Windelfrei Signale des Babys: Erkennen, wann das Kind mal muss

„Mama, ich muss Pipi und will aufs Klo!“ Viele Eltern warten ungeduldig auf einen Satz wie diesen, um endlich auf Windeln verzichten zu können. Doch die meisten Kinder können erst mit zwei oder drei Jahren ein so deutliches, verbales Signal geben, manche sogar noch später.

Wie erkennst du schon früher, dass dein Kind auf die Toilette muss? Kinder vermitteln nicht nur mit Worten, was sie wollen. Auch die Körperhaltung, einfache Laute oder das Zeigen auf Gegenstände und Bilder können wichtige Informationen über die Wünsche und Bedürfnisse deines Kindes vermitteln. All diese prä-verbalen Vokalisationen und non-verbalen Signale sind hilfreiche Kommunikationsmittel!

Windelfrei Signale erkennen

Wann geben Babys non-verbale Windelfrei-Signale?

Dass Babys von Geburt an ihre Verdauungsvorgänge spüren und teilweise steuern können, erfahren Eltern schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Wie man sein Kind trocken und sauber durch den Alltag bringen kann, wurde deshalb jahrhundertelang von Generation zu Generation weitergegeben. Mit der industriellen Produktion von Stoffwindeln und später von Wegwerfwindeln ist dieses Wissen jedoch leider nach und nach in Vergessenheit geraten. Zwischenzeitlich sprachen Mediziner Babys auch ab, überhaupt Schmerzen empfinden zu können, und operierten sie sogar ohne richtige Narkose. Wie grausam!

Mittlerweile ist das Wissen, dass auch kleine Babys ganz viel spüren, glücklicherweise mitten in der Gesellschaft angekommen. Und diese Empfindsamkeit schließt den Bauch, die Blase und den Darm mit ein.

Viele Babys teilen ein anstehendes kleines oder großes Geschäft zunächst unbewusst mithilfe ihrer Körperhaltung, Lauten oder Weinen und Schreien mit. Außerdem ahmen viele Babys schon in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres Laute und Gesten der Eltern ganz bewusst nach, um den Gang zum Töpfchen einzufordern.

So sehen die non-verbalen Windelfrei-Signale deines Babys aus

Wann und wie dir dein Baby signalisiert, dass es Harndrang verspürt oder sich ein großes Geschäft ankündigt, ist individuell verschieden. Allerdings lassen sich immer wiederkehrende Muster und typische Verhaltensweisen beobachten, die den Mamas und Papas deutliche Hinweise geben. An dieser Stelle folgen deshalb verschiedene non-verbale Signale, die bei Babys und Kleinkindern auf ein kleines oder großes Geschäft hindeuten können.

Nicht jedes Urinieren wird von Babys deutlich angekündigt. Doch gerade beim

  • Stillen/Essen,
  • Schlafen,
  • Tragen und
  • Stuhlgang

können Eltern Ausscheidungs-Signale wie Meckern, Zappeln und Unruhe wahrnehmen, welche die Bedürfnisse ihres Kindes ausdrücken. Auch lassen sich bei mobilen Babys und Jungen besondere Signale beobachten, die dir Hinweise auf den Ausscheidungsdrang deines Kindes geben.

A) Die wichtigsten Signale deines Teilzeit-Windelfrei-Babys

Sowohl bei Babys als auch bei Kleinkindern gibt es so drei allgemeine non-verbale Signale, die auftreten können, wenn es im Bauch zwickt:

  • Plötzliche Ruhe: Dein Baby strampelt/spielt gerade noch fröhlich. Auf einmal bewegt es sich nicht mehr und schaut ganz konzentriert.
  • Plötzliche Unruhe: Dein Baby sitzt erst ganz friedlich bei dir auf dem Schoß, bis es sich plötzlich heftig bewegt und versucht herunterzukommen.
  • „Pipi-Tanz“: Dein Kind tritt von einer Seite auf die andere, kneift die Beine zusammen oder rennt aufgeregt durchs Zimmer. Ich selbst erlebe dieses Signal immer wieder und sehr deutlich, wenn mein dreijähriger Sohn am Mittagstisch sitzt. Nachdem wir auf der Toilette waren, kann er konzentriert weiteressen.

Weitere allgemeine Signale, die besonders beim Stillen, Schlafen und Tragen sowie beim großen Geschäft bemerkt werden können:

  • strampeln
  • zappeln
  • plötzlich oder verstärkt meckern
  • schreien
  • kreischen
  • Blähungen
  • stärkere Atmung
  • pusten
  • Blubberblasen mit dem Mund machen
  • Augen verdrehen
  • Gesicht verziehen

Beispiel 1: In diesem Artikel auf dem Blog Bewusste Elternschaft hat Lucia aufgelistet, welche Signale sie bei ihrer 5 Monate alten Tochter wahrnimmt.

