Verstopfungen bei Babys und Kleinkindern vermeiden

Verstopfungen sind für die meisten Eltern ein sensibles Thema. Eine Verstopfung kann sehr quälend sein für Babys und Kleinkinder. Oft kann sie sich auch lange hinziehen. Natürlich wollen Eltern das um jeden Preis vermeiden!

Wenn der Stuhl hart ist oder dein Kind Schmerzen beim Ausscheiden hat, dann macht es eine schlechte Erfahrung mit dem Stuhlgang. Als Folge wird dieser beim nächsten Mal unterdrückt und dadurch wird der Stuhl immer härter und schmerzhafter – ein Teufelskreis.

In diesem Blogartikel berichten zwei Eltern davon, wie sie ihren Windel-tragenden Kindern mit Teilzeit-Windelfrei geholfen haben, den Teufelskreis zu durchbrechen und Verstopfungen auf Nimmerwiedersehen zu sagen. In der Mitte und am Ende des Artikels findest du viele Tipps für einen guten Stuhlgang. 🙂

Was ist eine Verstopfung überhaupt?

Entscheidend, ob dein Kind eine Verstopfung hat, ist nicht die Häufigkeit des Stuhlgangs, sondern ob es Beschwerden hat. Du solltest wachsam sein, wenn der Stuhl sehr hart ist und weniger als drei Mal pro Woche kommt. Gerade bei vollgestillten Babys kann die Häufigkeit aber zwischen mehrmals täglich und einmal alle 14 Tage schwanken, ohne bedenklich zu sein.

Übrigens kann es auch ein Hinweis auf eine Verstopfung sein, wenn dein Kind immer wieder kleinere Portionen Stuhl ausscheidet. Der frische Stuhlgang schiebt sich dann an der harten Verstopfung vorbei.

Auch regelmäßige Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und leichte Reizbarkeit können auf Probleme mit dem Stuhlgang hindeuten.

Oft kann der harte Stuhlgang auf ungünstige Faktoren wie wenig Trinken und Bewegung bei stopfendem Essen zurückgeführt werden und das Problem ist wortwörtlich schon bald wieder gelöst.

Fangen die Kinder aber an, dem Stuhlgang entgegennzuwirken, weil er als schmerzhaft empfunden wird, kann es zu weiteren Problemen, mehr Schmerzen und einer stärkeren Verstopfung führen.

Wenn ihr öfter Probleme mit Verstopfung habt, dann sprich auf jeden Fall mit eurem Kinderarzt darüber. Bei Bedarf kann es sogar Sinn machen, einen Spezialisten (Gastroenterologie) aufzusuchen.

Auf der Seite von Movicol, kannst du viele weiterführende Informationen finden:
– Wie kannst du eine Verstopfung erkennen?
– Was können die Ursachen für Verstopfungen sein?
– Was kannst du dagegen tun, auch wenn das Kind schon längere Zeit keine Windeln mehr trägt.
Hier klicken, um mehr zu lesen. (Ich bekomme keine Vergütung für diese Werbung, finde die Informationen auf der Movicol-Seite und das Mittel, das sie verkaufen, sehr hilfreich. Sprich auf jeden Fall vor der Verwendung mit eurem Kinderarzt.)

Im Folgenden kannst du die E-Mails zweier Familien lesen, die sich mit ihren Problemen an mich gewendet hatten. In beiden Familien hatten die Kinder schmerzhafte Verstopfungen. Beide Familien empfanden (Teilzeit-)Windelfrei und das proaktive Unterstützen des Trockenwerdens als große Erleichterung für den Stuhlgang. Seitdem sind alle drei Kinder von Verstopfungen verschont geblieben.

Verstopfung lösen mit Hilfe von Windelfrei

Yvonne ist Mutter von zwei Kindern und hat mir per E-Mail von ihren Erfahrungen berichtet, in der Hoffnung anderen Eltern weiterhelfen zu können.

Liebe Julia,

vielen Dank für deine super Infos.

Ich muss dir endlich mal kurz meine postiven Erfahrungen mit Windelfrei schreiben.
Mein Großer hatte lange Probleme sein Kacka in die Windel zu machen und hat deshalb auch vom Arzt Medikamente gegen die “Verstofung” verschrieben bekommen. 😕
Inzwischen geht er aufs Klo und es ist kein Problem mehr. Habe gehört, dass leider viele Kinder diese Medikamente bekommen und denke man könnte das vermeiden.

