Windelfrei: 4 Möglichkeiten herauszufinden, wann dein Baby Pipi-Kacka muss

Windelfrei Signale Standardsituationen

Immer und immer wieder taucht das sogenannte Windelfrei hier im Blog auf.

Warum überhaupt?

Viele Mamas, die Stoffwindeln benutzen, fangen nach einigen Monaten an, ihr Baby abzuhalten. (Abhalten bedeutet das Baby so zu halten, dass es ins Töpfchen, Klo oder Waschbecken Pipi-Kacka machen kann.)

Viele Eltern, die Windelfrei machen, wechseln von Wegwerfwindeln zu Stoffwindeln als Windel-Back-Up.

Das Wort Windelfrei klingt eigentlich anders, aber: Windelfrei muss nicht komplett ohne Windeln bedeuten.

Du kannst/darfst/musst Windeln als Back-Up verwenden. Der amerikanische Begriff Elimination Communication (EC) und der englische Begriffen Baby-led potty training (BLPT) gefallen mir deswegen besser, da sie das Abhalten, die Kommunikation und das Lernen in den Vordergrund stellen und nicht das Ohne-Windel-Sein.

(Du könntest dein Baby sogar nur einmal in der Woche abhalten und dich trotzdem Windelfrei-Mama nennen 🙂 )

Die Idee klingt spannend und interessant, aber irgendwie auch mysteriös: Wie um Himmelswillen wissen diese Mamas, dass ihr Baby oder Kleinkind mal Pipi oder Kacka muss, obwohl es noch nicht reden kann?

Allgemein gesagt

Klar, “Mamaaaaa ich muss Pipi und möchte aufs Klo” ist ein sehr deutliches verbales Signal, dass es Zeit für die Toilette ist. Doch die meisten Kinder können so einen Satz erst mit 2 Jahren aussprechen, manche deutlich später.

Neben verbalen und non-verbalen Signalen gibt es noch 3 weitere Möglichkeiten herauszufinden, wann die Blase oder der Darm des Babys zwickt bzw. bereit ist für eine Entleerung. Die 4 Möglichkeiten zu erkennen, wann das Baby mal Pipi-Kacka muss sind:

  1. Signale des Babys
  2. Allgemeines Timing
  3. Rhythmus des Babys
  4. Intuition der Mutter

Ich selbst habe bei der Geburt Windelfrei ausprobiert, aber wegen fehlenden umsetzbaren Tipps in den gelesenen Büchern habe ich frustriert aufgegeben.

Erst kurz vor dem ersten Geburtstag meines Sohnes, als ich eines tolles Buch über Windelfrei entdeckt habe, habe ich mich wieder getraut mit Windelfrei anzufangen. Danach sind mein Sohn und ich 0 bis 3 Mal am Tag gemeinsam aufs Klo und er trug Vollzeit eine Stoffwindel.

Mit 18 Monaten haben wir die Windel komplett weggelassen und Potty Training wie Andrea Olsen und Jamie Glowacki gemacht – Im Prinzip Windelfrei für große Kinder, das auch funktioniert, ohne dass du dein Kind in den Monate davor abhältst. Jetzt ist der kleine Große fast 3 Jahre alt und er ist seit Ewigkeiten Tag und Nacht trocken.

Ich kann bezeugen, dass das Wissen über Signale, Timing, Rhythmus und Intuition in jedem Altern helfen (natürlich mit Adaption): Neugeborene, Babys, Kleinkinder – Sogar bei mir selbst 🙂

Kleiner Video-Workshop zu Signalen, Timing, Rhythmus, Intuition

Facebook-Live vom 26.01.2017:
  • Wie funktioniert Windelfrei?
  • Wie merke ich, dass mein Kind aufs Klo muss?
  • Welche Signale gibt es?
  • Was sind Standardsituationen und wie funktionieren sie?
  • Wie hat das Trockenwerden/Windelfrei/Töpfchentraining in der DDR funktioniert?
  • Wann können wir mit Windelfrei beginnen?

1. Signale des Babys

Sobald dein Baby zur Welt kommt, kann es schon eine ganze Reihe von Lauten, Gesichtsausdrücken und Körperbewegungen erzeugen, um mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Der hysterische Schrei ist wahrscheinlich das bekannteste Signal, mit dem dein Baby dir mitteilt, dass ihm etwas fehlt.

Doch heutzutage weiß fast jede Mama, dass sie nicht auf das Schreien warten sollte, bevor sie das Baby füttert (oder zum schlafen bringt oder beruhigt). Dein Baby versucht dir seinen Hunger schon lange vorher mit leisen Signalen mitzuteilen:

  1. Die Brust suchen. Dein Baby bewegt sein Köpfchen hin und her und öffnet dabei leicht den Mund.
  2. Saugen. Dein Baby steckt die Fingerchen oder die Hand in den Mund und saugt daran oder es streckt die Zunge aus dem Mund und leckt an den Lippen.
  3. Unruhe. Dein Baby zappelt mit Armen und Beinen und führt seine Hände wiederholt zum Mund.

Das Filmische Lexikon der Babysprache hat auf Youtube über 100 kleine Filmchen über die leisen und lauten Signale des Babys auf Youtube online gestellt:

Nachdem diese leisen Signale nicht gehört werden, fangen Babys an zu meckern und zu weinen.

Doch auch dieses Weinen kann sich ganz unterschiedlich anhören. Priscilla Dunstan hat sehr viele Babys beobachtet und 5 verschiedene Laute gefunden:

  • “Neh” – Hunger
  • “Owh” – Müde
  • “Heh” – Unwohlsein
  • “Eer” – Pupsen/Kacka
  • “Eh” – Rülpsen

Wie sich diese Laute anhören und wie sie zustande kommen, erklärt sie in ihren Büchern* und in der amerikanischen Sendung Oprah:

Neben Hunger, Müdigkeit, Unwohlsein und Rülpsen können Babys auch Pupsen/Kacka und Pipi von Geburt an mitteilen. Sie haben von Geburt an die Kontrolle über ihre Ausscheidungen und können sich auch mitteilen:

  • Die Muskeln der Blasenwand sind stabil. Sie ziehen sich nur während des Wasserlassens zusammen (Yeung et al 1995 und Wen Tong 1998).
  • Babys pinkeln nicht während des NREM-Schlafes, sondern erst wenn sie aufwachen (Yeung et al 1995 Wen Tong und 1998).
  • Die Blasen von Neugeborenen laufen nicht einfach so aus. Wissenschaftler haben versucht, die Blase zum Pipi machen anzuregen, indem sie sie zusammengedrückt haben. Trotzdem hat die Blase keinen Urin gelassen (Gladh et al 2000).
  • deVries und deVries haben einen kulturellen Vergleich gemacht und festgestellt, dass das Alter des Trocken-werdens vor allem von kulturellen und nicht von körperlichen Faktoren abhängt. Als Beispiel zeigen sie, wie ost-afrikanischen Babys mit 5 Monaten trocken werden (deVries und deVries 1977).
  • Pipi machen ist nicht nur ein automatischer Reflex (Sillén 2001; Yeung et al 1995).

Ist eigentlich auch logisch. Babys kommen nicht mit Windeln auf die Welt. Windeln sind eine ziemlich neue Erfindung (wenige tausend Jahre), wenn man sie im Vergleich zur langen Geschichte der Menschheit betrachtet.

Dass Babys von Geburt an Pipi-Kacka an einen geeigneten Platz machen (=abgehalten werden), war von evolutionären Vorteil: Babys wurden von 100-tausende Jahre lang von ihren Müttern in den Armen herumgetragen, da es noch keine Kinderwägen und Wiegen gab.

Angenommen das Baby hätte die ersten 3 Jahre keinerlei Kontrolle über seine Ausscheidungen und könnte außerdem nicht mitteilen, dass es mal muss, würde die Mutter komplett verschmutzt herumlaufen. Mutter und Kind würden ziemlich unangenehm riechen, was Insekten und gefährliche Raubtiere anlocken kann.

Außerdem lässt sich keine Säugetiermutter freiwillig dauerhaft beschmutzen, weil es eklig ist und krank machen kann. Wenn eine Mutter jeden Tag 20 Mal angepinkelt und 3 Mal angekackt werden würde, wäre das sicher auch der Mutterliebe abträglich, was dem Überleben der Menschheit geschadet hätte.

