Windelfrei und Abhaltestreik – Erfahrungsbericht Julia

windelfrei-ohne-windeln

Auf die Idee, Windelfrei zu machen, bin ich schon vor meiner ersten Schwangerschaft gekommen. Es waren liebe Freunde, die mir das – genauso wie Hausgeburt – vorgelebt haben.

Für mich stand außer Zweifel, dass ich mein(e) Kind(er) jemals absichtlich in die (Windel-)hose machen lasse, da es unnatürlich ist. Kein Tier trägt seine Ausscheidungen am Körper. Außerdem finde ich es widersprüchlich, dem Kind erst „anzuerziehen“, dass es in die Hose machen soll, nur um es ihm im Alter von 3 oder 4 Jahren, wenn die „Sauberkeitserziehung“ einsetzt, wieder abzugewöhnen.

Bei meinem Sohn haben wir zwar vorgehabt Windelfrei ab Geburt zu machen, doch als er dann geboren war, wusste ich irgendwie nicht, wie ich die ganze Sache angehen soll. So haben wir die ersten Tage unsere ca 80 Mullwindeln alle 2 Tage gewaschen.

Unser Sohn mochte es gar nicht, nass zu sein (Wer mag schon gern angepinkelt sein?) und schrie immer unmittelbar sobald die Mullwindel nass war. Ich wusste nicht, woran ich erkennen sollte dass er muss, um ihn rechtzeitig abzuhalten. So vergingen 12 Tage.

Dann meinte mein Mann einfach:

So, wir machen das jetzt!

Er hat unsern Sohn geschnappt, übers Topferl gehalten und dieser hat prompt sowohl großes als auch kleines Geschäft hinein erledigt. Von da an haben wir einfach damit weitergemacht. Immer, wenn wir das Gefühl hatten, dass er muss, haben wir ihn abgehalten.

1. Merken, wann das Baby muss

Signale

Ich habe oft auf „Signale“ gewartet. Vergebens. Ein Kind ist kein Roboter.

Diese Begriffe verwirren Eltern nur und schaffen rundum Unzufriedenheit: Ich war sauer auf das Kind, wenn es scheinbar widersprüchliche „Signale“ sendet. Ich wurde sauer auf mich selber, weil ich scheinbar zu blöd war um diese „Signale“ richtig zu deuten. Und am Ende zweifelte ich an der ganzen Windelfrei-Geschichte, ob das denn überhaupt „funktionieren“ könnte. Und warum es bei „allen“ anderen „funktionierte“, nur bei uns nicht.

Ich habe lange gebraucht bis ich gemerkt habe, es geht nicht ums „Funktionieren“. Denn weder das Kind noch ich sind Maschinen, die funktionieren oder eben nicht. Wir sind beide Lebewesen: individuell und sind in ständiger Kommunikation.

Auch bevor die Kinder sprechen können, kommuniziert man ja ständig mit seinem Kind. Man merkt ja auch ob es hungrig ist, müde, überreizt, Schmerzen hat… oder eben nicht, weil man sich auch mal unsicher ist.

Genauso ist es, wenn ich merke, dass mein Kind muss. Oft liege ich richtig, aber immer wieder mal irre ich mich auch, oder erkenne es nicht rechtzeitig, wenn mein Kind z.B. raunzt, ich dieses Raunzen nicht richtig als „Ich muss mal“ interpretiere und dann hinterher merke, dass das Kind nass ist. Dann entschuldige ich mich dafür, sein Bedürfnis nicht erkannt zu haben und behebe das Malheur.

Timing und Intuition

Zum Timing kann ich sagen, dass es einige Fixpunkte gibt, wo das Abhalten so gut wie immer klappt: Morgens nach dem Aufwachen, nach dem Mittagsschlaf un nach ausgiebigem Stillen.

Bei meinem Sohn war ich viel zu sehr auf diese verflixten Signale fixiert und bei meiner Tochter bin ich viel gelassener. Ich habe festgestellt, dass, wenn ich das Gefühl habe „ich glaube, sie muss“, ich sie auch abhalten gehen sollte, weil sie dann meist wirklich muss. Und wenn ich dieses Gefühl ignoriere („kann nicht sein, sie war ja erst“ oder „vielleicht mag sie grad einfach nur strampeln/ist aufgeregt/etc.“), dann geht’s meist in die Hose, weil das Gefühl selten trügt.