Bei meinem 2. Kind (inzwischen 15 Monate) konnte ich dies durch Windelfrei besser machen und wir gehen fürs Kacka aufs Klo! 😊

Vielleicht kannst du anderen helfen und auch noch etwas mehr über dieses Thema schreiben. Würde mich auch gerne daran beteiligen.

Herzliche Grüße
Yvonne

Ich wollte natürlich gerne wissen, wie genau Yvonne vorgegangen war. Sie war so lieb, ein paar Fragen zu beantworten und von ihren Erfahrungen zu berichten:

Was hat bei deinen Kinder zu Verstopfung geführt?

Yvonne: Meine beiden Kinder wurden lange zusätzlich gestillt und der Stuhlgang war damit im ersten Lebensjahr kein Problem. Erst mit überwiegend mehr Beikost änderte sich das.

Bei beiden wurde ein paar Monate nach dem ersten Geburtstag der Stuhlgang so fest, dass sie damit für uns bisher ungewohnt deutlich signalisierten und Probleme beim Stuhlgang hatten. Sie machten die Beine steif und wollten den Stuhlgang einhalten.

Was hat euch beim ersten Kind gegen die Verstopfungen geholfen?

Yvonne: Medikamente die den Stuhlgang weicher machen.

Diese konnten wir erst weglassen als er später (leider erst mit 33 Monaten) fürs Kacka aufs Töpfchen ging. Er durfte sich lange vorher ein Töpfchen aussuchen und am Anfang wurde nur angezogen mit dem Bobbycar-Töpfchen gespielt. Ich dacht schon, es klappt nie.

Im Sommer funktionierte Pipi nackig draußen schon öfter und Kacka ohne Ankündigung! Im September landete das erst Pipi Sonntag morgens spielerisch im Töpfchen, während ich ihm mit einer Handpuppe etwas erzählte. Hurra!

Die folgenden zwei Tage machte er auch noch mal Pipi außerhalb der Windel. Am Mittwoch alles in die Windel. Am Donnerstag, als wir unterwegs waren, wollte er die neue Windel nicht anziehen und wir haben seinen Wünsch akzeptiert. Wir haben sein Kacka-Rhythmus nach dem Essen beachtet und es hat auf dem Töpfchen geklappt. 🙂

Auf Nimmerwiedersehen, Windeln! Wir benutzen zwar nachts noch Windeln, geht aber seltener was rein.

Was findest du wichtig, um Verstopfungen bei Babys und Kleinkindern zu vermeiden?

Yvonne: Ich finde es wichtig, so früh wie möglich auf Babys Rhythmus/Signale für Kacka zu achten, darauf zu reagieren, mit dem Baby darüber zu kommunizieren und mit Teilzeit-Windelfrei zu helfen. Das heißt, bei Signalen für Kacka die Windeln weg und außerhalb der Windel ausscheiden zu lassen.

Hatten wir beim Großen leider nicht gemacht und als er Probleme hatte, war es zu spät und er wollte sich weder mit noch ohne Windel setzen. Oft sagte er auch, wenn er Kacka musste. Wir wollten ihn aber nicht “zwingen” aufs Töpfchen oder Klo zu gehen.

Ich denke, Windeln machen jedoch das Ausscheiden bei festerem Kacka schwieriger. Das Kind muss auch noch gegen den Widerstand der Windel drücken. 😦

Natürlich auch stopfende Nahrung (z. B. Banane, Karotte, Reis ect.) meiden und viel trinken.

Julia: Im Stehen das große Geschäft verrichten? Anatomisch gesehen ist es für Menschen einfacher, in einer hockenden Position das große Geschäft zu verrichten. Oder zumindest in der Denkerposition: Wenn die Beine fast den Bauch berühren.
Warum aber machen Windel-tragende Kinder so gerne im Stehen ihr Geschäft? Weil, genau wie Yvonne es beschreibt, die Kinder das große Geschäft gegen ihre Windel drücken müssen. Das kann unangenehm und sogar schmerzhaft sein. Sobald sie stehen können, entdecken sie, dass das Ausscheiden angenehmer ist, wenn sie nicht sitzen und nicht liegen. → Im Stehen muss man aber deutlich mehr drücken als im Hocken. Gleichzeitig wird der Stuhlgang durch die feste Nahrung auch fester. → Kleine Einrisse im After (Fissuren) können entstehen. → Der Stuhlgang wird schmerzhafter. → Der Stuhlgang wird weiter eingehalten. → Der Stuhlgang wird fester. → Der Stuhlgang wird schmerzhafter. → Der Stuhlgang wird eingehalten. → Und so weiter.
Das ist einer der vielen Gründe, warum alle Kinderärzte in Schweden den Eltern empfehlen noch vor dem ersten Geburtstag mit dem Töpfchen zu beginnen: Verstopfungen können vermieden werden!