Babys haben deswegen eine gute Portion Instinkt mitbekommen ihre Fürsorgepersonen und ihre Umgebung sauber und trocken zu halten.

Und seien wir mal ehrlich: Eine volle Blase, gerade nach dem Schlafen, kann richtig zwicken. Auch ein voller Darm ist nicht gerade das angenehmste Gefühl. Wir gestehen Babys alle möglichen Empfindungen (Bauchweh, Genuss des Stillens und Nukelns, Babymassage, Streicheln) zu, aber nehmen an, dass einzig und allein der untere Bauch und die Ausscheidungsorgane keine Nervenzellen abbekommen haben? Really? 😉

Welche Signale können Babys und Kleinkinder zeigen, wenn sie mal müssen?

a) Die wichtigsten Signale

Die 3 wichtigsten Signale, egal welches Alter dein Baby, Kleinkind oder Kindergartenkind zeigt:

  • plötzliche Ruhe
  • plötzliche Unruhe
  • “Pipi-Tanz”

b) Allgemeine Signale

Diese Signale gelten allgemein und ins besondere auch beim Stillen, Schlafen, für Kacka, beim Tragen und für ältere Babys/Kleinkinder.

Signale:

  • strampeln
  • zappeln
  • plötzlich meckern
  • verstärkt meckern
  • schreien
  • kreischen
  • pupsen
  • plötzliche Ruhe
  • plötzliche Unruhe
  • stärkere Atmung
  • Pusten
  • Blubberblasen mit dem Mund machen
  • Augen verdrehen
  • Gesicht verziehen

In diesem Artikel auf dem Bewusste-Elternschaft-Blog hat Lucia aufgelistet, welche Signale sie bei ihrer 5-Monate alten Tocher mitbekommen hat.

Der Kleine Mann ist 5 Monate alt. Die Mutter erklärt, dass er fröhlich spielt. Wenn er Pipi muss wird er unruhig und meckert:

c) Signale beim Stillen

Manchmal verhalten sich Babys beim Stillen so richtig komisch. So komisch, dass Mama genervt ist und ans Abstillen denkt (“Argh, warum zappelt das Kind nur so?!”).

Oft steckt hinter dieser argen Unruhe ein starker Harndrang oder ein voller Darm. Denn dein Baby ist ja gerade mit Essen beschäftigt, hat also keine Zeit sich aufs Loslassen zu konzentrieren. Außerdem schlummern in ihm die Instinkte seine Fürsorgepersonen und seinen Schlafplatz nicht zu beschmutzen.

Signale:

  • schwieriges Anlegen
  • An- und Abdocken
  • Unruhe
  • nicht loslassen wollen
  • zappeln
  • stramplen
  • Gesicht verziehen

d) Signale beim Schlafen

Egal ob du dein Baby abhältst, Windelfrei machst oder bis 4 Jahre warten möchtest: Dein Kind hat große “Schwierigkeiten” während des Schlafens Pipi zu machen (naja, die Natur hat es eben so eingerichtet). Es macht nur, wenn es kurz aufwacht. Bis dahin kann sich schon viel Urin sammeln, was zwicken und drücken kann.

Als wir mit 18 Monaten angefangen haben, auch nachts aufs Pipi zu achten, konnten wir damit einige “Schlafprobleme” beheben 😉

Signale:

  • Kopf hin und her bewegen
  • angerobbt kommen
  • Unruhe
  • zappeln
  • meckern
  • stöhnen
  • Stillen/Flasche/Nuckeln wollen (hilft bei der Entspannung um zu pinkeln)

e) Signale für Kacka

Bei Kacka geben viele Babys sehr deutliche Signale. Die meisten Eltern wissen, wann ihr Kind gerade in die Windel macht, ignorieren das aber und machen sich im schlimmsten Falle darüber lustig.

Schau nur, Pampers hat sogar einen Werbespot über das sogenannte “Poo Face” von Babys gemacht.

Du musst deinem Kind nicht beibringen in die Windel zu machen, obwohl es so überdeutlich zeigt, dass es mal muss. 😀

Danke Pampers, dass du uns so schön erklärst, wie es aussehen kann, wenn ein Kind mal groß muss.

Signale:

  • plötzliche Ruhe
  • Grimassen
  • Grunzen
  • Pupsen
  • Drücken
  • Lächeln
  • in eine ruhige Ecke gehen
  • sich krümmen
  • Blubberblasen am Mund (siehe Pampers-Video)
  • ein angespannter Bauch
  • “Mama, mein Bauch tut weh.” (oder in Babysprache)

Youtube ist voll von Baby-Poo-Faces. Warum macht sich die ganze Welt über die Ausscheidungen ihrer Kinder lustig, anstatt ihnen zu helfen, dass sie an einem angenehmeren Platz landen? ^^

f) Signale beim Tragen

Die Signale beim Tragen sind meist viel deutlicher als in allen anderen Situationen. Zum einen wahrscheinlich weil der Instinkt seine Mutter nicht zu verschmutzen so groß ist, zum anderen weil die breitbeinige an den Körper gepresste Haltung nicht sehr einladend für Pipi-Kacka sind 😀

Signale:

  • quängeln
  • schreien
  • aufstehen wollen
  • rumhüpfen
  • treten
  • aus der Trage lehnen
  • “Mama, mein Penis tut weh.” (oder in Babysprache)
  • “Mama, die Trage ist unbequem.” (oder in Babysprache)

g) Signale bei mobilen Babys

Wenn du Windelfrei schon in den ersten Lebensmonaten angefangen hast, kann es sein, dass dein mobiles Baby nachdrücklich zeigt, dass es mal dringend Pipi-Kacka muss.

Das wichtigste Signal ist, dass dein Kind von dort, wo es gerade ist, runter möchte. So kann es sein, dass es eben noch friedlich im Hochstuhl isst/gefüttert wird, aber im nächsten Moment unruhig wird und anfängt zu klettern, obwohl es noch lange nicht genug gegessen hat.

Dieses Wissen kann sehr hilfreich sein, auch wenn du davor noch nie etwas von Windelfrei gehört hast 😉

Signale:

  • runter gelassen werden wollen
  • vom Hochstuhl wollen
  • vom Sofa wollen
  • aus der Trage wollen
  • aus dem Kinderwagen steigen wollen
  • an die Unterhose/Windel fassen und versuchen, sie zu entfernen
  • zum Badezimmer krabbeln
  • zur Tür krabbeln und klopfen, um herausgelassen zu werden
  • auf den Toilettensitz hauen
  • zu dir krabbeln, sich hochziehen und dabei meckern
  • schnaufen und pusten
  • zu einer „ruhigen Stelle“ krabbeln und sich hinhocken
  • Töpfchen nehmen

h) Signale bei Jungs

Es ist ein Vorurteil, dass Jungs schwieriger Trocken werden als Mädchen. Denn sie haben einen Penis, der steif wird, wenn sie dringend Pipi machen müssen. Das ist ein fast untrügliches Zeichen, dass das Kind mal Pipi machen muss, was die Eltern natürlich leider nur sehen können, wenn das Kind dünne Kleidung anhat, wie zum Beispiel nachts im Familienbett.

Signale:

  • ein “Ständer”
  • kleine Hodensäcke
  • “Mama mein Penis tut weh.”

i) Wiederholung des Signals der Eltern

Die Babyzeichensprache* zeigt uns, dass auch schon ganz Babys, die noch keine verständlichen Laute von sich geben können, mit Gesten kommunizieren können, wenn man ihnen zeigt, wie es geht.

Auch Windelfrei verwendet ein ähnliches Konzept. Hier spricht man von sogenannten Schlüsselsignalen, die Laute, einfache Wörter oder Gesten darstellen können. Diese Schlüsselsignale zeigen dem Baby zum einen, dass jetzt ein passender Moment ist um Pipi zu machen. Zum anderen verwenden einige Babys die Signale der Eltern nach einigen Monaten selbst.