Ich ertappe mich daher immer wieder mal dabei zu denken „ich glaub, sie muss“ – Nein, kann nicht sein. Aber ich geh lieber doch, weil woher kommt das Gefühl sonst? Und dann bin ich am Ende immer erstaunt, dass ich mich auf mein Gefühl meist verlassen kann.

Also wenn ich schlaue Tipps geben kann, wie windelfrei „funktioniert“, dann das: Windelfrei funktioniert nicht, man tut es einfach! Weniger denken, mehr fühlen!

2. Die Windelfrei-Ausrüstung

Eigentlich braucht man ja nichts spezielles fürs Abhalten. Es geht ja darum, dass das Kind sich nicht absichtlich anmachen soll, wenn es doch von Anfang an in der Lage ist, seine Ausscheidungen zu kontrollieren.

Warum sollte ich meinem Kind etwas abtrainieren, ihm beibringen, dass es in die Hose machen soll, nur um ihm in einigen Jahren wieder beizubringen, dass es doch bitte nicht in die Hose sondern ins Topferl/Klo machen soll?! Das finde ich doch ziemlich verquer!

Und wenn ich mein Kind abhalten möchte, dann kann ich das tun, egal, welche Kleidung das Kind trägt.

Erfahrungsgemäß bietet sich dazu jedoch an, das Kind nicht in zig Bodys, Strampler, Overalls und dergleichen zu kleiden. Denn wenn ich erstmal 5 Minuten brauche bis ich das Kind ausgezogen habe, dann hat sich dieses vermutlich erstens bereits angemacht und zweitens werde ich mir jedesmal dreimal überlegen, ob das Kind wirklich muss.

Denn (siehe oben): „Das kann ja gar nicht sein, es war gerade erst!“ Wenn ich noch einen Tipp anbringen darf: Oh doch, das kann sein!

Eine der größten Hürden beim Windelfreisein ist laut meinem Mann dieser blöde Gedanke im eigenen Kopf, der da sagt: „Das Kind KANN gar nicht müssen, es hat ja grad erst gepinkelt!“

Leute, verbannt diesen Gedanken! Auch wenn das Kind erst vor 2 Minuten gepinkelt hat, es KANN durchaus wieder müssen und es WIRD auch pinkeln. Genauso wie ein Kind mit nasser Hose/Stoffwindel, die ich gerade gewechselt habe, kurz darauf schon wieder nass sein kann!

Das hat mir nie eingeleuchtet, bis mir Lini Lindmayer folgende Erklärung dafür gegeben hat: Schon Babys können nicht nur ihre Ausscheidungen kontrollieren, sie können das sogar so gut, dass sie, wenn sie eine volle Blase haben, gerade soviel pinkeln, dass der „Überdruck“ weg ist. Aber daher kurz daruf die Blase schon wieder so voll ist, dass sie nochmal müssen.

Wir haben daher unsere Kinder immer dann, wenn die Stoffwindeleinlage schon nass war, trotzdem abgehalten und sehr oft ist dann auch noch sehr viel gepinkelt worden.

Meine erste Ausstattung bestand aus unzähligen Mullwindeln (Meine Mutter hatte sehr, sehr viele davon aufgehoben, wir hatten über 80 Stück.), Überhosen, 5 kleinen Ecapants (Windelfrei-Trainerhosen) und Pocketwindeln. Alles eben vererbt bekommen oder Second Hand gekauft. Ebenso hatten wir von besagten Freunden ein Topferl bekommen. Spezielle Kleidung hatten wir keine, wir haben nur jegliche Einteiler gemieden, da sie zum Abhalten denkbar unpraktisch sind. Also haben wir nur Hosen, Leiberl und Pullover sowie Babystuplen verwendet.

Ich selbst besitze ja viel zu viel an Stoffwindelkram, wenn ich es jetzt auf das für mich nötigste reduzieren würde, dann hier meine Liste:

  • Mehrteilige Kleidung – Leiberl, Pullis, Westen, Hosen, Socken
  • Babystulpen – Sie sind sehr praktisch, weil ich da das Kind mit nackigem Po oder mit Stoffwindel lassen kann, die Beine dennoch warm haben und ich das Kind aber schnell schnappen und abhalten kann.
  • Mullwindeln, Ikea-Waschlappen,  alte Handtücher zerschneiden oder sonstige Stoffwindeleinlagen (Ich habe alte Popolini-Baumwolleinlagen und Little Lamb Bambuseinlagen) – Am praktischsten sind aber Mullwindeln und Ikea-Waschlappen, denn die trocknen in Windeseile. Baumwoll- und Bambuseinlagen sind mehrlagig und brauchen daher viel länger zum Trocknen. Wir nutzen keinen Trockner, weil es die Kleidung schon, weil es weniger Abrieb an den Fasern gibt, weil wir keinen Platz haben und weil Trockner viel Energie verbrauchen.
  • Überhosen – Bei Überhosen bevorzuge ich jene mit Klettverschluss, da sie schneller zu öffnen und schließen sind. Aber: Meine 7 Monate alte Tochter beginnt gerade den Klettverschluss aufzumachen, daher habe ich jetzt zusätzlich welche mit Druckknöpfen angeschafft. Bei Neugeborenen liebe ch die Imse Vimse Organic Überhosen mit Futter sodass kein PUL direkt auf die Haut kommt.
  • Moltonunterlagen mit Nässesperrschicht fürs Bett und alles andere, was nicht angepinkelt werden soll – Im Zweifel immer die größeren Unterlagen verwenden, weil das Kind sonst immer gerade dort liegt, wo die Unterlage gerade nicht liegt 😀

3. Tiefs und Abhaltestreiks meistern

Ich habe bei meinem Sohn viel zu viel Back-Ups (Überhose mit Einlage) verwendet und eben viele Pannen gehabt. → Dadurch erst Recht Scheu gehabt ihn ohne Backups zu lassen. → Вadurch wieder mehr Pannen gehabt, weil die direkte Rückmeldung fehlte, denn mit Windel am Po merke ich erst viel später, dass mein Kind nass ist, als wenn es auch außen nass ist. → Dadurch wieder Stoffwindeln angezogen.

Das ist die berühmte Katze, die sich in den Schwanz beißt! 😉

Unsere lieben Freunde, Windelfrei-Vorleber und Topferl-Schenker hatten ein tolles erstes Windelfrei-Halbjahr und wir haben uns so dahingewurschtelt und gewaschen. Ich habe gezweifelt, warum es denn bei uns nicht „funktioniert“.

Gut, das weiß ich ja jetzt:

Weil weder ich noch mein Kind Maschinen sind, wo man nur die richtigen Knopferl drücken muss. Wir Menschen sind halt „kompliziert“. Das ist aber vielleicht gar nicht so schlecht, sonst wär’s ja ziemlich fad, oder?

Jedenfalls lief’s bei ihnen super und bei uns lief’s dem Kind an den Beinen runter. Und ich dachte mir: Naja, bisher war’s eher, sagen wir, bescheiden, es wird schon besser werden.

Mh, ja. Bevor Windelfrei besser werden kann, kann’s aber noch gaaanz schlecht werden. Und Überraschung: Das wurde es auch!

Töpfchen Windelfrei Abhalten
Zeitig krabbeln, laufen, kletter – Abhalten unmöglich 😉

Unser Sohn konnte mit 6 Monaten krabbeln und mit 9,5 Monaten gehen. Da trauerte ich dann unseren “bescheidenen” Zeiten hinterher, denn von dem Zeitpunkt an ging hier gar nix mehr.

Nein, halt, einer ging, nämlich unser Sohn! Er konnte gehen, stehen und war so glücklich über diese neugewonnene Freiheit, neue Perspektiven, dass er sich weder abhalten ließ, noch selbst auf den Topf sezten wollte.

Er ging und stand und pinkelte sich einfach an.

Und am frustrierendsten für mich war in dieser Zeit, dass ich so gut wie nie zuvor mit ihm verdrahtet war und genau gespürt hab, wann er musste! Ich konnte fast immer vorhersagen: „Er muss – Jetzt!“ und ihm dabei zusehen, wie er sich anpinkelt, weil er sich partout nicht helfen lassen wollte!

Aaaahh… das war zum Aus-der-Haut-fahren!

Diese Phase kann man auch unsere „WoW-Phase“ nennen, denn ich hatte die Qual der Wahl: Wickeln oder Wischen? Jeder „normale“ Mensch würde wohl wickeln, oder? Nun, ich habe diesem Kind 3 laaange Monate lang hinterhergewischt!

Nein, ich bin nicht verrückt. Ich hatte meine Gründe.