Was habt ihr dann beim zweiten Kind gegen die Verstopfungen gemacht?

Yvonne: Wichtig war, die Nahrung zu ändern (also nichts stopfendes) und Teilzeit-Windelfrei, das heißt Kacka auf dem Klo (Inspiriert von deinem Artikel Windelfrei: 4 Möglichkeiten herauszufinden, wann dein Baby Pipi-Kacka muss) und zur Entspannung singen und Bücher ansehen.

Wie habt ihr bei der Kleinen mit Windelfrei angefangen?

Yvonne: Als meine Kleine ein paar Monate alt war hatte ich gelesen, dass Windelfrei auch eine Vorbeugung gegen Verstopfung ist und hatte mich gefragt was dahinter steckt. Jetzt bin ich schlauer und sehr froh, es bei ihr besser zu machen. 🙂

Beim Thema Teilzeit-Windelfrei fand ich es sehr hilfreich, Erfahrungsberichte von anderen Eltern zu lesen.

Die Kleine habe ich mit ca. 4/5 Monaten morgens im Bad auf dem Boden beobachtet. Unter ihr lag eine dicke Wickelunterlage mit Handtuch und ich wollte wenn sie Pipi macht einen Signallaut machen. Leider kam oft Pipi, wenn ich mal kurz raus gegangen bin und/oder nicht aufgepasst habe.

Nach einiger Zeit ist mit aufgefallen, dass sie morgens nach dem Stillen Stuhlgang hat. Ich musste ihr morgens nach dem Wickeln meist nochmal die Windel wegen Kacka wechseln. In der Beobachtungszeit ging oft Kacka auf die Wickelunterlage, bis ich mich mit ihr auf das Klo (sie vorn und ich hinten) gesetzt habe. Ab und zu habe ich sie auf dem Badewannenrand sitzend gestillt, da ich nicht auch noch ein Töpfen halten wollte. Dazu hatte ich meine Beine in der Wanne und keine Hose an.

Bezüglich Pipi fixiere ich mich nicht mehr auf die unauffälligen Signale wie ruhig werden, sondern denke es kommt darauf an, in bestimmten Zeitabständen die Windel zu entfernen.

  • Jetzt im Sommer lasse ich öfter die Windel weg, um ihren Rhythmus zu erkennen. Nachmittags ca. 3/4 – 1 Stunde.
  • Bei Standardsituationen (z. B. nach dem Schlafen oder wenn ich sie aus dem Autositz nehme) funktioniert Pipi auch öfter.

Für das große Geschäft sitzen wir übrigens zusammen auf der Klobrille und schauen dabei Bücher an. Der Lesestoff wird inzwischen verbal auf dem Klo sitzend mit “Bu” gefordert.

Die Kommunikation wird immer besser: Gestern hat sie den Stuhlgang nach dem Essen sprachlich mit “Kacka” und “Bu” angedeutet und sogar auf die Tür in Richtung Toilette gezeigt.  🙂

Das Problem: Von Windelfrei auf Wegwerfwindeln umgestiegen

Giuliana hat sich ebenfalls bei mir mit Problemen gemeldet. Ihr Sohn wollte sich zunächst ungern wickeln lassen. Nachdem sie mit der Hilfe von Windelwissen erfolgreich die Windeln losgeworden waren, gab es leider eine Phase mit nassen Hosen. Der Kleine trug wieder Windeln, sie haben ihm gefallen und es kam zu großen Problemen mit dem Stuhlgang.


Hallo Julia!

Unser Sohn ist jetzt 2 Jahre und bald 3 Monate alt.

Seit er 3 Monate alt war, konnte ich ihn fürs “große Geschäft” abhalten, für Pipi mussten wir noch länger dran bleiben, bis er mit 18 Monaten bis auf nachts ganz ohne Windeln auskam.