Signale:

  • Pipi: „sss“, „zzz“ oder „pss“ wie laufendes Wasser
  • Kacka: „mh, mhh“ oder „uhh, uhh“ wie festes Drücken
  • einfacherere Laute: “Lulu”, “AA”
  • Wörter: „Pipi“, „Kacka“
  • pusten
  • Babyzeichen

j) Wechselnde Signale

Natürlich verändern sich die Signale des Babys je nach Alter und Ort. Ein Baby, das in der Babytrage sitzt signalisiert anders als ein Baby, das neben seiner Mutter im Bett liegt.

Signale ändern sich im Laufe der Wochen und Monate. Es lohnt sich das Baby immer wieder bewusst zu beobachten.

Kleine Anmerkung: Ab ca. 18 Monaten ist Windelfrei (EC, BLPT) nicht mehr der beste Ansatz für dein Kind. Dein Kleinkind ist kein Baby mehr. Langsam bedeutet nicht immer sanft und stressfrei.

Jetzt ist es Zeit für “gentle potty training”. Die 4 Möglichkeiten zu merken, dass ein Kind mal Pipi oder Kacka muss, gelten dann immer noch. Nur funktioniert es in diesem Alter nicht mehr so gut, dass du dein Kind die Windel am Popo hat und ihr das aufs Klo gehen “übt” bzw. “trainiert”, wie bei Windelfrei mit Back-Up-Windel.

Wie einfach das Trocken werden mit 18 Monate sein kann, kannst du in diesem Blogeintrag lesen.

2. Allgemeines Timing

Die meisten Babys müssen zu bestimmen Zeiten über den Tag verteilt ziemlich sicher Pipi und Kacka machen. Das sind vor allem Situationen, während der dein Baby anhalten muss, wie beim Schlafen, während es getragen wird oder lange irgendwo sitzt.

Weil das Abhalten nach diesen Situationen so gut funktioniert, wird das allgemeine Timing auch als Standardsituation bezeichnet.

a) Allgemeines Timing im Alltag

Ganz grob gesagt machen Babys Pipi-Kacka, wenn sich eine Situation verändert. Zeiten, zu denen dein Baby mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einmal muss:

  • nach dem Aufwachen
  • nach dem Baden
  • nach dem dein Baby irgendwo für längere Zeit drinnen war (Babytrage, Hochstuhl, Autositz)
  • wenn ihr daheim oder irgendwo anders ankommt, weil Babys unterwegs viel länger anhalten

Auch zu anderen Zeiten, kannst du deinem Baby den Klogang anbieten, wenn ihr zwei schon ein eingespieltes Team seid:

  • bevor ihr das Haus verlasst
  • bevor du dein Baby irgendwo hineinsetzt (Babytrage, Hochstuhl, Autositz)
  • vor dem Baden

Sehr ergiebige Standardsituationen für Windelfrei-Neulinge:

  • das erste Pipi am Morgen nach dem Aufwachen
  • Abhalten nach dem Windeln wechseln

Wenn du Windelfrei den ganzen Tag konsequent durchziehst, dann ist das Pipi, nach dem du ein Pipi verpasst hast, im Prinzip auch eine Standardsituation. Ein Baby, das eigentlich erwartet abgehalten zu werden, aber einen kleine Panne hat, leert die Blase meist nicht vollständig. Kurze Zeit später ist dann ein ganzes Pipi zu erwarten 😉

In diesem Artikel hat Lucia noch einmal aufgelistet, welche Tips für Standardsituationen und Timing sie für dich parat hat.

b) Allgemeines Timing bei Neugeborenen

Neugeborene machen fast immer während des Stillens ihr großes Geschäft. Eine super Gelegenheit, um dreckige Windeln zu sparen.

Um das Kacka abzufangen kannst du ein kleines Töpfchen verwenden, das du zwischen deine Beine klemmen kannst.

Die besten Töpfchen für Babys, Jungs, Mädchen

Wenn du lieber im Liegen stillst, dann kannst du eine wasserdichte Unterlage verwenden und eine Mullwindel drauf liegen. Dadrauf liegt dein Baby.

Sobald dein Baby pinkelt oder kackert gibst du dein Signallaut. Das stärkt eure Kommunikation. Wenn du dich nach einigen Wochen bereit fühlst dein Baby abzuhalten, dann weiß dein Baby schon genau, was du von ihm möchtest 😉

c) Allgemeines Timing beim Tragen

Getragene Babys machen nur sehr selten/wenig Pipi, während sie getragen werden. (Für Babys unter 2 Monaten gelten eigene Gesetze. Es kann durchaus vorkommen, dass sie auch das Tragetuch nass machen oder beschmutzen.)

Drei Sachverhalte solltest du kennen:

  • Wenn dein Baby nicht in die Trage möchte, kann das bedeuten, dass es mal dringend muss. Versuche dein Baby abzuhalten. Wenn du es gerade nicht ausziehen kannst, bringe dein angezogenes Baby in die Abhalteposition und mache euer Schlüsselsignal.
  • Wenn dein Baby in der Trage unruhig wird, zappeln oder sich versuchen herauszulehnen, dann muss es wahrscheinlich ganz dringend Pipi-Kacka (oder es hat Hunger). Gehe wie oben vor.
  • Und zum allgemeinen Timing: Wenn dein Baby lange Zeit in der Trage war oder sogar geschlafen habt, dann muss es vielleicht ganz dringend. Es ist empfehlenswert dein waches Baby aus der Trage zu nehmen, damit es außerhalb sein Geschäft verrichten kann und nicht denkt, dass es okay ist, in der Trage Pipi/Kacka zu machen (auch wenn es eine Windel anhat).

d) Allgemeines Timing beim Schlafen

Babys (älter als 2 Monaten, davor ist alles möglich) machen kein Pipi, währen sie ruhig schlafen (NREM-Schlaf). Okay, manchmal sind die Augen zu, aber wenn sie unruhig sind, herum wuseln oder stöhnen, dann sind sie innerlich wach.

Standardsituationen beim Schlafen:

  • direkt morgens/mittags nach dem Aufwachen
  • ca. 1-2 Stunden nach dem Einschlafen
  • ca. 1-2 Stunden vor dem Aufwachen

Die Vorteile vom morgens/nachts aufs Klo gehen:

  • Eine dünnere Stoffwindel kann verwendet werden.
  • Oft ein ruhigerer Schlaf.
  • Eine für längere Zeit trockene Windel.

Selbst wenn du dein Baby nur direkt nach dem Aufwachen abhälst, kann eure Nacht-Stoffwindel deutlich dünner sein, weil das erste Pipi am Morgen auch das größte ist.

Eine dünnere Nachtwindel ist angenehmer für dein Baby. Du selbst hast ein kleines bisschen weniger Wäsche 😉

Kaltes Töpfchen: Sich nachts oder morgens auf das Töpfchen zu setzen, hat mein Sohn (zu der Zeit 18 Monate) gar nicht gemocht, weil das Plastik sich so kalt angefühlt hat:

3. Der Rhythmus des Baby

Babys pinkeln weder durchgängig noch zu total unterschiedlichen Zeiten. Babys haben einen persönlichen Rhythmus, nach dem sie urinieren, wobei sich die zeitlichen Abstände Vormittags und Nachmittags stark unterscheiden können.

Der Pinkel-Rhythmus deines Babys hängt ab:

  • von seiner Persönlichkeit
  • von seinem Alter
  • von seiner Übung
  • von der Tageszeit

a) Je älter dein Baby wird, desto stärker werden sein Beckenboden, seine Schließmuskeln und seine Blasenkontrolle. Das hat die Folge, dass die Abstände zwischen den Klogängen größer werden.

Viele Neugeborene pieseln ca. alle 10 Minuten, 1-jährige dagegen müssen nur stündlich.

b) Doch auch im selben Alter gibt es Unterschiede, denn jedes Baby hat seinen ganz eigenen, persönlichen Pinkel-Rhythmus. Im gleichen Alter müssen manche Kinder alle 15 Minuten, andere erst nach einer Stunde.

Wenn du dein Baby nie oder selten abhältst, wird es wahrscheinlich oft Pipi machen.