Beispiel 2: Dieser kleine Junge ist ebenfalls 5 Monate alt. Seine Mutter erklärt, dass er ziemlich lange zufrieden spielen kann. Wenn er aber Harndrang verspürt, wird er unruhig und meckert:

B) Signale beim Stillen

Manchmal verhalten sich Babys beim Stillen sehr unruhig oder aus deiner Perspektive regelrecht seltsam. Oft steckt dahinter starker Harndrang oder ein voller Darm, woraus dann Unzufriedenheit entsteht. Denn: Dein Baby ist gerade mit Essen beschäftigt, hat also keine Zeit, sich aufs Loslassen zu konzentrieren. Außerdem schlummert in ihm der Instinkt, seine Fürsorgeperson und seinen Schlafplatz nicht zu beschmutzen.

Wenn du diese Signale bemerkst, gibt dir dein Kind vielleicht einen Hinweis, dass es Ausscheidungsdrang verspürt:

  • schwieriges Anlegen
  • An- und Abdocken
  • Unruhe
  • nicht loslassen wollen
  • zappeln
  • strampeln
  • Gesicht verziehen

Manche Eltern sind von diesen ambivalenten Signalen so genervt, dass sie über das Abstillen nachdenken. Kommt dir das bekannt vor? Ein Töpfchangebot vor oder während dem Stillen kann dir und deinem Baby zu mehr Ruhe verhelfen.

C) Signale beim Schlafen

Egal ob du dein Baby schon abhältst, ihr zusammen das Konzept Windelfrei verfolgt oder dein Kind noch regelmäßig Windeln trägt: Kinder urinieren in der Regel nicht während des Tiefschlafs. Dein Baby kann sein kleines und auch sein großes Geschäft nur verrichten, wenn es sich in einer leichteren Schlafphase befindet oder kurz wach wird. Bis zum Aufwachen kann sich jedoch beispielsweise schon viel Urin gesammelt haben, was dann zwickt und drückt. Dieses Unwohlsein kann sich sich in folgenden Verhaltensweisen niederschlagen:

  • Kopf hin und her bewegen
  • angerobbt kommen
  • Unruhe
  • zappeln
  • meckern
  • stöhnen
  • Stillen/Flasche/Nuckeln wollen (hilft beim entspannten Urinieren)

D) Signale beim Tragen

Beim Tragen senden Kinder oft besonders deutliche Signale: zum einen, weil der Instinkt, die eigene Bezugsperson nicht zu verschmutzen, oft zum Tragen kommt, zum anderen, weil die an den Körper gepresste Haltung unbequem für das kleine und große Geschäft sein kann.

Signale beim Tragen können sein:

  • quengeln
  • schreien
  • aufstehen wollen
  • rumhüpfen
  • treten
  • aus der Trage lehnen
  • „Mama, (mein Penis) tut weh“ o. Ä.
  • „Mama, (die Trage ist) unbequem“ o. Ä.

E) Signale für das große Geschäft

Beim großen Geschäft geben viele Babys deutliche und starke Signale. Viele Eltern bemerken, wenn sich das große Geschäft bei ihrem Kind ankündigt. Trotzdem ignorieren sie die Situation oder machen sich im schlimmsten Falle darüber lustig. Stattdessen könntest du dein Baby abhalten oder ihm ein Töpfchen anbieten, wenn du bemerkst, dass es hoch konzentriert oder mit rotem Kopf drückt.

Auf YouTube zeigen viele Videos, wie Kinder aussehen, bei denen sich Stuhlgang ankündigt. Pampers hat sogar einen Werbespot über das sogenannte „Poo Face“ von Babys gedreht:

Signale, die Stuhlgang ankündigen:

  • plötzliche Ruhe
  • Grimassen
  • grunzen
  • Blähungen
  • drücken
  • lächeln
  • in eine ruhige Ecke gehen
  • sich krümmen
  • Blubberblasen am Mund (siehe Pampers-Video)
  • ein angespannter Bauch
  • „Mama, (mein Bauch) tut weh“ o. Ä.

Wenn das große Geschäft im Töpfchen oder in der Toilette landet, aber nicht in der Windel, dann hat das große gesundheitliche Vorteile für ein Baby: in der Regel weniger Bauchschmerzen, eine bessere Verdauung und keine Hautirritationen mehr. Das ist der Grund, warum viele Eltern sich im ersten Lebensjahr vor allem auf das Erkennen von Stuhlgang konzentrieren.

F) Signale bei Jungen

Dass Jungen schwieriger trocken werden als Mädchen ist ein Vorurteil. Vielmehr gibt es ein fast untrügliches Zeichen für ihren Harndrang: Ihr Penis wird steif, wenn sie dringend urinieren müssen. Da du das nur sehen kannst, wenn dein Kind dünne Kleidung trägt, solltest du aber natürlich auch auf andere allgemeine Signale achten.

Jungenspezifische Signale:

  • steifer Penis
  • kleine Hodensäcke
  • „Mama, (mein Penis) tut weh“ o. Ä.