Das führt mich wieder zu unseren lieben Freunden. Immer noch dieselben. Nein, nicht weil ich sonst keine Freunde habe, sondern weil mich diese Freunde durch ihr Tun immer wieder motiviert haben, etwas zu tun oder in diesem Falle nicht zu tun, nämlich nicht zu wickeln!

Nachdem ihr Sohn das Krabbeln begonnen hatte und ähnlich wie unser Sohn eine „sch****-drauf“ äh… Pinkel-drauf-Phase hatte, wo alles andere wichtiger, interessanter, toller, usw. war, als sich abhalten zu lassen, haben sie ihm Stoffwindeln verpasst. Ist ja auch normal oder? Hätte ich zu dem Zeitpunkt auch getan.

Doch dann wurde es ihrem Sohn noch mehr egal und die arme Katze musste sich mal wieder in den Schwanz beißen. Denn durch die Stoffwindeln verloren die Eltern noch mehr den Draht zum Ausscheidungsbedürfnis ihres Kindes und irgendwann ging gar nichts mehr. Und weil die Stoffwindeln dann auch nimmer genug Kapazität hatten, haben sie das Kind dann noch bis zum Alter von 2,5 Jahren mit Wegwerfwindeln gewickelt.

Hilfe, Wegwerfwindeln… das ist noch immer mein größter Graus! Ein Umweltdesaster, da kann ich das Geld ja direkt in die Mülltonne werfen, Chemie auf der Haut des Kindes. Jedenfalls: Nein! So ein Zeug kommt mir nicht ins Haus und schon gar nicht an den Popo. Ich hab bis heute für 2 Kinder keine einzige Wegwerfwindel weder gekauft noch verwendet und da halte ich eisern dran fest.

Nun, ich wollte keinesfalls beim Wickeln „enden“ (Wie das klingt, aber ihr versteht mich doch?) und somit blieb mir nur mehr das Wischen. Selber Schuld, werdet ihr jetzt denken. Ja, war ich wohl auch, aber manchmal steht man sich halt selbst im Weg.

Ich hab mir so gut wie jeden Tag geschworen:

Neeein, mir reicht’s, er kriegt jetzt eine Stoffwindel um!

Stoffwindel aufs Kind. 5 Minuten später wieder runter. Nein, das geht gar nicht. Wo führt denn das nur hin? Und überhaupt der dicke Hintern, das Kind schaut ja so unproportioniert aus und kann sich ja gar nicht gescheit bewegen. Also nein, Stoffwindel wieder runter.

Ich hab also drei Monate lang ein bisschen viel in mich hineingeflucht:

Ich sch**** auf das Windelfrei, das geht so nicht!

Aber nein, es muss ja irgendwann wieder besser werden. Noch schlimmer geht’s ja eigentlich nimmer.

Das stimmte zur Abwechslung diesmal zum Glück. Ich habe also so sicher 10 Mal täglich dem Kind beim Anpinkeln zugesehen (Ich wusste ja besser Bescheid als je zuvor, wann ein Kind musste.). Das Kind ausgezogen, gewaschen und gewischt.

Ein Teil von mir hat mir innerlich den Vogel gezeigt. Der andere Teil hat gemeint:

Das ist schon richtig so. Das Kind verlernt sonst den Bezug, weil die Windel das Pipi aufsaugt und es ja somit ruhig in die Hose machen kann. Es hat ja keine Konsequenzen.

4. Das Trockenwerden

So, Sohnemann war 13 Monate alt und von einem Tag auf den andern (kein Scherz!) ging es plötzlich, weil er wollte. Er ließ sich abhalten.

Aber viel mehr: Er ging selbstständig aufs Topferl!

Es gab plötzlich nur mehr eine nasse Unfall-Hose am Tag, weil’s halt schon zu dringend war. Von da an ging ich mit ihm in Unterhosen (also schon mit langer Hose drüber, aber halt ohne Stoffwindel oder sonstiges Backup) außer Haus. Meine Wischerei hatte sich ausgezahlt!

Einige Monate später war auch diese durchschnittlich eine nasse Hose am Tag Geschichte und mit ca 1,5 Jahren war mein Sohn das, was man gerne „trocken“ nennt – tagsüber. Aufs Topferl ist er dann schon selbstständig gegangen, aufs Klo erst gegen Ende des 3. Lebensjahres.