Wenn du Windelfrei schon länger und einigermaßen konsequent machst, wird dein Baby wahrscheinlich länger anhalten. Denn mit der Zeit wird dein Baby lernen, dass es auf dich zählen kann und du es regelmäßig abhältst. So lernt es immer ein bisschen länger auszuhalten und seine Muskeln werden stärker, ohne dass du irgendeinen Fokus darauf legst. Das passiert einfach.

c) Auch die Tageszeit ist ausschlaggebend. Die meisten Babys müssen morgens deutlich öfter, nachmittags dagegen sind die Intervalle größer.

Langweilt sich dein Baby oder Kleinkind, so wird es öfter pieseln, weil es wenige externe Reize erfährt und es sich mehr auf seinen Körper konzentriert. Außerdem kann pinkeln Spaß machen und sich gut anfühlen 😉

Hast du dagegen einen beschäftigen Haushalt und größere Kinder daheim oder seid ihr unterwegs, so wird dein Kind länger anhalten.

Welche 2 wichtigen Rhythmen musst du kennen?

Jetzt habe ich dir viele Faktoren aufgezählt, die sich allerdings nur langsam verändern. Die zwei wichtigsten Rhythmen, die du kennen musst sind:

  • Vormittags (Baby pinkelt öfter) und
  • Nachmittags (Baby pinkelt seltener)

Diese zwei Werte solltest du herausfinden und kannst dich dann grob danach richten.

Mit der Zeit wirst du merken, ob sie sich verändern oder nicht. Vielleicht musst du 5 oder 10 Minuten drauf rechnen. Mit der Zeit wirst du das im Gefühl haben.

Wie erkennen Naturvölker den Rhythmus ohne Uhr?

Naturvölker haben ein ausgeprägtes Zeitgefühl, da sie keine Uhren besitzen, die ihnen diese Aufgabe abnehmen. Vielleicht wissen sie nicht, was „5 Minuten“ oder „eine Stunde“ in physikalischen Einheiten bedeuten, doch sie lernen ihr Leben lang die Zeit bis zum Ende des Tages abzuschätzen, wie lange bestimmte Arbeiten dauern, bis sie erledigt sind und wie lange ihr Essen kochen muss.

Das alles geht in ihre „Intuition“ ein.

Kein Wunder, dass es nicht lange dauert, bis die Frauen auch im Blut haben, wann ihr Baby mal muss.

Wie kannst du dein Zeitgefühl auslagern?

Um deine innere Uhr zum Leben zu erwecken, musst du sie leider eine richtige Uhr verwenden. Zu allererst musst du natürlich herausfinden, wie groß die Pipi-Abstände deines Babys überhaupt sind.

Du kannst das ganze locker fluffig machen und immer mal wieder auf die Uhr schauen und versuchen es dir zu merken.

Wenn du eher ängstlich bist und Angst hast alles zu vergessen und wenn du gleichzeitig noch auf unterschwellige Signale bei deinem ganz kleinen Baby achten möchtest, dann kann es für dich sehr hilfreich sein einen Zettel und einen Stift zu verwenden. Notwendig ist das nicht.

So geht’s:
Wichtig ist, dass du keine absoluten Zeiten misst, sondern nur Zeitspannen. Wichtige Fixpunkte, die einen Neustart der Uhr erzeugen, sind das Stillen/Essen und das Aufwachen.

Beobachte wie viele Minuten danach vergehen und danach und danach.

Am besten ist es, dies mindestens eine halbe Stunde am Tag zu tun, noch besser sind zwei Mal zu unterschiedlichen Tageszeiten.

Dein Baby kann einfach so da liegen. Immer wenn es Pipi machst, sagst du deinen Signallaut.
Protokoll
Nach deiner Beobachtung, weißt du also, dass dein Baby etwa 20 Minuten nach dem Aufwachen Pipi machen muss und ab da auch ca. alle 20 Minuten.

Signale sind, dass dein Kind plötzlich sehr ruhig wird. Wenn es irgendwo ist, dann möchte es von dort weg.

Ob das Gefühl, dass du selbst mal aufs Klo möchtest ein Zeichen deiner Intuition ist, müsstest du einmal nachverfolgen.

Wenn du mit dem Abhalten und Töpfchengängen anfängst, wird der Rhythmus deines Babys dir in Fleisch und Blut übergehen und bald wirst du keine Uhr mehr brauchen, da dir dein Innerstes verrät: „Es ist mal wieder Zeit.“

Du solltest nach ein paar Tagen unbedingt die Uhr, Zettel und Stift weglegen und deine Aufzeichnungen weglegen, sonst bist du davon zu sehr abgelenkt oder noch schlimmer: Du gerätst unter Stress.

Dieses kleine Protokoll ist nur als Gedächtnisstütze für die ersten Tage gedacht.

Danach ist Schluss!!

Ist der Rhythmus des Baby so schlimm wie feste Topfzeiten?

Vielleicht denkst du: “Oh Gott, das Kind nach der Uhr auf den Topf setzen, das ist ja wie in der DDR.” Na und? Ich habe viele verschiedene Eltern über das Trocken werden in der DDR interviewt. Und: ES WAR WINDELFREI. Nur dass man in den ersten 6 Monaten nur Signallaute verwendet und nicht abgehalten hat. Das Abhalten/Töpfchen benutzen wurde dann mit 6 Monaten begonnen.

Die Eltern, die ich interviewt hatte, kannten sich einfach sehr gut mit den Standardsituationen und dem Rhythmus ihres Babys aus.

Windelfrei ist Kommunikation in zwei Richtungen: Manchmal signalisieren Babys nicht (mehr), zum Beispiel weil der Windelfrei-Einstieg später erfolgt ist.

Doch wenn die Eltern nach Timing und Rhythmus des Babys abhalten und dabei kommunizieren (Signallaute), kann das Baby sehr schnell Körperbewusstsein wiedererlangen und sehen, dass die Eltern das aufs Klo gehen wertschätzen.

So kann es sein, dass das Baby nach einigen Wochen deutlich kommuniziert und der Blick auf die Uhr immer unwichtiger wird.

Ein Gedankenexperiment: Was ist netter? Dein Baby sich selbst anpieseln zu lassen, obwohl du weißt oder wissen könntest, wann es Pipi macht? Oder einen Wecker zu verwenden und dann ganz stressfrei aufs Töpfchen zu gehen (danach geht das Leben weiter)?

Die 3 anderen Wege zu erkennen, wann das Baby Pipi-Kacka muss, spielen auch in den Rhythmus herein:

  • Nach 20 Minuten klingelt der Wecker und du weißt: “Es könnte mal wieder Zeit sein.” Du gehst vom Herd weg, konzentrierst dich für die nächsten 5 Minuten auf dein Kind. Aha, da ist er dieser starre Blick. “Komm, wir gehen aufs Töpfchen.” 🙂
  • Nach 20 Minuten klingelt der Wecker, du weißt: “Es könnte mal wieder Zeit sein.” Allerdings hast du dein Kind vor 10 Minuten in die Babytrage gesetzt und weißt, dass es da viel länger aushält. Erst nach weiteren 20 Minuten als dein Baby anfängt zu zappeln, nimmst du es aus der Trage und hältst es über das Klo.
  • Pipi-Kacka streifen unweigerlich deine Gedanke. Du überlegst ob das Intuition ist, von der alle sprechen und ob du dein Kind jetzt wirklich abhalten solltest. Du wirfst einen kurzen Blick auf dein Handy und siehst, dass der Wecker eh in 2 Minute klingen müsste. Du hältst dein Baby ab.

Solltest du jedes Pipi abfangen?

Es ist nicht notwendig (und nicht möglich) jedes einzelne Pipi abzufangen, wenn dein Baby noch ganz klein ist (weil es so oft pieselt) oder wenn dein Baby schon mobil ist (die Intervalle sind größer, aber du und dein Baby seid beide beschäftigt).

Jedes Pipi abzufangen würde dich und dein Baby wahrscheinlich sehr stressen.

Stress ist pures Gift für Windelfrei.

Wenn dein Baby sehr intensiv und eindeutig signalisiert, dass es mal muss, dann geht aufs Klo.

Wenn du weißt, dass du gerade nicht die Kapazitäten hast, dich um Pipi-Kacka zu kümmern, dann zieh eine Windel an.