Seit bald 2 Monaten geht gar, aber auch wirklich gar nichts mehr. Sowohl Pipi als auch “Groß” gehen in die Windeln. Er WILL Windeln, er schreit danach und fleht mich an, ihm die Plastikdinger anzuziehen. Wenn ich mit den Stoffwindeln daherkomme, schreit er schon, bevor er sie überhaupt am Popo fühlt.

Ich gebe zu, dass ich mir meinen Unmut nicht immer verkneifen kann. Ich bin ziemlich enttäuscht und entmutigt, denn ich dachte, wir hätten das mit dem Gewickle hinter uns. Vor allem, weil es so gut funktionierte, der Sohn zuverlässig zwei Mal am Tag Groß machte und auch Pipi sehr gut ankündigte. Ich dachte, es sei nur ‘ne Phase, auch weil er kurz bevor das Theater losging drei Backenzähne aufs Mal gekriegt hat. Da wollte ich ihm keinen zusätzlichen Druck machen, ließ ihn nach Bedarf stillen und packte ihn in die “Plastiktüte”, weil eben alles daneben ging und die Stoffvariante nicht mehr angesagt war.

Wir haben auch gute Zeiten, nicht dass du das Gefühl bekommst, es ginge hier ständig nur drunter und drüber. Wir sind sehr geduldige Eltern, gehen auf die Bedürfnisse des Sohnes ein und beziehen ihn in unseren Alltag mit ein. Er schläft im Elternbett und hat ständig mich oder seinen Papi um sich (wir sind beide selbständig Erwerbende und arbeiten von zu Hause aus). In die Spielgruppe geht er einmal pro Woche.

Was kann ich tun? Eingreifen und die Windeln wieder ganz weglassen? Die Temperaturen sprechen im Moment sehr dafür. Oder ihn sein lassen und warten und hoffen, dass es von alleine wieder geht?

Dem Heulen nahe, dennoch herzliche Grüße
Giuliana


Die neusten Trockenwerden-Erfahrungsberichte

Meine Antwort: Warum Kinder Windeln lieben und sie nicht hergeben wollen

Hier siehst du meine Antwort an Giuliana. Ich habe sie für diesen Blogartikel noch etwas ausgebaut.


Hallo Giuliana,

danke für deine Mail.

Kinder lieben Windeln

Erst mal müssen wir anerkennen, dass viele Kinder Windeln toll finden. Und nicht nur Kinder: Ich werde auch regelmäßig von Erwachsenen angeschrieben, die gerne Windeln tragen, einfach weil sie es angenehm finden. Auch einige Senioren tragen Windeln, nicht weil sie komplett inkontinent sind, sondern weil sie gerne unterwegs sind, nicht mehr so lange anhalten können und es nicht so viele öffentliche Toiletten gibt. Mit einer Windel hat man immer seine eigene kleine Toilette bei sich.

Was sind die Vorteile von Windeln aus Sicht deines Kindes?

  • Man nicht ständig aufs Klo und seine Hose hoch und runterziehen.
  • Man muss keine Händewaschen.
  • Man kann solange anhalten und rumzappen wie man möchte und es wenn es von alleine läuft, einfach laufen lassen.
  • Eine Windel ist schön weich und wenn man Pipi reinmacht, dann fühlt sie sich schön warm an.
  • Man kann alles bei sich behalten und muss lange nichts abgeben.
  • Man muss sein Spiel nur alle 4 Stunden unterbrechen und nicht alle 1,5 bis 2 Stunden oder gar noch öfter.
  • Die Mama muss einen wickeln und man muss nicht alleine aufs Töpfchen gehen und so viel selbst erledigen.

Du hast deinem Sohn Windeln als Toilette angeboten und er fand es gut. Aber gleichzeitig möchtest du auch, dass er das Töpfchen benutzt, weil du die Vorteile kennst. Und dein Sohn zeigt seinen Unmut.

Heißt das jetzt, dass wir zu einer windeltragenden Gesellschaft werden sollten und bald niemand mehr Toiletten braucht?

Die Nachteile von Windeln

Ich denke nicht. Erstens produzieren Windeln natürlich viel Müll und Energie. Wenn Kinder immer länger und länger Windeln und Senioren immer früher und früher Windeln tragen wollen oder müssen, dann ist das eine Katastrophe für die Gesellschaft.