5. Windelfrei mit dem zweiten Kind

Auch mit meinem zweiten 7 Monate alten Kind mache ich wieder Windelfrei 😉

Unser Tagesablauf ist nicht immer gleich. Fixe Abhaltezeiten gibt es nur insofern, dass nach dem Aufwachen und nach ausgiebigem Stillen fast immer „erfolgreich“ abgehalten wird. Sonst eben nach Gefühl.

Zurzeit sind, denken wir, die ersten Zähne im Anmarsch und es ist sehr häufig ein feuchter Pups bereits in der Hose, wenn wir merken, dass wir sie abhalten sollten. Und es gibt Momente, wo es ihr komplett egal ist, dass sie sich angemacht hat.

Anders wieder kann sie manchmal sehr lange raunzen bis endlich jemand mit ihr abhalten geht, weil sie sich sichtlich nicht in die Hose machen möchte. Da hält sie dann sehr lange zurück und man merkt dann meist, dass es schon sehr dringend war, weil sobald die Hose/Windel unten ist, macht sie auch gleich.

Am besten klappt es mit unserer Kommunikation an den Tagen wo ich sie an der Uni mit habe. Da bin ich einerseits bemüht, dass sie durch Weinen oder Raunzen nicht im Seminar stört und daher bekomme ich viel besser mit, was sie gerade braucht, als wenn ich zuhause zwischen Haushalt, Kochen, großem Bruder helfen und Aufräumen auch noch auf sie achten möchte. Da klappt es zeitweise eher bescheiden, weil ich oft denke „nur schnell das noch fertig machen“ anstatt, dass ich sofort mit ihr gehe, wenn sie raunzt.

Da sie nun zu krabbeln beginnt, bemerken wir aber auch immer öfter, dass uns der Draht verloren geht, bzw. auch wenn wir das Gefühl haben, dass sie muss, sie sich nicht abhalten lassen will.

6. Lohnt sich Windelfrei?

Ich wurde oft gefragt, ob Windelfrei nicht mehr Arbeit macht. Bei meinem Sohn kann ich sagen, dass es im ersten Lebensjahr sicher mehr Aufwand war, als wenn wir ihn nur alle paar Stunden gewickelt hätten. Wobei ich nicht weiß, ob das soviel entspannter gewesen wäre bei einem Kind, das schreit und raunzt sobald was in der Windel ist.

Doch danach war es viel, viel weniger „Aufwand“, da er mit 13 Monaten überwiegend aufs Topferl ging und nur mehr nachts Windeln trug.

Die „Mehrarbeit“ im ersten Jahr hat sich definitiv gelohnt- wenn man es rein auf den Aufwand reduzieren will. Viel wichtiger finde ich, dass wir auf unsern Sohn eingegangen sind. Ebenso hatte er nie gerötete Haut, offene Stellen oder Windeldermatitis, wie ich von anderen Wickelkindern immer wieder gehört habe.

Und ich habe meine Erwartungshaltung, dass es reibungslos funktionieren müsse, abgelegt. Kinder wachsen, lernen und entwickeln sich. Nichts „funktioniert“ von Anfang an, da alles ein Entwicklungsprozess ist.

Ich sehe meine Aufgabe darin, sie dabei zu unterstützen. Das tue ich beim Essen lernen (Essen bereitstellen, saubermachen, Besteck bereit legen), Sprechen lernen (indem ich mit ihnen spreche), Gehen lernen (Ecken abpolstern 😉 und eben beim Ausscheiden (Abhalten, Topferl anbieten) usw.

Ich finde es auch viel angenehmer, wenn man die Kleinen beim großen Geschäft abhält, anstatt nachher ein angekacktes Kind sauber machen zu müssen. Das geht einerseits viel schneller, andererseits ist es auch für die Kinder sicher angenehmer, wenn sie nicht jedes Mal in der vollen Windel sitzen müssen.

Wobei ich zugeben muss, dass es bei unserer Tochter seit einiger Zeit sehr oft in die Windel geht, einfach weil wir es nicht merken um sie rechtzeitig abzuhalten. Aber auch das wird sicher wieder besser werden.