Viele Eltern halten ihre Baby regelmäßig ab, obwohl es Vollzeit eine Windel trägt. Bei Windelfrei ist alles erlaubt, nichts muss, alles kann.

Manche Eltern konzentrieren sich in den ersten Lebensmonaten nur auf das große Geschäft und sehr eindeutige Pipis, wie nach dem Aufwachen. Alle anderen Pipis gehen in die Winde. Schau, wie es euch passt 🙂

Sollten du oder dein Baby allerdings gegen Ende des ersten Lebensjahres den großen Wunsch verspüren so wirklich richtig von den Windeln loszukommen, dann kann der Rhythmus ein sehr gutes Hilfsmittel sein, damit ihr ohne Windel lebt und trotzdem alles trocken bleibt, selbst wenn dein Kind Tage hat an denen es keine Kapazitäten hat viel zu kommunizieren.

4. Intuition

Naturvölker sind noch sehr verbunden mit ihrer Intuition. Berichten zufolge halten sie ihr Baby ohne Vorwarnung mitten in Gesprächen ab. Danach reden sie dort weiter, wo sie gerade waren, als wäre nichts geschehen.

Für einen außenstehenden Betrachter sieht es natürlich aus, als wäre dies aus heiterem Himmel und ohne besonderen Grund geschehen.

Doch die Frauen vertrauen einfach nur Intuition, die sich aus den vielen kleinen Signalen des Kindes, einem guten Zeitgefühl und viel Erfahrung zusammensetzt.

Du musst bedenken, dass diese Mütter seit ihrer eigenen Geburt gesehen haben, wie Babys abgehalten werden. Seit sie ca. 3 Jahre alt waren, durften sie wahrscheinlich selbst auf ihre Geschwister aufpassen. Ihre Mutter brachte ihnen einige Grundregeln bei: “Denk dran, nach dem Aufwachen muss deine Schwester dringend Pipi!”). Das Erlebte ist fest in ihrem Unterbewusstsein verankert.

Woraus setzt sich deine Pipi-Kacka-Inuition zusammen?

Intuition = Signale + Zeitgefühl + Erfahrung + Wissen

Wie fühlt sich deine Intuition an?

Auch du kannst nach einiger Zeit deine innere Stimme, deine Intuition hören. Mögliche intuitive Situationen:

  • Du musst plötzlich selbst auf’s Klo.
  • Du hast das komische Gefühl, dass dein Baby mal muss, denkst dir aber: „Sie kann doch nicht noch mal müssen.“
  • Es wird plötzlich ganz ganz warm, dort wo dein Baby deinen Körper berührt. Du denkst, es hätte dich angepieselt, doch nichts ist passiert.
  • Die Wörter Pipi oder Kacka streifen deine Gedanken.
  • Du stellst dir plötzlich vor, wie dein Baby auf dem Topf sitzt.
  • Es riecht auf einmal nach Pipi (obwohl nichts passiert ist).
  • Dein Bauch kribbelt.
  • Du träumst, dass dein Baby mal muss und wachst auf.

Vertraue deiner inneren Stimme.

Reagiere sofort.

Reagiere sofort!!

Sofort.

Natürlich ohne Stress. Was ich meine: Ignoriere nicht dieses Gefühl. Nimm es ernst. Halte dein Baby ab, auch wenn das letzte Mal vielleicht noch gar nicht so lange her ist.

Wenn dein Baby nicht muss, wird es dir das mitteilen oder einfach abwarten, bis du selbst auf die Idee kommst. Dein Baby wird dir nicht böse sein, wenn du es abhältst und es eigentlich gar nicht musst.

Egal. Ihr beide lernt daraus.

Das nächste Mal dann 😉

Was ist, wenn du keine Intuition hast?

Leider ist in der westlichen Gesellschaft Intuition nur schwach ausgeprägt, wenn nicht sogar komplett verschüttet.

Schon in früher Kindheit lernen wir nur dem logischen Denken und „den Fakten“ zu gehorchen und nicht unseren Gefühlen. Doch oft trifft das Unterbewusstsein die besseren Entscheidungen.

Wenn du keine plötzlichen Gedanken oder Gefühle im Bezug auf Pipi und Kacka verspürst, mach dir bitte keine Sorgen. Du kannst dich immer noch auf den Rhythmus und die Signale deines Kindes und allgemeines Timing verlassen.

Es kann sogar passieren, dass du aus heiterem Himmel eine „Pipi-Intuition“ hast. Der Mensch lernt nie aus und auch unterbewusstes Lernen ist sehr wirkungsvoll!

Bei manchen taucht die Pipi-Kacka-Intuition auch erst beim zweiten Kind auf.

Zusammenfassung

Es gibt 4 Wege zu erkennen, dass dein Baby oder Kleinkind mal Pipi-Kacka muss:

  • Dein Kind gibt Signale: Körpersprache, Mimik, Verhalten, Laute, Gesten, Worte.
  • Es gibt Situationen in denen dein Baby ziemlich sicher muss: Nach dem Stillen/Essen, nach dem es irgendwo drinnen war, nach dem ihr irgendwo ankommt.
  • Dein Baby hat einen persönlichen Rhythmus, der von Persönlichkeit, Alter, Übung, Tageszeit und Jahreszeit abhängt. Du musst dir zwei Werte merken: Vormittags und Nachmittags.
  • Du als Mama, Papa, Pflegeperson kannst eine Pipi-Kacka-Intuition ausbilden, die von erkannten (vielleicht unterbewussten) Signalen, Zeitgefühl, Erfahrung und Wissen gebildet wird.

windelfrei-signale

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Liebe Grüße,
Julia

deVries MW and deVries MR. 1977. Cultural relativity of toilet training readiness: A perspective from East Africa. Pediatrics, 60: 170-177.

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17 Kommentare zu „Windelfrei: 4 Möglichkeiten herauszufinden, wann dein Baby Pipi-Kacka muss“

  1. Hallo Julia,
    danke für den informativen Beitrag. Ich habe daher vor drei Tagen angefangen meine Tochter (7,5 Monate) aufs Töpfchen zu setzen und bin begeistert, wie gut das funktioniert. Sie hat trotzdem tags und nachts Stoffwindeln um, aber ich setze sie nach dem aufstehen, essen etc. aufs Töpfchen und reduziere so Pipi und Kaka im Windelbereich. Sie ist nicht mehr so unruhig (vorher konnte ich das nie einordnen…) und ich habe das Gefühl, dass sie zufriedener ist , so nach dem Motto, endlich hat Mama verstanden. 🙂 Mal sehen wie es weitergeht. Danke auch generell für die tolle Homepage.

  2. Hi Julia,
    Ich habe mir vor einiger Zeit dein Windelfrei-Buch runtergeladen und es hat mir sehr gut geholfen mit windelfrei anzufangen. Mein Sohn ist 12 Wochen alt und ich halte ihn bei jedem Wickeln und mehrfach wenn ich ihn tagsüber nackt strampeln lasse ab. Bis jetzt kann ich seine Signale noch nicht gut deuten, und manchmal klappt es und manchmal eben nicht, aber das wird bestimmt noch besser…
    Nun zu meiner Frage: mein Kleiner pinkelt jedesmal wenn er beim nackigen Strampeln in Bauchlage ist. Da ich das mittlerweile weiß, halte ich ihn ab bevor ich ihn umdrehe. Oft pinkelt er dann beim Abhalten NICHT. Dann lege ich ihn auf dem Bauch auf seine Decke und ein paar Sekunden später pieselt er. Ich bin mir nicht sicher, warum er dann beim Abhalten nicht gepinkelt hat. Vielleicht ist der Druck auf die Blase bei Bauchlage der Auslöser?
    Hast du eine Idee was ich machen kann?
    Vielen Dank schonmal im Voraus!

  3. Hallo Julia!

    Da bin ich gerade mal einige Zeit kaum online unterwegs, und verpasse diesen ausführlichen Bericht von dir! Danke, auch fürs verlinken! :-*

    Du hast hier wirklich sehr viele Infos hineingepackt und schaffst es, gleichzeitig viele verschiedene Sinne anzusprechen und praktische Möglichkeit aufzuzeigen! Und wirklich auch sehr praktisch die ÜbersichtsZettel zum Download!