  • Eine Katastrophe für die Umwelt, denn Toiletten sind Ressourcen- und Energiesparender.
  • Eine Katastrophe für die durchschnittliche Gesundheit der Bevölkerung, denn mit Windeln gibt es häufigere Blasenentzündungen, häufiger Verstopfungen, eine schlechtere Haut und Infektionskrankheiten können leichter verbreitet werden.
  • Seien wir ehrlich: Windeln sind eine olfaktorische Belastung! Windelträger werden leider manchmal nicht so gut behandelt. (Wie oft hast du selbst von einem “Stinker” anstatt von “Stuhlgang” gesprochen?)

Weniger Blasenentzündungen durch Windelfrei

Wissenschaftler haben Kinder in Vietnam und Kinder in Schweden verglichen. Die Eltern in Vietnam haben Teilzeit-Windelfrei mit ihren Kindern gemacht, welche ihre Blase schon mit 9 Monaten vollständig entleeren konnten. Die Eltern und Erzieher in Schweden haben “Das Kind entscheidet selbst” praktiziert, was bedeutet dass das Kind regelmäßig gewickelt, ihm aber nicht das Töpfchen oder die Toilette gezeigt wurde.

Das Ergebnis des Vergleiches:

  • In der Gruppe der vietnamesischen Kindern wurde mit 89% der Kinder Teilzeit-Windelfrei gemacht, also Töpfchen oder Toilette regelmäßig angeboten. Mit 24 Monaten waren 98% der Kinder komplett trocken und sind selbstständig auf die Toilette gegangen.
  • In der schwedischen Gruppe kannten mit 24 Monaten nur 5% der Kinder Töpfchen oder Toilette.
  • Die vietnamesische Gruppe konnte länger anhalten. Eine vollständige Blasenentleerung ohne Rest-Urin konnte mit 9 Monaten beobachtet werden. In der schwedischen Gruppe war das erst mit 36 Monaten (3 Jahren!) der Fall.

Wenn dein Kind seine Blase vollständige entleert, dann werden auch alle Bakterien ausgespült. Bleibt die Blase fast voll, weil immer nur ein bisschen Urin ausgeschieden wird, dann können sich dort Bakterien besser entwickeln. Die Folge können Blasenentzündungen sein.

Urinary bladder control during the first 3 years of life in healthy children in Vietnam–a comparison study with Swedish children. von Duong TH1, Jansson UB, Holmdahl G, Sillén U, Hellström AL.

Weniger Verstopfungen durch Windelfrei

Auch Verstopfungen können mit Hilfe von Teilzeit-Windelfrei (erstes Lebensjahr) und Montessori-Windelfrei (ca. ab Laufalter) vermieden werden:

  1. Viele Kinder wollen die Erwachsenen imitieren. Und diese machen ihr großes Geschäft nicht in die Hose. Erwachsene nennen das große Geschäft auch oft “Stinker” oder sagen mit einer genervten Stimme “Oh, wer hat hier die Windel voll?”. Kinder bekommen den Eindruck, dass die Windel nicht der richtige Ort für das große Geschäft ist.
  2. Einige Kinder halten dann länger an.
  3. Warum möchten diese Kinder nicht auf das Töpfchen oder die Toilette? Niemand hat sie ihnen je proaktiv, klar und deutlich gezeigt. Sie kennen sie nicht.
  4. Durch das Anhalten wird der Stuhl fester und schmerzhafter.
  5. Durch den schmerzhaften Stuhl halten die Kinder noch länger an.

Der Teufelskreis beginnt.

Wenn Eltern Teilzeit-Windelfrei (erstes Lebensjahr) und Montessori-Windelfrei (ca. ab Laufalter) machen, hat das viele Vorteile für den Stuhlgang des Kindes und damit für sein Wohlbefinden:

  • Eltern und Kinder nehmen sich Zeit für das große Geschäft. Das ist ungemein wichtig!
  • Das große Geschäft wird positiv gesehen und sich darüber gefreut, wenn es den Körper verlässt.
  • Die Eltern gestalten die Zeit für das große Geschäft lustig und unterhaltsam mit Büchern, besonderem Spielzeug, Entdeckerflaschen oder einem laufendem Wasserhahn.
  • Die Kinder nehmen auf dem Töpfchen eine anatomisch gute Körperhaltung ein, der den Stuhlgang erleichert.