7. Meine 5 besten Windelfrei-Tipps

  1. Nicht überlegen, sondern einfach tun! Windelfrei versucht man nicht, man macht es einfach!
  2. Gelassen bleiben.
  3. Es ist kein Wettkampf „wer die wenigsten nassen Hosen“, das „am frühesten trockene Kind“, „die beste Windelfrei-Ausstattung“ hat.
  4. Sich nicht beirren lassen und keine Angst vor schiefen Blicken haben. Es ist nicht abnormal sein Kind abzuhalten! Ich finde es vielmehr befremdlich, das Kind in seinen Ausscheidungen liegen zu lassen, obwohl man es verhindern könnte.
  5. Keine Angst vor „der vielen Arbeit“ haben. Irgendwann muss jedes Kind anfangen aufs Klo zu gehen. Die Frage ist nur, ob wir es ihm von Anfang an ermöglichen oder ihm erst etwas anderes beibringen um es nachher umlernen zu lassen.

Liebe Grüße
Julia

Das war ein Gastbeitrag von Julia, die mit Windelfrei angefangen hat, als ihr Sohn 12 Tage alt war.

17 Kommentare zu „Windelfrei und Abhaltestreik – Erfahrungsbericht Julia“

  1. So, ich muss jetzt auch mal einen Kommentar dalassen. Ich kann mich meinen “Vorschreiberinnen” nur anschließen: Das ist wirklich ein klasse Bericht. Und ich erkenne uns auch darin wieder. Zwar haben wir bisher – und ich hoffe, es bleibt so – noch keinen Abhaltestreik erlebt, aber es ist auf jeden Fall gut und interessant zu lesen, wie andere damit umgehen.
    Mein kleiner Mann ist jetzt knappe fünf Monate alt und wir haben mit dem Abhalten und zeitgleich auch mit Stoffys angefangen als er ca. 6 Wochen alt war. Es hat von Anfang an super funktioniert. Er mag es auch nicht so gerne, wenn die Windel nass ist (er mochte es zuvor auch nicht bei den Wegwerfwindeln), weshalb er sich eigentlich immer meldet, falls doch mal etwas Pipi in die Windel geht. Wann das große Geschäft das letzte Mal in der Windel gelandet ist, daran kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.
    Ich habe mich damals dazu entschieden, weil er zuvor auch häufiger wund war und die blöden Wegwerfwindeln außerdem dauernd ausgelaufen sind. Bei den Stoffys haben wir bisher so gut wie nie nasse Kleidung gehabt. Ich habe beschlossen, jetzt im Sommer bei ihm auch mal auf Unterhosen umzusteigen, zumindest tagsüber. Ich habe ihm schon ein paar Mal zum Ausprobieren welche angezogen und er hat es sehr genossen, weil er sich darin vieeeel besser bewegen kann.
    Was das Abhalten angeht, sehe ich es ganz genauso wie Julia: Erstens ist es wirklich meist ein inneres Gefühl, das der Mutti sagt, dass das Kindchen möglicherweise muss, selbst wenn man sich nicht vorstellen kann, dass es “schon wieder” muss, obwohl es doch gerade war. Zweitens finde ich den Gedanken, dass mein Kind in seinen Ausscheidungen sitzen muss auch ganz fürchterlich. Drittens bin ich auf jeden Fall der Meinung, dass die Kinder – auch ganz kleine – ein genaues Gefühl für ihre Bedürfnisse haben. Unser kleiner Mann liegt oft nackt vor mir auf dem Wickeltisch, wenn ich ihn massiere und er pinkelt mich nie an dabei. Wenn ich ihn hinterher abhalte, kommt meist trotzdem eine riesen Ladung. Und viertens finde ich, dass es die Mühe auf jeden Fall wert ist. Denn Zeit investiert man doch auf jeden Fall. Und wenn ich diese Zeit schon von Anfang an dazu nutzen kann, um mein Kind besser verstehen zu lernen und ihm zu zeigen, dass es seine Bedürfnisse kommunizieren darf und nicht unterdrücken oder verlernen muss, nur weil ich es so will, dann kann man doch nur gewinnen. =)

    Liebe Grüße von noch einer Julia 😀

  2. Hmmm, danke für den Bericht! Ich habe vor 3Wochen bei sommerlichen Temperaturen einfach Hose und Windeln weggelassen, seitdem sind wir windelfrei (die ersten sieben Monate Teilzeit+Stoffies) -auch nachts, denn ich hatte gelesen, dass es sonst zu Verwirrungen kommen kann. Es läuft eigentlich sehr gut, in den letzten Tagen will unser Kind aber immer häufiger nicht abgehalten werden, wir wechseln von Topf zu Waschbecken, Badewanne, Garten, teilweise brüllt er laut los und wehrt sich, dann klappt es einwandfrei. Definitiv ist es sowohl zeitlich als auch gedanklich intensiv, so dass auch ich mich täglich frage:lohnt es sich? Herute ziehen wir wieder Windeln an, es reicht, nette Erfahrung…aber dann finde ich es wiederum schade, denn es klappt doch eigentlich so gut…diese Woche probieren wir es noch ohne Windel, dann sehen wir weiter….