    Etwas will ich noch ergänzen: Jungs haben quasi von Anfang an immer wieder mal Erektionen. Manchmal hängt es mit einer vollen Blase zusammen – manchmal nicht. Aus meiner Erfahrung kann ich nicht sagen, dass das ein sehr sicheres Zeichen wäre. Ist wahrscheinlich von Kind zu Kind unterschiedlich.

    Ich finde sogar, dass Windelfrei bei Jungs einfacher ist: man kann zielen und kleinere Abhaltegefäße, zB Becher verwenden 😉

    Interessante Idee zur Stärkung des Zeitgefühls! Ich brauchte selbst anfangs zumindest nachts eine Uhr – um zu wissen, ob ich in der Zwischenzeit geschlafen habe 😉 Sonst wäre mein Vorgehen eher, es von vornherein zu lassen, auf die Uhr zu sehen. Genau, wie beim Stillen. Um gar nicht auf die Idee zu kommen: War doch gerade am Geschäftemachen/hat doch gerade gestillt. Sondern einfach das Bedürfnis wahrnehmen und reagieren. Aber das ist wieder ein anderer Ansatz…

    Herzliche Grüße!
    Lucia

  4. Hallo Julia,

    ich überlege ob ich mit meiner Tochter mit 18 Monaten potty training machen soll. Sie kommt allerdings mit 21 Monaten in die Kita! Ich bin nicht sicher, ob sich nach 3 Monaten schon alles so eingespielt hat, dass es auch in der Kita funktioniert und ich will keine Stresssituation herstellen für alle Beteiligten. Wie war denn deine Erfahrung nach dem Pott Training? Wie selbständig kann ein Kind mit 21 Monaten schon sein?

    Wir machen schon lange Teilzeit Windelfrei, aber seit sie ein Jahr ist, lässt sie sich nicht mehr abhalten. Jetzt setze ich sie aufs Tröpfchen, dass klappt manchmal (meist morgens) gut, aber oft will sie nicht, entweder weil sie gerade nicht muss, gerade schon gemacht hat oder sie macht dann kurz danach. Vielleicht muss ich auch nochmal mehr über ihr Timing rausfinden. Kaka ist totales Drama seitdem, mit Verstopfung, ich weiss nicht genau ob sie auch einhält oder nur die Beikost schuld ist. Immer wenn ich sehe, dass sie muss, setz ich sie aufs Töpfchen, dann macht sie aber oft nicht. Jetzt lasse ich sie wieder in die Windel machen, obwohl mir das echt schwerfällt.
    Eine andere Frage dazu betreffend Stoffwindeln: Ich frage mich immer, ob ich sie zu oft Wickel, da ich jedesmal wenn ich merke dass sie nass ist, eine frische Muli oder Prefold reinlege (in die Milovia). Kann es sein, dass sie denkt, ich werd ja eh gewickelt, dann kann ich auch reinpinkeln und muss nicht zurückhalten? Aber eigentlich lernt man ja bei Windelfrei immer, möglichst nicht im nassen sitzen zu lassen. Und wie ist das Nachts, kann Sie da im Nassen liegen bleiben? Seit ich sie nachts nicht mehr wickel, weil das zu großem Protest führt (sie hasst Wickeln zu jeder Zeit!), benutze ich nachts www!

    So, vielleicht kann mir ja jemand Tips geben, ich bin manchmal echt kurz davor windelfrei aufzugeben :-(((heul)

    Liebe Grüße
    Kathrin

    1. Hallo Kathrin,

      manches davon kommt mir so bekannt vor, dass ich Dir antworten will.

      Meine Tochter hat eine ganze Zeit lang (so ab 14 Monaten) mit Absicht in die Windel gepinkelt und Bescheid gesagt, wenn’s grad lief/vorbei war. Das hat mich tierisch genervt! Mit 17-18 Monaten war sie trocken, habe das Potty Training gemacht, was Julia hier öfter beschrieben hat. Sie hat in diesem Alter jedoch kaum selbst Bescheid gesagt, es war oft nur mein Zeitgefühl/Intuition/Wissen… Dann kamen 4 Eckzähne auf einmal und es war alles immer nass, sodass ich sogar WWW ihr aufgezwungen habe (längere Wickelabstände, keine Wäsche für mich). Als die Eckzähne alle draußen waren, habe ich mit knapp 20 Monaten noch mal potty training gemacht – erfolgreich. Nun sechs Wochen später traue ich ihr auch zu, bei anderen Betreuungspersonen Bescheid zu sagen. An Weihnachten (also 3 Wochen nach Potty Training) hat sie sich immer bei der Oma gemeldet.

      Also: Nur Mut, ich denke, Kinder kapieren sehr schnell, wie es ohne Windel geht! Und Du hast ja ein Puffer von fast drei Monaten. Windelfrei passt einfach ab einem gewissen Alter nicht mehr, da verwirrt das Windel-Backup das Kind mehr, als dass es Euch hilft.

      Alles Gute!
      Marie

      1. Hallo Marie
        Danke für dein Feedback. 🙂
        Ja, ich habe auch das Gefühl, dass sie vom Wickeln und Töpfchen mischen genervt ist. Vielleicht auch verwirrt. ich habe jetzt beides noch mehr reduziert, so dass das Töpfchen wieder mehr Spass macht. Ich hoffe das hilft ihr eine positive Verknüpfung zu bekommen.
        LG

  5. Bin noch lange nicht fertig mit lesen, aber mir bleibt grad das Herz stehen. Ich danke dir für den Artikel 1000 Fach. Das stimmt. Unser drittes Kind ist 3 Monate und Teilzeit Windelfrei. Bei unserer mittleren haben wir davon erfahren und es zeitweise umgesetzt. Hätte ich (alleine von deinen ersten Abschnitt nur die Hälfte gewusst) gewusst das dies Signale sind. Wäre es uns viel einfacher gewesen.

    1. Hallo Carina,

      ich freue mich, dass es dich inspiriert 🙂

      Ja schade, dass diese Signale und das ganze Wissen nicht auf anderen Websites und Büchern bekannter gemacht werden und man sich das erst mühevoll zusammensuchen muss. Da musste Abhilfe her 😉

      LG Julia

  6. Liebe Julia,

    ein toller Beitrag, vielen Dank!
    Du hast das doch umfassende Thema super schön auf den Punkt gebracht.
    Schon während der Schwangerschaft habe ich mich mit windelfrei beschäftigt und war gespannt, wie es dann in der Realität funktioniert.
    Nun ist unsere Tochter 4 Wochen alt und pinkelt häufig sowieso nach bzw beim wickeln, sodass ich sie im Zuge dessen gleich abgehalten habe. Allerdings findet sie das so doof, dass sie schreit wie am Spieß und garantiert nicht pinkelt- sondern erst, wenn ich sie wieder auf die Kommode ablege. Nun haben wir es erstmal dabei belassen, sie ist ja noch so klein und es ist ja schon mal gut, wenn sie überhaupt “windelfrei pinkelt” bzw wir den Luxus haben, es mit dem wickeln verbinden zu können. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

  7. Hi Julia,

    ganz nach dem Motto alles kann, nix muss, habe ich schon kurz nach der Geburt meines Sohnes angefangen ihm beim Windelwechseln abzuhalten. Ich finde das Thema Windelfrei sehr spannend und unser kleiner Mann wusste auch gleich was er zutun hat. Da er aber nicht das einzige Kind im Haushalt ist und es wirklich wahnsinnig anstrengend ist das Kind rum um die Uhr zu überwachen (dazu kommt das er ein viel-Piessler ist) trägt er immer Windeln. Seit dem 4. Monat konnte ich aber immerhin die schönen Stoffis vor der Kacka beschützen und er hat direkt ins Klo gemacht.
    Jetzt hat er gerade seinen 1. Geburtstag hinter sich, hat einen mächtigen Wachstumsschub, ist ganz viel mit laufen lernen beschäftigt und bekommt gefühlt 10 Zähne mit einem Mal…. UND er lässt sich absolut nicht mehr abhalten 🙁
    Er steckt sich durch und fängt an zu schreien wenn es während des Windelns zum Klo geht. Dabei hatte er sich sonst immer selber über seine Pipi gefreut und mich ganz stolz angeguckt. Er zwingen möchte ich ihn natürlich nicht.