Schweden empfiehlt Windelfrei

Das Einführung des Töpfchens und eine regelmäßige windelfreie Zeit hat viele wissenschaftlich eindeutig belegte Vorteile:

  • Geringere Gefahr Blasenentzündungen zu bekommen
  • Geringere Gefahr Verstopfungen zu bekommen
  • Geringere Gefahr andere Blasenprobleme zu bekommen
  • Geringeres Infektionsrisiko

Deswegen empfehlen alle Kinderärzte in ganz Schweden den Eltern bei der U-Untersuchung, noch vor dem ersten Geburtstag mit dem Töpfchen und der Sauberkeitserziehung zu beginnen.

ALLE ELTERN IN SCHWEDEN BEKOMMEN DIE BENUTZUNG DES TÖPFCHENS EMPFOHLEN! Sie sollen nicht einfach passiv abwarten.

Windelfrei-Tipps der schwedischen Kinderärzte

Solche und ähnliche Tipps bekommen alle schweden Eltern von ihrem Kinderarzt:

  • Starten Sie mit dem Töpfchen, sobald sie sich danach fühlen. Am besten aber noch, bevor ihr Kind mit dem Laufen beginnt.
  • Achten Sie auf den Rythmus Ihres Kindes. Zum Beispiel machen viele Kinder nach dem Aufwachen oder nach dem Essen.
  • Setzen Sie ihr Kind auf das Töpfchen, wenn Sie merken, dass es gleich muss oder gerade macht.
  • Bereiten Sie Ihrem Kind eine angenehme Zeit!
  • Lassen Sie ihr Kind ab und an ohne Windeln herumlaufen.

Übernimmst du die Verantwortung?

Wir sind die Erwachsenen und wir müssen die Verantwortung davor übernehmen, was unsere Kinder konsumieren. Und wir haben jedes Recht, liebevoll, geduldig und respektvoll zu kommunizieren:

Du mein Schatz, die Windeln sind alle und ich kaufe keine neuen mehr. Mich nerven Windeln nämlich total, weil sie viel Müll machen und Geld kosten. Für das Geld könnten wir was anderes Schönes kaufen. Ich helfe dir aufs Klo zu gehen und schenke dir genauso viel Aufmerksamkeit wie beim Wickeln.

Das musst du auch nicht alles mit Worten sagen, sondern kannst es dir nur denken und mit deinen Verhalten kommunizieren.

Dann gibt es ein bis drei Tage Protest. Aber ganz schnell wird das ohne Windeln sein wieder zur Normalität.

Wirklich… Das dauert nicht lange!

Tipps für das Windeln weglassen

Deswegen mein Tipp, wie du es schon selbst gedacht hast: Lasst die Windeln wieder weg.

  • Hat dein Sohn eine Lieblingshörbuch- oder Fernsehserie? Vielleicht findet ihr Unterhosen mit diesem Aufdruck.
  • Biete dem Kleinen regelmäßig das Töpfchen oder Klo an (nach dem Aufwachen, vor dem Essen, vor dem Schlafen, nach dem Schlafen, nachmittags, vor dem Abendessen, vor dem Schlafen).
  • Mache die Klogänge zu den schönsten und lustigsten Zeiten des Tages.
  • Wichtig ist auch, dass du deinem Sohn es hilfst es selbst zu tun. Vermeide also, ihn mit Kleidung “zu wickeln”, sondern hilf ihm nur so viel wie nötig.

Eine Alternative zu 100%-ohne-Windeln sind für viele Eltern “Back-Ups”, also ein Zwischending zwischen normaler Windel und normaler Kleidung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Die Stoffwindeln fast leer lassen.
  • Die Stoffwindel-Überhose über die Unterhose ziehen.
  • Eine Mullwindel oder ein anders Tuch in die Unterhose legen.
  • Wegwerfbare Schwimmwindeln anziehen. Diese saugen kaum etwas. Es wird nass werden und dein Sohn bekommt trotzdem eine Rückmeldung, was passiert, wenn man Pipi macht: Es wird nass.

Alles Gute und schreibe mir gerne noch einmal, wie es lief.

Viele Grüße
Julia


Giuliana: Ohne Windeln und mit Töpfchen keine Verstopfungen mehr

Liebe Julia,

ganz fest herzlichen Dank für deine Antwort mit den wertvollen Tipps! Ich habe sie beherzigt und gleich am selben Tag, nachdem ich deine Mail gelesen hatte, umgesetzt.