G) Signale bei mobilen Babys und Kleinkindern

Wenn ihr schon in den ersten Lebensmonaten mit Windelfrei angefangen habt, ist dein mobiles Baby oft in der Lage, nachdrücklich zu zeigen, dass das kleine oder große Geschäft ansteht. Sein wichtigstes Signal besteht darin, dass es vom Stuhl oder Arm heruntermöchte. Vielleicht hast du schon einmal bemerkt, dass dein Kind eben noch friedlich am Mittagstisch im Hochstuhl saß, aber im nächsten Moment unruhig wird und anfängt herunterzuklettern, obwohl es noch lange nicht genug gegessen hat?

Typische Signale:

  • plötzlich vom Arm/Hochstuhl/Sofa heruntergelassen werden wollen und danach wieder hochwollen
  • aus der Trage/dem Kinderwagen steigen wollen
  • an die Unterhose/Windel fassen und versuchen, sie zu entfernen
  • zum Badezimmer krabbeln/laufen
  • zur Tür krabbeln/laufen und klopfen, um herausgelassen zu werden
  • auf den Toilettensitz hauen
  • zu dir krabbeln/laufen, sich hochziehen und dabei meckern
  • schnaufen und pusten
  • zu einer „ruhigen Stelle“ krabbeln/laufen und sich hinhocken
  • Töpfchen nehmen

Kindern Schlüsselsignale vermitteln

Die Babyzeichensprache zeigt uns, dass auch schon Babys, die noch keine verständlichen Laute von sich geben, mit bestimmten Gesten kommunizieren können – wenn man ihnen zeigt, wie das geht.

Auch Windelfrei verwendet ein ähnliches Konzept. Hier spricht man von sogenannten Schlüsselsignalen, die aus Lauten, einfachen Wörtern oder Gesten bestehen können. Diese Schlüsselsignale zeigen dem Baby zum einen, dass jetzt der passende Moment gekommen ist, um zu urinieren. Zum anderen verwenden einige Babys die Signale der Eltern nach einigen Monaten selbst: Das Schlüsselsignal der Eltern ist dann zum unmissverständlichen Signal des Kindes geworden.

In diesem Blogartikel kannst du mehr über Windelfrei-Schlüsselsignale erfahren.

Fazit: die Zeichen deines Kindes richtig deuten

Babys und Kinder, die noch nicht sprechen können, kommunizieren ständig: durch auffälliges Verhalten, durch Laute, Gesten oder Mimik. Auch bei Harndrang oder wenn der Darm zwickt, geben sie oft deutliche Signale. Deshalb kann das Wissen um typische Zeichen für Teilzeit-Windelfrei und eine frühe und liebevolle Sauberkeitserziehung ein tolles Hilfsmittel sein!

Da sich jedes Kind aber auch durch seine ganz eigene „Sprache“ auszeichnet, hilft ein individueller Blick auf die Signale deines Babys. Natürlich verändern sich diese je nach Alter und Situation. Ein drei Monate altes Baby, das neben seiner Mutter im Bett liegt, kommuniziert anders als ein 18 Monate altes Kind, das in der Babytrage sitzt. Nur wenn du dein Baby immer wieder bewusst beobachtest, wirst du all seine Signale deuten können.

Du musst dir keine Gedanken machen, wenn du keine Signale erkennst: Es kann sein, dass dein Kind sein kleines und großes Geschäft wirklich nicht anzeigt. Manchmal signalisieren Babys nicht (mehr), weil zum Beispiel der Windelfrei-Einstieg später erfolgt ist oder sie gerade mit anderen spannenden Entwicklungsschritten beschäftigt sind.

Das ist kein Problem!

Neben den Signalen deines Kindes kannst du auf zwei weitere Methoden zurückgreifen, um den richtigen Zeitpunkt zum Abhalten oder fürs Töpfchen herauszufinden. Je nach Entwicklungsphase deines Babys und persönlicher Situation können auch Töpfchen-Zeiten (Standard- und Familiensituationen, Rhythmus deines Babys) sowie das Vertrauen auf deine eigene Intuition dein Baby auf dem Weg zur Windelfreiheit unterstützen.

Wenn du das Abhalten oder das Töpfchen in geeigneten Situationen entspannt und spielerisch anbietest und ein Schlüsselsignal verwendest, kann es sein, dass dein Kind sein kleines und großes Geschäft bald deutlicher signalisiert.

In diesem Video habe ich erklärt, wie die Windelfrei-Kommunikation in beide Richtungen verlaufen kann:

Weitere Themen dieses aufgezeichneten Live-Videos:

  • Wie funktioniert Windelfrei?
  • Wie merke ich, dass mein Kind auf die Toilette muss?
  • Welche Signale gibt es?
  • Was sind Standardsituationen und wie funktionieren sie?
  • Wie hat das Trockenwerden/Windelfrei/Töpfchentraining in der DDR funktioniert?
  • Wann können wir mit Windelfrei beginnen?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.