    Ich hoffe gerade das du mir schreibst, dass ist nur eine Phase, die schnell wieder vorbei geht 😉

    Liebe Grüße

    1. Hallo Anne,

      kein Stress!

      Bei vielen Kindern tritt dieses Phänomen zwischen 9 und 14 Monaten auf. Die meisten Eltern haben zu diesem Zeitpunkt schon ein halbes Jahr oder länger abgehalten. Mhh… die Kinder verstehen schon so viel, sie sind schon schlau ^^ Sie nehmen ihren Körper bewusst war – Und auch die Windel.

      Im Prinzip weiß dein Sohn ja schon, wie es geht. Er hat jetzt schon so lange geübt, er kennt jetzt aber auch die Windeln. Im Prinzip sagt er : “Mama, es nervt mich, es ergibt für mich keinen Sinn. Manchmal soll ich aufs Klo, manchmal nicht, wenn wir draußen sind, dann darf ich gar nicht aufs Klo. Was jetzt?”

      Windeln sind ja nicht schlimm. Also du kannst das jetzt so akzeptieren und einfach Windeln wechseln. Du könntest mit 18 Monaten die Windeln weglassen, so wie Sonja in dem Artikel.
      Oder jetzt, so wie Lini Lindmayer es bei der Geburt gemacht hat.

      (Damit das Klo wieder spaßiger wird:
      * Normales Töpfchen, daneben ein Töpfchen für die Kuscheltiere.
      * Klositz wie die Großen.
      * Klositz verkehrt herum und abwaschbare Stifte für den Klodeckel.
      * Klositz verkerht herum und Spiegelfolige für den Klodeckel.
      * In der Dusche, Waschbecken, Küche abhalten.
      * Spüli in das Töpfchen, damit es schäumt.
      * Anstatt Töpfchen einen Becher oder etwas anderes verwenden.)

      Ob es eine Phase ist, die schnell vorbei geht, hängt davon ab, wie ihr damit umgeht. Aber kein Stress. Windeln sind nicht schlimm. Nur dieses hin und her nervt deinen Sohn wahrscheinlich.

      Wenn du Facebook hast, kannst du gerne einmal in dieser Gruppe vorbeischauen 😉

      Liebe Grüße,
      Julia

  8. Liebe Julia,
    ich finde grundsätzlich es toll, wie ausführlich du das Thema darstellst und die zahlreichen Tipps sind hilfreich. Wir selbst konnten einige Monate viele Pipis abfangen. Ich stimme dir zu, die Vorstellung, das Babys unkontrolliert Blase und Darm entleeren ist überholt (und war sowieso wahrscheinlich nur im 20 Jh modernes Wissen, als die männliche dominierte Medizin als absolut galt) aber worin ich dir nicht zustimme, ist, dass “trocken werden” ein kultureller Prozess ist und nicht körperlich. Es gibt ernstzunehmende wissenschaftliche (dieser Aspekt fehlt mir bei dir) Ansichten darüber, dass das trocken werden in unserem Sinne, also eine erweiterte Kontrolle über die Ausscheidungen, ein Reifungsprozess ist. Es gibt Studien, und ich bin mir sicher, an denen bist du nicht vorbei gekommen, die belegen, dass egal ob Kinder windelfrei oder nicht erzogen worden sind: im Durchschnitt werden sie alle zur ähnlichen Zeit trocken. Grundsätzlich begrüße ich windelfrei, weil es eine weitere Ebene ist, den Bedürfnissen seines Kindes entgegen zu kommen und ausserdem finde ich es auch traurig, dass viele Eltern Windeln dazu benutzen, ihre Kinde lange in den Ausscheidungen liegen zu lassen und erst spät mit dem Kind über Ausscheidungen und das Thema Toilette zu reden. Dennoch finde ich es wichtig darauf hinzuweisen, dass es nicht endgültig belegt ist, ob trocken werden kulturell oder körperlich abhängig ist. Grundsätzlich ändert das nichts daran, ob man windelfrei praktizieren kann oder sollte, denn es funktioniert ja auch super, auch wenn es ein Reifungsprozess ist.

    Wir haben irgendwann kein windelfrei mehr gemacht, weil unsere Tochter schlichtweg nicht mehr angezeigt hat und wenn, dann gerade als sie gemacht hat. Nun bekomme ich von windelfrei Müttern zu hören, ich würde die Signale einfach nicht erkennen, das nervt mich gewaltig!…ausserdem erfordert windelfrei sehr viel Arbeit, ja wirklich: du musst deinem Kind wahnsinnig viel Aufmerksamkeit schenken und ständig wird sehr viel dreckig (ich kenne ein Paar, das hat konstant eine Hand am Kind, 24 Stunden lang; selbst als Anhängerin des attachment parenting ist mir das eine Stufe zu krass). Ausserdem bedeutet windelfrei, dass das Kind sehr viel bei der Hauptbezugsperson sein muss, nur diese erkennt die Signale. Mutter sein in der heutigen Zeit ist sowieso schon anstrengend (es fehlt die Großfamilie, der Clan) und die Erwartungen an Mütter, und Väter, die sich informieren, über Breifrei, das Tragen, Familienbett, Windelfrei, Stoffwindeln, Langzeitstillen…Windelfrei bedeutet für so eine Mutter oder Vater auch zusätzliche Arbeit, egal wie schön es ist, mit seinem Kind (mal mehr oder weniger) erfolgreich über das Pipi kommunizieren zu können.

    So, ich mache hier mal einen Punkt. Und wo ich gerade mal schreibe: ich lese sehr gerne deine Artikel, deine Seite ist super!

    1. Hallo Stephanie,

      danke für einen langen, ausführlichen Kommentar.

      Ja genau, da ich so viele verschiedene Studien angesehen habe, bin ich der Meinung, dass das Trockenwerden ein kultureller Prozess ist. 🙂

      Aber vielleicht meinen wir beide auch etwas anderes, wenn wir über “Trockenwerden” sprechen? Viele Eltern meinen ja damit, dass das Kind komplett alleine aufs Klo geht, sich die Hose runterzieht sich hinsetzt, sich abputzt, spült und wieder anzieht. Natürlich schafft das ein 1-jähriges Kind nicht.

      Wenn man möchte, dass das Kind zum Töpfchen geht, wird es 1 Jahr alt sein bis es dazu bereit ist.
      Wenn man möchte, dass das Kind verständliche Worte benutzt und nicht nur Laute oder körperliche Signale, wird das Kind ca. 1,5 Jahre alt sein bis es dazu bereit ist.
      Wenn man möchte, dass das Kind seine Hose selbst runterzieht, wird es 2 bis 2,5 Jahre alt sein bis es dazu breit ist.

      Ich meine mit “trocken sein”: Keine Windel tragen und sich selbst bzw. die Umgebung nicht beschmutzen, Pipi-AA kommen in der von der Kultur vorgegebenen Ort. Die Hilfe der Eltern das Kind sauber zu halten ist erlaubt und erwünscht.

      Das geht ab Geburt (wie Lini Lindmayer beschreibt), das geht mit 5 Monaten (so wie deVries und deVries es in “Cultural Relativity of Toilet Training Readiness: A Perspective From East Africa” haben), das geht mit 1 Jahren (so wie bei mir und meinen 3 Geschwistern), das geht mit 18 Monaten (so wie bei meinem Sohn und bei diesem Jungen), das geht mit 19 Monaten (so wie bei diesem Mädchen), das geht mit 2 Jahren (so wie bei diesen Mädchen).

      Ein weitere Artikel wird natürlich folgen 🙂

      Und ich finde auch, dass man sich keinen Windelfrei-Stress machen sollte. Ich finde auch, dass Windelfrei in vielen Büchern und Publikationen so dargestellt wird, als würde man zu einer besseren Mutter werden, wenn man es macht und dass man eine schlechte Mutter ist, wenn man es nicht macht oder es schlicht weg nicht funktioniert. Das ist natürlich Quatsch. Jeder der einer Mutter versucht das einzureden, ist ein A”%!)”§/!!.
      Auch dieser Artikel enthält viele Anmerkungen es lieber entspannt anzugehen 😉 “Solltest du jedes Pipi abfangen?”.