  3. Hallo Julia,
    spannend zu lesen, danke fürs Teilen! Ich bin in meiner Not auf die Seite gestossen: Mein Mädchen ist jetzt fast 17 Monate alt. Ich habe erst mit sechs Monaten angefangen sie abzuhalten, habe es dann aber auf das grosse Geschäft beschränkt, weil ich das Pipi einfach nicht verwitscht habe… Das hat so lala bis anhin geklappt mit zeitweise Klo und dann Töpfchen. Seit ca zwei Wochen streikt Madam nun und das Geschäft dann wegmachen ist echt mühsam, weil sie sich kaum bändigen lässt. Ich versuche nach wie vor immer, wenn ich den Eindruck habe, dass sie muss sie sofort aufs Töpfchen oder Klo zu setzen, kommuniziere auch über das Ausscheiden mit ihr, frage sie usw. Sie setzt sich dann auch willig hin, aber passieren tut nichts, erst wenn ich sie dann nach gefühlt ewig wieder angezogen habe und sie wieder spielt, dann kommt es meist prompt… Hast Du mir einen Tipp?
    LG und Dank im Vorraus
    Christa

  4. Hallo zusammen.

    Meine Tochter ist nun 7 Monate alt und war 6 davon nahezu windelfrei. Auch sie hat in einem Affenzahn erst sitzen, dann krabbeln und nun stehen und hochziehen gelernt. Sie ist voller Bewegungsdrang und läßt sich nicht mehr abhalten. Sie weigert sich, schreit und macht sich steif. Wir benutzen nun Einwegwindeln weil wir alle etwas überfordert sind. Wir waren in den letzten Wochen viel unterwegs und bei der Oma. Ich hatte gehofft, dass es sich nun zu Hause wieder entspannt aber es ist immernoch angespannt.
    Hat jemand einen Tipp für uns oder kennt noch eine Strategie ausser hinterherwischen? Ich bin mir unsicher, ob ich nun wickeln und etwas Zeit vergehen lassen soll. Ist es sinnvoll es weiterhin mit dem Abhalten versuchen oder verstärkt das den Streik nur?
    Wer weiß was?
    Beste Grüße
    Anna

    1. Hallo Anna,

      Biete es einfach immer wieder an. Ab Sitzalter war meinen Jungs das Töpfchen irgendwann lieber. Das konnte ich beim Spielen einfach unter den Po schieben und das hat sie kaum gestört 😉

      In schlechten Phasen habe ich teilweise nur morgens zum ersten Pipi abgehalten. Macht so, wie es für euch gerade passt. Ich würde aber eben immer die Chance geben, woanders als in die Windel zu pinkeln 😉

      Ich würde euch außerdem Stoffwindeln empfehlen. Mein Großer war bei Wegwerfwindeln deutlich hemmungsloser, was das Reinpinkeln anging. Es ist einfach zu trocken, was ich für Windelfrei nicht für sinnvoll halte. Aber da sind Kinder ja sehr unterschiedlich. Leg doch mal einen Lappen rein und beobachte, ob das die Reaktion seiner Tochter ändert? Und natürlich sind Stoffis auch in vielerlei anderer Punkte sinnvoller 😉

      Ansonsten gibt’s immer Aufs und Abs, spätestens im Sommer läuft es sicher wieder besser 🙂

      Liebe Grüße, Jessica

  5. So herrlich, den Text zu lesen!!! Haben zwei Kinder (5 und 1,5 J) beide windelfrei und genau SO ist es :-)Wobei der Jüngere von unserer Vorerfahrung deutlich profitiert. Bei ihm gibt es bisher noch keinen deutlichen Abhaltestreik. Er lauscht dann gern einer Geschichte und dann “läuft es” 🙂

    Windelfrei kam mir bei ihm außerordentlich zugute, als er sich mit 1 Jahr ca. Handteller groß den Genitalbereich mit heißem Wasser verbrannt hat. Ich verzichtete völlig auf Windeln, damit er keine Schmerzen hat und seit dem hat er nie wieder eine getragen.

