidung sind in diesem Falle überflüssig.

Worte prägen unser Denken. Unser Denken verändert unser Verhalten. Mir ist wichtig, dass sich Eltern keine Vorwürfe machen, kein schlechtes Gewissen haben und entspannt handeln können. Da „Windelfrei“ missverständlich ist und sich Eltern davon unter Druck gesetzt fühlen können, komplett ohne Windeln auskommen zu müssen, spreche ich am liebsten von „Teilzeit-Windelfrei“!

Und das ist es ja auch, was die meisten Eltern machen: Ab und an wird die Windel weglassen. Erst, um die Signale des Babys besser zu verstehen, dann, um Schritt für Schritt das Baby an das Töpfchen heranzuführen.

Babys, die von ihren Eltern mit den Teilzeit-Windelfrei-Prinzipien gepflegt werden, tragen Windeln als Back-up. Sie schützen den Boden, den Teppich, die Polstermöbel, das Bett und die Kleidung der Bezugspersonen, wenn ein kleines oder großes Geschäft verpasst wird. Viele Eltern wickeln ihr Kind ganz normal und bieten das Abhalten, das Töpfchen oder die Toilette bei jedem Windelwechsel an.

Und wann sind die Kinder dann Vollzeit-Windelfrei?

Einige Eltern lassen im zweiten Lebensjahr die Windeln weg, andere Eltern setzen dann wieder Vollzeit auf Windeln und der Kindergarten kümmert sich nach dem dritten Geburtstag um das Trockenwerden. Wie bei allen Entwicklungsschritten des Kindes gilt außerdem: Kinder und ihre Familien haben ihr eigenes Tempo.

Mehr dazu, wie Teilzeit-Windelfrei zu Vollzeit-Windelfrei führt, kannst du in diesem Blogartikel lesen.

Was kann „Windelfrei“ noch bedeuten?

Warum sich trotzdem der Begriff „Windelfrei“ durchgesetzt hat, ist wohl seiner Offenheit zu verdanken. Beim Begriff schwingen mehrere Bedeutungen mit:

  • Windelfrei kann man als „im Geiste frei von Windeln“, „frei von der Abhängigkeit von Windeln“ oder „Ich bin so frei, ab und an etwas anderes als eine Windel zu benutzen“ verstehen.
  • Windelfrei kann auch heißen „windelfrei ausscheiden“, also dass das Baby einen anderen Ort als seine Windel kennt, um sein kleines oder großes Geschäft zu erledigen.
  • Windelfrei kann frei von Wegwerfwindeln bedeuten. Stoffwindeln sind eine gute Alternative und bieten sowohl deinem Baby als auch dir deutlichere Rückmeldungen.

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