      Liebe Grüße,
      Julia

      1. Schöner Kommentar, Julia! 🙂

        Hallo Stephanie! Tut mir leid, dass du in einen Mommy-War geraten bist! Manchmal neigen gerade AP-Eltern dazu, weil sie es ja “besser” wissen. Aber du bist die Expertin für dein Kind, eure Situation und deine Familie!

        Ich habe schon einige Elimination Communication Fortbildungen für Hebammen gegeben und dafür nahezu alle verfügbaren Studien zusammengesucht und gelesen. Dabei kann ich definitiv sagen: Windelfrei-Kinder erreichen durchschnittlich (gibt also auch Ausnahmen bzw ist es natürlich ein Spektrum) früher Blasen- und Darmkontrolle als klassisch vollzeitgewickelte Kinder.

        “Klassische” Blasenkontroll-Studien werden an Wickel-Kindern gemacht. Dabei ist aber der Großteil dieser Ergebnisse nicht übertragbar (zB Blasenvolumen, Geschäftshäufigkeit etc)

        Wenn du andere Studien kennst, gerne her damit! Vielleicht habe ich ja etwas übersehen?

        Das mit der vielen Arbeit empfinde ich als Vorurteil (2 Windelfreie Kinder). Es ist Einstellungssache bzw hängt von viel mehr Faktoren ab. ZB davon, wie man sich den Alltag organisiert, wie man sich das Zusammenleben mit Baby vorstellt, Erziehungsmodell etc.
        Mich würde wickeln viel mehr stressen 😉 und ich habe auch den Vergleich.
        Zum Continuum Concept passt Windelfrei gut dazu. Da hat man sein Baby zwar anfangs meist bei sich, aber ist mit der Aufmerksamkeit meist eher bei sich und der eigenen Tätigkeit. Nur als Beispiel. Aber du hast jedenfalls recht, dass wir es uns in dieser Gesellschaft nicht gerade leicht machen! Und deshalb finde ich es auch gut, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, sodass jeder das passende für sich finden kann! 🙂

        Herzliche Grüße!
        Lucia

      2. Liebe Lucia,

        ich denke, du bist die besser informierte von uns beiden, dass ich jetzt mühsam raussuche, worauf meine Meinung basiert, ist nicht unbedingt nötig, ich beharre auch nicht auf diese Meinung bzw. habe ich oben ja auch formuliert, dass mein Eindruck ist, dass dieser Aspekt noch nicht endgültig belegt ist. Aber es ist mit Sicherheit auch nicht der wichtigste Aspekt, selbst wenn es ein Reifungsprozess sein sollte, ist windelfrei für einige Eltern ja durchaus ein toller Weg.

        Nein, ich bin in kein Mommy-war geraten; ich sprach mit einer Windelfrei-Lehrerin und erzählte ihr, dass unsere Tochter nicht mehr signalisiert – da formulierte sie das ganz nebenbei um in: wir erkennen die Signale einfach nicht. Und ich muss sagen, ich war eine Weile in windelfrei Foren usw unterwegs, gefallen hat mir der Ton nicht. Vielleicht auch deswegen der Reiz, hier zu antworten. Dabei schlägt Julia durchaus einen sehr angenehmen Ton an, ich mag ihren Beitrag.

        Das mit der Mehrarbeit ist vielleicht deiner Meinung ein Vorurteil. Wir haben es ein paar Monate hier auch praktiziert. Auch wenn wir das Thema sehr entspannt angegangen sind und unser Kind bedürfnisorientiert aufwachsen lassen – es war mehr “Arbeit”. Für mich. Aber auch das ist kein Grund, windelfrei nicht zu praktizieren. In all den Nuancen die man es praktizieren kann, kann jeder das richtige Maß finden. Vielleicht fangen wir auch bald wieder langsam damit an, mal schauen.

        Liebe Grüße,
        Stephanie

      3. Hallo Stephanie!

        Danke für deine Antwort! Und du hast auf alle Fälle recht: Ich will auch einen besseren Ton verwenden. Tut mir leid! (Ich finde auch, dass das eine ganz große Stärke von Julia ist :-)) Ich finde ja selbst, dass wir Mütter und wir Menschen allgemein uns sehr oft gegenseitig verurteilen, wo wir doch eigentlich das gleiche wollen, zB, dass es unseren Familien oder Kindern gut geht.

        Naja, was heißt schon eindeutig belegt. Streng genommen handelt es sich immer nur um (im Idealfall gut bestätige) Hypothesen. Und im Grunde ist es ja tatsächlich die “Biologie”, welche den Zeitraum einer möglichen Blasenkontrolle vorgibt: ich habe noch von keinem Neugeborenen gelesen, das zuverlässig “trocken” ist (mit Hilfe) 😉 Zuverlässig für einen bestimmten Zeitraum Bescheid geben, ja, aber eben nicht dauerhaft. Ist nur die Frage, ob es sich dabei um zB 5 Monate (Digo-Babies) handelt, oder um 24 Monate (“moderne” Studien, allerdings nur an Vollzeitgewickelten Kindern) …

        Genau, für Windelfrei selbst ist das irrelevant und es hat auch nicht nur etwas mit Windelfrei zu tun. Auch bei Infant Potty Training (auch ohne Belohnung/Bestrafung) und ähnlichem erlangen die Kinder früher Blasen-Darm-Kontrolle. Ist für die Praxis ja aber auch völlig irrelevant, wenn es um die Kommunikation geht, oder einfach darum, dass sich die Familie wohlfühlt (das geht ja auch völlig ohne irgendeiner Art von Windelfrei/Töpfchentraining ;-)!!).

        Das mit den Studien nehme ich so genau, weil ich endlich die ganzen Vorurteile aufweichen möchte, die gegen Windelfrei existieren. Ich diskutiere auch regelmäßig mit anderen Fachpersonen. Und es läuft fast immer auf eines hinaus: im Studium oder sonst wo gehört, nicht selbst gelesen. Und da schleicht sich meist der Fehler ein, dass ein Ergebnis von Windel-Kindern auf alle übertragen wurde. Und gerade Windelfrei-Eltern dann massiv verunsichert werden.

        Oder wie siehst du das, was ist deine Erfahrung? Und wie genau hattest du es denn jetzt gemeint? 🙂

        Hm, ich weiß nicht, was besser ist: mommywar oder gut gemeinte Unterstellungen… In der Praxis läuft es auf das gleiche hinaus, ob das Baby keine Signale gibt oder man sie nicht wahrnimmt. Aber letzteres kann als “du hast dich nicht genügend bemüht” herüber kommen, das Problem würde also bei der Mutter/Eltern liegen. Tut mir leid, dass eine Kollegin so unbedacht gesprochen hat! Ich habe dbzgl die Erfahrung gemacht, dass Kinder tatsächlich nicht signalisieren und es gut verstecken können, wenn sie keine Lust haben 😉 Es ist eben ein Dialog. Und wenn eine Seite nicht kommunizieren will, tut sie es auch nicht. Das ist aber gar nichts Neues für dich, hast du ja bereits geschrieben 🙂

        Und ja, du hast auch hier recht, ich habe mich zu unklar ausgedrückt: Windelfrei kann ganz schön viel Mehraufwand bedeuten! Und gleichzeitig kann Windelfrei auch weniger Aufwand, sogar Entspannung bringen. Das ist individuell und auch mal phasenabhängig so unterschiedlich. Windelfrei kann sowohl objektiv als auch subjektiv mehr oder weniger Arbeit sein. Das wollte ich sagen 🙂 und es liegt bestimmt nicht an der Kompetenz der Mutter! Wohl eher ganz neutral an den einzelnen Persönlichkeiten, Erziehungskonzept etc (zumindest ist das meine Beobachtung).

        Ich hoffe, dass ich jetzt das vielleicht vorher vorhandene Wir-sind-gegeneinander in Wir-tauschen-uns-aus-und-sind-beide-in-ihrer-Art-liebevolle-Mütter (oder so ähnlich ;-)) umwandeln konnte! :-*

        Herzliche Grüße,
        Lucia

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