    Unser Ältester war da nicht so gut dran. Hier hatte ich mit vielen (Selbst-)Zweifeln und unserer unmittelbaren Umgebung zu kämpfen. Auch waren wir viel zuhause, da es Ärger gab, wenn er z.B. in Omas gute Stube gepieselt hatte. Er hatte auch lange Abhaltestreiks – wischen, wischen, wischen und viele Hosen bereithalten 🙂
    Er war jedoch ebenfalls mit ca 1,5 Jahren soweit, dass er aufs Töpfchen wollte.

    Zur Kindergarten”eingewöhnung” dann das böse Erwachen: jeden Tag eine nasse Hose (habe ihn Mittag abgeholt) und Stottern… Signal sehen oder übergehen? Letzteres konnte ich nicht, also von da an auch KiGafrei 🙂

    Ein Blog wie dieser hätte mir damals sehr geholfen.

    Mittlerweile sind alle entspannter. Wir lernen jeden Tag dazu. Ganz wunderbar!!!

    1. Hey Jeannine,

      danke fürs Teilen deiner Erfahrungen. Klingt total spannend.

      Cool, dass ihr mit 1 Jahr die Windeln weggelassen und es so gut geklappt hat <3 Ja, beim zweiten ist man oft schlauer.

      LG Julia

  6. Super Bericht! Danke! Bist du in der Wischzeit nur zu Hause gewesen oder hatte er dann unterwegs Windeln an? Und nachts?
    LG, Babsi

    1. Danke für den super Bericht! Mein Sohn ist jetzt acht Wochen und ich bin hin und her gerissen bei dem Thema windelfrei. Deshalb würde es mich auch sehr interessieren wie man das unterwegs und nachts macht? Liebe Grüße Sid

      1. Hallo Sid,

        Was genau meinst du denn?

        Meine Jungs waren bzw sind Teilzeit-Windelfrei, haben also auch Windeln an. Gerade unterwegs und nachts. Keiner von beiden zeigte als Baby aber an, wenn er musste. Oder besser gesagt, nicht deutlich genug, damit ich es merkte. Und sie hat eine nasse Windel nie gestört… Ansonsten kann man ja auch unterwegs und nachts abhalten, wenn das Kind das möchte/braucht. Probiert doch einfach mal, was euer Kind so mag 🙂 Das Bewusstsein über seine Ausscheidungen zu erhalten ist in jedem Fall was Gutes. Wie genau ihr es umsetzt, wird sich zeigen. Mit der Zeit ändert sich der Alltag ja ohnehin wieder, just go with the flow 😉

        Liebe Grüße, Jessica

  7. Schöner Bericht. Da sieht man mal wieder, wie individuell die Kleinen sind. Die reinste Achterbahnfahrt. Hut ab vor der Wascherei und Wischerei!!
    Mein Söhnchen ist jetzt 8 Monate und übt Krabbeln und Hochziehen, zudem kommen die Zähnchen, da ist auch nicht mehr viel mit Signalisieren – oder ich erkenn es nicht. Wo vor 2 Wochen das Abhalten überm Klo astrein funktionierte, ist seit ein paar Tagen Funkstille, er streckt und windet sich, wenn ich Glück habe (oder es ihm wichtig ist?), klappt das Morgengeschäft noch. Aber es kommen ja wieder bessere/andere Zeiten…

    1. Hallo Franzi,
      Unser Sohn ist jetzt 8,5 Monate und so vor ein paar Wochen hatten wir ein ähnliches Problem. Er hat sich beim Abhalten immer raus gewunden und kurz danach war die Stoffwindeln nass. Was bei uns gut geklappt hat, ist dass er jetzt selbstständiger seien darf. Ich habe ein Töpfchen für ihn gekauft und anstatt ihn übers Klo o.ä. Abzuhalten setzte ich ihn jetzt auf’s Töpfchen. Außerdem hat er festgestellt, dass er ihm Stehen pinkeln kann, was er mit Begeisterung tut. Im Garten in die Umrandung und drinnen entweder in die Badewanne oder auf der Klobrille stehend ins Klo! Vielleicht hilft es euch ja auch…

      Und liebe Julia, an dieser Stelle muss ich mich einmal ganz, ganz arg für deinen tollen Blog bedanken!!!❤️ Ohne ihn, hätte es bei uns mit den Stoffis und dem Abhalten nie so gut funktioniert!! DANKE!!

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