So kam es zu Fissuren und Verstopfungen

Mein Sohn konnte ja wegen dreifachen Zahnens kein großes Geschäft mehr verrichten, hielt alles so lange wie nur möglich zurück und wollte ständig Windeln tragen, also haben wir “nachgegeben” und einen beachtlichen Windelvorrat angelegt.

Mich grauste zwar die Anschaffung, aber damals dachten mein Mann und ich: “Besser, er macht in die Windeln als gar nicht.” Zwar ist er (mein Sohn, nicht Mann😀) durch frühzeitige windelfreie Zeit mit einer gesunden Haut am Popo gesegnet, aber die in “Plastiksäcken” verpackten und durch die Verstopfung entstandenen fiesen Analfissuren ergaben ein Resultat, von dem wir alle genau nichts abgewinnen konnten. Das war dann, als ich dir meine verzweifelte Mail geschrieben hatte.

Das haben wir gegen die Verstopfungen ausprobiert

Gegen die Verstopfung hatten wir jede erdenkliche Maßnahme ergriffen, doch:

  • den Sirup wollte der Sohn nicht,
  • Floh- oder Leinsamen kamen nicht in Frage, da er nicht ausreichend dafür trinkte,
  • Dörrfrüchte,
  • Globuli und Tröpfchen schienen ihm nichts auszumachen und
  • Pflaumen- sowie Apfelsaft verschmähte er.
  • Zäpfchen kamen für ihn (und akustisch für die Nachbarn) einer Vergewaltigung nahe, deswegen wurden die so selten als möglich auf den Plan gerufen, aber das war das einzige Mittel, das tatsächlich half.

Und weil der Drang zu “machen” dann eben so dringend wurde, hielt er immer noch zurück, bis er kurz vor dem Platzen war und nur noch in die Windel machen wollte.

Das konnte so nicht weiter gehen.

Ab jetzt wieder windelfrei

Meinem Sohn habe ich erklärt, dass wir, wenn alle Windeln aufgebraucht sind (immerhin 3 Pack!), keine mehr kaufen würden.

Seit dem Mailaustausch sind wir also wieder windelfrei unterwegs und viiiiiel glücklicher.

Tagsüber erlauben die sommerlichen Temperaturen, dass Söhnchenböhnchen sich unten ohne oder gleich ganz nackt fortbewegt und nachts brauchen wir “zur Sicherheit” die Unmenge Windeln jetzt auf. Zu unserer großen Freude bleibt sie meistens trocken und wir können sie für 3 bis 4 Nächte verwenden, bis der Verschluss nicht mehr richtig funktioniert und sie sowieso in den Müll kommt. Arme Umwelt, sag ich nur, kopfschüttelnd.

Die ersten lauten Tage ohne Windeln

Die wieder Einstellen auf Windelfrei ging die ersten paar Tage natürlich voll in die Hose – oder wo auch immer es auftreffen konnte. Es war am ersten Tag auch viel lauter bei uns, weil unser Junge sich nicht von den Windeln trennen wollte und lauthals dagegen protestierte.

Dafür heilten die Fissuren und der Sohn getraut sich mittlerweile wieder zu drücken.

Wenn das große Geschäft erledigt ist, wird es bestaunt und genau angeschaut, bevor es fröhlich verabschiedet und durch Betätigen der Spülung in die Abgründe der Kanalisation befördert wird. (Den letzten Teil haben wir unserem Nachwuchs noch nicht so genau erklärt, er findet einfach die Wasserspülung toll.)

Unsere Art, “Windelfrei” zu sein, beinhaltet normale Unterhosen, die mit zusammengefalteten Mullwindeln ausgekleidet werden, so dass die dicke Schicht von der Vorderseite bis zur Rückseite der Unterhose reicht und durch den Bund einigermaßen festgehalten wird. Falls doch die ersten paar Tropfen entwischen, landen sie im Mulltuch statt in der Unterhose. Dies passt hervorragend, wenn man die Anzahl Unterhosen (10 Stück) mit derjenigen der Mullwindeln (ca. 40 Stück) vergleicht.

Ohne Windel sein bedeutet Lernen

Manchmal finde ich, Sohnebohne ist so ‘ne Bohne, wenn er lieber den Pipi-Tanz vorführt und anschließend doch in die Hose macht, anstatt mal schnell kurz aufs Klo zu gehen und gut ist.

Und ein paarmal hatte ich das Gefühl, er wolle es einfach nochmal ausprobieren, wie das ist, wenn er absichtlich fahren lässt, denn das nasse Mulltuch schien ihn nicht zu stören. Erst wenn es seinen Beinen entlang nass und die Hose durchweicht wurde, schaute er ganz überrascht, dann enttäuscht zur Wäsche heraus und bekundete sein Unwohlsein. Laut, natürlich. Und meistens unterwegs.

Ich muss aber fair bleiben. Er macht es wirklich gut! Am Freitag hat er jeden nur erdenklich möglichen Pipitropfen ins Töpfchen ausgedrückt (gefühlt alle 5 Minuten) und in hohen Tönen laut: “Pipi daaaaaaaa!” gerufen und sich wahnsinnig darüber gefreut! Ich natürlich auch. 😃 Auch wenn ich jeden Milliliter ins WC leeren und das Töpfchen frisch spülen musste (eben alle 5 Minuten). Aber ich beklage mich ja nicht darüber, ich staune bloß, wie schnell sich alles wenden kann.

Nun wünscht er sich zwischendurch nur die Unterhose, ohne Mullwindel.

Zu Beginn der “Wieder-Windelfreien Zeit” sagte er sogar “Ich gern das.” (=Ich trage die Unterhose gerne). 🙂

Und mit der täglichen, mehrfach wiederholten Erklärung, dass es seinem Popo viel besser ohne Windeln geht, sagt er jetzt auch dieses nach. Deshalb möchte er manchmal auch nachts “nur” eine Unterhose.

Eine feste, warme Umarmung und auf ein baldiges Wiederlesen
Giuliana

Weitere Tipps für einen guten Stuhlgang

Diese Tipps erleichtern Kindern und Erwachsenen das sanfte und effektive Ausscheiden von Stuhlgang:

  • Eine gute Haltung: Töpfchen oder einen hohen Hocker verwenden.
  • Viel Wasser und ungesüßten Tee trinken.
  • Viel Ballaststoffe essen (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte).
  • Viel Bewegung!
  • Besonders wichtig: Sich Zeit nehmen für das große Geschäft und sich entspannen, locker lassen. Nicht zum Drücken sodern eher zum Loslassen auffordern.
  • Die Zeit auf der Toilette schön und entspannend gestalten mit Entdeckerflaschen, Büchern, Musik und besonderem Spielzeug.

1 Kommentar zu „Verstopfungen bei Babys und Kleinkindern vermeiden“

  1. Als werdende Mutter empfinde ich diesen Beitrag als sehr umfassend und informativ. Er bereitet mich sehr gut vor auf das, was noch alles kommen wird. Ich bin sehr glücklich und kann es kaum erwarten. Um vorbereitet zu sein, versuche ich so viel zu lesen und in Erfahrung zu bringen, wie mein Gehirn aufnehmen kann. Und als ich fertig war, habe ich gar nicht bemerkt wie groß der Beitrag eigentlich ist. Ich war wie im Bann und war sehr vertieft. Also ein gutes Zeichen würde ich sagen! Vielen Dank für die Fülle an gut strukturierten Informationen!

    Sehr interessant und auch erwähnenswert finde ich die Verbindung mit dem Thema zu Schweden – also die Herangehensweise der Schweden. Wusste gar nicht, dass in der Gesellschaft das so angegangen wird. Es ist immer eine Bereicherung, wenn man sich auch mal anschaut, wie andere Kulturen und Gesellschaften ein bestimmtes Problem lösen. Zudem fand ich die praktischen Tipps, was man konkret gegen Verstopfung bei Babys und Kleinkinder machen kann, sehr nützlich. Denn man will ja was dagegen machen. So auch bei uns Erwachsenen. Wenn wir Beschwerden haben, können wir das kommunizieren und lassen uns behandeln oder behandeln uns selber. So versucht man dann bevorzugt die Lebensmittel aufzunehmen, die besonders gut gegen Verstopfung sind. Man sagt ja immer, dass Apfel und Weintrauben helfen sollen. Ich habe mal gelesen, dass in Weintrauben der sekundäre Pflanzenstoff Quercetin enthalten sein soll. Ich habe über die Eigenschaften von Quercetin bei vitamindoctor.com gelesen. So soll Quercetin auch gegen Erkältung helfen. Aber um zurück auf das Thema zu kommen: vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht! In diesem Sinne: ein gesundes und frohes Wochenende allerseits! 🙂

    LG.

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